Bankencheck: So gesund sind Deutschlands Banken

Sind Rechenzentren Klimakiller?

Warum „Green Cloud“ für Banken ein Top-Thema sein sollte

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Große Cloud-Rechenzentren bilden das Rückgrat der Digitalisierung. Da sie sehr stromhungrig sind, werden sie von der EU verschärft beobachtet. Doch Cloud und Nachhaltigkeit passen zusammen und Banken könnten eine grüne Entwicklung mitgestalten.

Green Cloud sollte für Banken ein Top-Thema sein

Green Cloud für nachhaltige Digitalisierung.

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Digitalisierung gilt für viele Unternehmen als Eintrittskarte in eine prosperierende Zukunft: per App schneller denn je zum neuen Service-Angebot, per E-Banking zu komfortablen Transaktionen und effizienten Zahlungsabwicklungen. Die Auslagerung eigener Dienste in eine elastische Public Cloud macht den Betrieb flexibler, agiler und nicht zuletzt deutlich günstiger.

Zu diesen Rechenzentren lässt sich im Grunde alles zählen, was mehr als zwei Server betreibt. Damit käme man laut Dr. Ralph Hintemann, Experte für Green IT beim Borderstep Institut in Berlin, auf etwa 50.000 Rechenzentren verschiedenster Größenordnungen in Deutschland. Betrieben werden sie vor allem von IT-Unternehmen, Behörden, Hochschulen, Industriebetrieben und Banken. Es gibt zwar nur einige Dutzend große Cloud-Rechenzentren, doch die Zahl der darin betriebenen Server reicht oft bis zu mehreren Tausend. Die Hausherren dort sind die großen Hyperscaler wie Amazon, Google und Microsoft, zum Teil in Zusammenarbeit mit Vertrags-Hostern wie etwa der Deutschen Telekom/T-Systems und anderen großen IT-Dienstleistern.

Energieverbrauch weniger dramatisch als erwartet

Der Energieverbrauch von Rechenzentren (über alle Größenklassen hinweg) in den EU-Mitgliedstaaten lag 2018 bei 76,8 Terrawattstunden oder 2,7 Prozent des gesamten Strombedarfs. Das geht zumindest aus einer Studie hervor, die im November 2020 von der EU-Kommission herausgegeben wurde. Das Wachstum des Energieverbrauchs zwischen 2010 und 2018 fiel demnach bei Weitem nicht so dramatisch aus, wie es im Jahr 2010 vielfach prognostiziert wurde. Der Verbrauch war damals mit 53,9 Terrawattstunden sicher niedriger als 2018, die Rechenleistung hat sich aber im gleichen Zeitraum mehr als verzehnfacht.

In der EU-Studie, die von der österreichischen Umweltagentur in Zusammenarbeit mit dem Borderstep Institut verfasst wurde, wird auch der zukünftige Energiebedarf von Rechenzentren in den EU-Mitgliedstaaten analysiert und modelliert. Die fortschreitende Digitalisierung und insbesondere die zunehmende Verfügbarkeit von Cloud-Diensten würden erneut zu einem deutlichen Wachstum der Rechenzentrumskapazitäten führen. Dieses Wachstum sei so stark, dass es die hier schon mit eingepreisten Effizienzsteigerungen auf allen Ebenen (Hardware, Software, Rechenzentrumsinfrastruktur) mehr als wettmachen werde. Der Gesamtenergieverbrauch von Rechenzentren in Europa werde also weiter steigen: ausgehend von 2018 bis ins Jahr 2025 um 21 Prozent auf 92,6 Terrawattstunden. Während der Anteil der Cloud-Rechenzentren im Jahr 2010 10 Prozent des Energieverbrauchs aller EU-Rechenzentren ausmachte, stieg er laut Studie bis 2018 auf 35 Prozent. Bis 2025 soll er auf etwa 60 Prozent ansteigen.

Rebound: Der unkalkulierbare Effekt

All diese Zahlen machen zwei Dinge deutlich: Große Cloud-Rechenzentren werden in der Energiebilanz immer wichtiger und alle Rechenzentren erfahren einen massiven Reboundeffekt: Verbesserte Effizienz wird von noch schneller steigender Gesamtleistung zunichte gemacht, wobei eben diese Effizienzsteigerung zu höherer Attraktivität für Kunden und damit steigender Buchung von Leistungen führt. In gewisser Weise sind die Rechenzentren also sowohl Gewinner als auch Opfer ihres eigenen Optimierungserfolgs.

Da die Zukunft nicht darin liegen kann, die Optimierung von Rechenzentren zu stoppen, damit weitere Anwendungen auszubremsen und gegebenenfalls Kunden zu verlieren, muss die Strategie lauten: Optimierungspotenziale ausschöpfen und den sicher dennoch steigenden Gesamtenergiebedarf durch erneuerbare Energien abdecken. Die großen Hyperscaler könnten hier tatsächlich Vorbild sein. Sie alle reklamieren für sich hohe Priorität in Sachen Klimaneutralität. So behauptet zum Beispiel Microsoft, dass die globalen Aktivitäten des Unternehmens schon seit 2012 zu 100 Prozent klimaneutral seien. Google will noch vor Microsoft das erste große Unternehmen weltweit gewesen sein, das klimaneutral arbeitete. Seit 2017 soll Google 100 Prozent seines Stromverbrauchs mit erneuerbarer Energie decken.

Grüner Einfluss der Banken

Banken spielen in Sachen Green Cloud eine doppelte Rolle: Als eine der wichtigsten Gruppen, die eigene Rechenzentren betreiben, gilt es im ersten Schritt, mit gutem Beispiel voran zu gehen und die Klimaneutralität in den eigenen Rechenzentren zu treiben. Parallel sollten Banken die Public-Cloud-Anbieter, die sie für eine zunehmende Zahl von Services nutzen, auf diesem Weg unterstützen. Es liegt in ihrer Hand, die Vergabe von Krediten neben den traditionellen Kriterien auch von den Klimazielen des Antragstellers abhängig zu machen. In beiden Fällen gibt es eine Reihe von Faktoren, die Banken gezielt favorisieren könnten:

  • Energiesparende Komponenten,
  • Kühlung,
  • Software sowie
  • Purpose – das „Gewissen des Unternehmens“.

Energiesparende Komponenten

Der Haupttreiber für die Verbesserung des Verhältnisses von Rechenkapazität zu Energieverbrauch war in den letzten Jahrzehnten die kontinuierliche Erhöhung der Rechenleistung. Während die Nachfrage nach Rechenkapazität stetig stieg, wuchs auch der Gesamtenergiebedarf von IT-Geräten, allerdings relativ gesehen deutlich langsamer. Ob die grundlegenden physikalischen Bedingungen es erlauben, dass das auch in Zukunft so bleibt, ist ungewiss. Solange es jedoch noch funktioniert, könnten Banken sowohl beim eigenen Equipment als auch bei allem, was zur Finanzierung bei Kunden ansteht, entsprechend einwirken.

Kühlung

Rechenzentren benötigen fast ebenso viel Energie für die Kühlung wie für die Rechenleistung. Eine wohlbedachte Standortwahl – bevorzugt also kühlere Regionen – sowie die Nutzung von Technologien, die Umgebungstemperaturen für die Kühlung nutzen, haben positiven Einfluss. Moderne Systeme kühlen nicht mehr gesamte Räume, sondern verfügen über ein intelligentes Luftstrom-Management, das Kalt- und Heißluft trennt und Kühlung punktgenau dort hinbringt, wo die Hitze tatsächlich entsteht.

Software

Die Art und Weise der Programmierung von Tools und Apps macht einen großen Unterschied in Sachen Energieeffizienz. Energiebewusste Softwareentwicklung kann Cloud-Computing also deutlich effizienter machen, vor allem wenn es um rechenintensive Anwendungen wie Krypto-Mining und KI geht.

Purpose – das „Gewissen des Unternehmens“

Zum Erfolgsgeheimnis moderner Unternehmen gehören eine klar formulierte Vision und ein gesellschaftlicher Sinn. Themen wie endliche Ressourcen und Nachhaltigkeit sind in Zeiten von Fridays for Future häufig noch zu wenig im Unternehmenszweck verankert. Im Bankensektor trifft das weitgehend zu. Finanzinstitute sollten hier bei sich selbst nachschärfen und Kunden mit umweltgerechter Mission besonders fördern.

Green Cloud als Chance für Banken

Bei Rechenzentren – besonders bei den großen Cloud-Anbietern – stehen alle Zeichen auf Wachstum. Energieeffizienz und Klimaneutralität gehören zu den wichtigsten Treibern. Banken sind folglich gut beraten, diesen Trends zu folgen und entsprechende eigene Investitionen ebenso wie passende Finanzierungsprojekte bei Kunden zu steuern.


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Über den Autor

Simone Göltl

Simone Göltl ist Senior Managerin im Frankfurter Büro von KPMG und seit über 10 Jahren fokussiert auf die Transformationsberatung in Banken. Die Diplom-Kauffrau hat ihren Fokus auf der Begleitung der Cloud Transformation, und insbesondere in der Ausgestaltung und Umsetzung des Modern (Digital) Workplace.

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