Neue Perspektiven für ein altes Finanzierungsinstrument

Schuldscheindarlehen in der Unternehmensfinanzierung

In den letzten Jahren ist das Schuldscheindarlehen wieder populärer geworden, wie die gestiegenen Eimissionsvolumina zeigen. Als Instrument der direkten Finanzierung über den Kapitalmarkt für Unternehmen hat es sich als Alternative zu Konsortialkredit und Unternehmensanleihe bewährt.

Neue Wege in der Unternehmensfinanzierung

In der Finanzierung von Unternehmen wird ständig nach neuen Wegen zur Optimierung gesucht.

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Ein Schuldscheindarlehen, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, ist die spezielle Ausgestaltung eines Darlehensvertrags. Im Vergleich zur Emission einer Unternehmensanleihe ist ein Schuldscheindarlehen hinsichtlich der administrativen Anforderungen schlanker und kostengünstiger möglich: Die Dokumentation ist überschaubar, ein Rating ist wünschenswert, aber keine Pflicht. Das Schuldscheindarlehen bietet den Vorteil, dass es passgenau nach den Wünschen des Emittenten strukturiert werden kann – wobei der jeweiligen Kapitalmarktverfassung und dem Risikoappetit der Investoren Rechnung zu tragen ist.

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Schuldscheindarlehen sind keine Wertpapiere und nicht an der Börse handelbar, gleichwohl bietet etwa die Börsen AG Hamburg Hannover eine Plattform für ihren Handel. Es besteht keine Pflicht zur Erstellung eines Emissionsprospekts, ebenfalls ist eine Genehmigung durch die BaFin nicht erforderlich. Die Gewährung eines Schuldscheindarlehens ist ein Bankgeschäft, die gewerbemäßige Vergabe ist im Inland nur mit schriftlicher Erlaubnis der BaFin gestattet. Der Schuldschein ist ein bilateraler Kreditvertrag und rein rechtlich somit als Darlehen und nicht als Anleihe einzuordnen. Unternehmen begeben die Schuldscheindarlehen in der Regel nicht in Eigenregie, sondern mithilfe einer Bank. Typischerweise schließt der Emittent direkt mit der Bank ein Schuldscheindarlehen ab. Die Bank platziert das Darlehen dann durch Abtretung der Forderungen bei Investoren.

Gestaltungsmöglichkeiten bei der Besicherung von Schuldscheindarlehen

Bei einem Schuldscheindarlehen sind unterschiedlichste Formen der Besicherung möglich. Die Covenants und Reportingpflichten unterscheiden sich normalerweise nicht von denen einer Kreditfinanzierung. Das eröffnet dem emittierenden Unternehmen Gestaltungsspielräume in Abhängigkeit vom Finanzierungsanlass. Dient die Begebung des Schuldscheindarlehens der allgemeinen Finanzierung des Unternehmens, so ist eine spezielle Besicherung unüblich. Ein solches Schuldscheindarlehen ist vergleichbar mit einer unbesicherten Unternehmensanleihe („senior unsecured“); beim Ausfall steht den Investoren das gesamte Unternehmen als Sicherheit zur Verfügung – wie allen anderen Gläubigern auch. Liegt der Emission ein konkreter Finanzierungsanlass zugrunde, so besteht die Möglichkeit, einen Pool von Sicherheiten mit dem Schuldscheindarlehen zu verbinden und es damit zu besichern. Das ist vergleichbar mit einer besicherten Unternehmensanleihe („senior secured“ oder „asset backed“). Dieser Sicherheitenpool steht beim Ausfall exklusiv den Schuldscheindarlehens-Investoren als Sicherheit zur Verfügung.

Beispiel: asset backed-Besicherung eines Schuldscheindarlehens

Wie funktioniert die asset backed-Besicherung eines Schuldscheindarlehens? Dies zeigt ein konkreter Fall aus der Immobilienwirtschaft, bei dem es um den Ankauf von Grundstücken geht, für die bereits rechtskräftige Bebauungspläne vorliegen. Ein Projektentwickler hat das Ziel, sich eine Anzahl von Grundstücken in attraktiven Lagen bundesweit zu sichern und sie zeitnah zu entwickeln, eine Baugenehmigung zu erwirken und gemäß Bebauungsplan zu bebauen. Die Finanzierung der Grundstückankäufe erfolgt über 10 Prozent Eigenkapital und die Emission eines Schuldscheindarlehens. Letzteres wird grundpfandrechtlich an den Grundstücken besichert. Innerhalb des Schuldscheindarlehens gibt es zwei Teile: einen erstrangig besicherten (bis 60 Prozent Auslauf) und einen nachrangig besicherten (60 bis 90 Prozent Auslauf). Entsprechend unterscheiden sich die beiden Teile auch in ihrer Kuponhöhe; während der erstrangig besicherte Teil sich auf Pfandbriefniveau bewegt, liegt das Niveau des nachrangig besicherten Teils auf dem Niveau einer Unternehmensanleihe. Im vorliegenden Fall wird das Schuldscheindarlehen geratet: der erstrangige Teil ist klar Investmentgrad, der nachrangige Teil ist knapp unterhalb Investmentgrad – was durch eine entsprechende Risikoprämie beim Kupon ausgeglichen wird.

Transparenz für Investoren von Schuldscheindarlehen

Um die größtmögliche Transparenz und Sicherheit für die Investoren zu bieten, wird das Schuldscheindarlehen mit einem halbjährlichen Kupon ausgestattet. Darüber hinaus wird ein Treuhänder eingesetzt, auf dessen Treuhandkonto der Emissionserlös fließt und von dort gegen entsprechenden Nachweis für die konkreten Grundstücksankäufe freigegeben wird; damit ist die Zweckbindung der Mittel sichergestellt. Des Weiteren werden die üblichen Covenants vereinbart und es wird ein vierteljährliches Reporting für die Investoren aufgesetzt. Die gesamte Emission des Schuldscheindarlehens kann somit erfolgreich bei institutionellen Investoren von Vertriebspartnern platziert werden.

Dieses Beispiel zeigt, welche Gestaltungsmöglichkeiten ein Schuldscheindarlehen für Unternehmen bietet. Gleichzeitig können Investoren gemäß ihren Präferenzen in ein für sie passendes Darlehen investieren.


Der Beitrag erschien ursprünglich als Teil des Jahrbuchs 2017/18 des Ver4einas Finanzplatz Hamburg, dessen Mitglied der Bank Blog ist. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen oder als Hardcopy bestellen.

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Über den Autor

Prof. Dr. Carl Heinz Daube

Carl Heinz Daube ist Professor für Finanzierung an der Northern Business School in Hamburg und als selbständiger Berater tätig. Zuvor hatte er verschiedene Leitungspositionen inne, u.a. als Geschäftsführer der Bundesfinanzagentur sowie bei der HSH Nordbank.

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