Nachhaltigkeit ist kein einfaches Thema bei Finanzanlagen

Herausforderung ESG-kompatible Investments

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Schlagwörter wie Fairtrade, Social Mobility und Ecological Responsibility begegnen uns überall. Bei Fridays for Future protestieren nicht mehr nur junge Menschen gegen die zerstörerische Umweltverschmutzung der Welt. Auch bei Finanzanlagen ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema.

Bei Finanzanlagen ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema

Nachhaltigkeit ist bei Finanzanlagen ein wichtiges Thema.

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Unter dem Motto „global denken – lokal handeln“ spielt die Klimakrise auch mehr und mehr im täglichen Leben eine Rolle. Umwelt- und Naturschutz bedeuten dabei nicht, auf Konsum zu verzichten, sondern verantwortungsbewusst mit der Welt, ihren Ressourcen und der Menschheit umzugehen.

Bei den urbanen Millennials werden eigene Autos durch Sharing-Programme abgelöst. Es ist chic, sich mit gemieteten Elektroautos in den Innenstädten zu bewegen oder auf einem E-Scooter von A nach B zu kommen.

Ein nachhaltiger Umgang mit der Welt bedeutet aber auch, Transportwege zu minimieren, jahreszeitliche Angebote zu nutzen, nachhaltige Herstellung zu unterstützen, energiesparende Produkte zu bevorzugen oder fairen Handel zu fördern. Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Es ist also chic, besser auf die Welt und die Menschheit aufzupassen und verantwortlich zu leben.

Ethisch-ökologische Investments liegen im Trend

Was liegt nun näher, als diese Verantwortlichkeit auch auf Kapitalanlagen zu übertragen? Institutionelle Anleger wie der norwegische Staatsfonds richten ihre Investments schon länger auch an sozialen und ökologischen Kriterien aus. Immer mehr Versicherer schwören von Investments in fossile Energien ab und wollen vielmehr ihre Anlageentscheidungen auch nach nachhaltigen Kriterien treffen.

Mittlerweile verlangen aber auch immer mehr Privatanleger von ihren Investments nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine ökologische und soziale Rendite. Ertrag, Sicherheit und Liquidität reichen allein nicht mehr aus. Allein in Deutschland gibt es bereits 700 Investmentfonds, die mehr oder weniger nachhaltig investieren. Und jede Woche werden es mehr.

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Nachhaltige Investments sind auch deshalb immer gefragter, da sich die Erkenntnis durchsetzt, dass sich so verschiedene Risiken abmildern lassen, die auch finanzielle Rendite kosten. Häufig geht es dabei um Schäden an der Reputation, die beispielsweise durch Umweltskandale verursacht werden, oder um Prozessrisiken beziehungsweise Schadenersatzzahlungen.

Wer in den vergangenen Jahren einschlägige Veranstaltungen und Messen der Finanzindustrie besuchte, kam um das Thema nachhaltige Geldanlagen nicht herum. Begriffe wie SRI (Socially Responsible Investing) und ESG (Environmental, Social and Governance) sind omnipräsent. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Konzepte in der Praxis beträchtlich.

Kein Konsens in Sachen Nachhaltigkeit

Einigkeit besteht meist noch bei der Ächtung von Kinderarbeit, Pornografie oder Herstellung von Waffen oder Tabakwaren. In der Energiewirtschaft ist der Konsens aber schon schnell beendet. Denn die Meinungen, ob Kernkraft oder Kohleverstromung schlimmer für die Umwelt ist, gehen schon weit auseinander. Selbst die Fachleute sind sich nicht einig, welche Wege in der Pharma-, Biotech- oder Telekom-Industrie die umweltfreundlichsten und für die Menschheit nachhaltig sinnvollsten sind. Besonders krass zeigt sich die Uneinigkeit derzeit an der Ökobilanz von Elektroautos, über die heftig debattiert wird.

Selbst ESG-Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics, RepRisk und ISS kommen oftmals zu unterschiedlichen Einschätzungen. Wie soll dieser gordische Knoten nun durchschlagen werden? Die generell unterschiedlichen Definitionen des sehr weiten Begriffs der Nachhaltigkeit sind geprägt durch persönliche ethische Vorstellungen. Solange es also keine allgemeingültigen gesetzlichen Definitionen zu diesem Thema gibt, wird eine Vergleichbarkeit der Anlagen nur schwer möglich sein.

EU strebt einheitliche ESG-Taxonomien an

Die EU versucht nun; eine einheitliche Taxonomie für nachhaltige Investments aufzustellen und hat dies für den Bereich Umwelt vor kurzem umgesetzt. Die vielfältigen Interessenlagen der Akteure nähren die Vermutung; dass eine gesetzliche ESG-Integration zu großen Diskussionen innerhalb der verantwortlichen Gremien führt und hoffentlich trotzdem zu maßgeblichen notwendigen Veränderungen. Einen ersten Bericht zur Taxonomie von klimafreundlichen Investments, EU Green Bond Standards, Nachhaltigkeitsratings sowie Reportings hat die EU Mitte Juni vorgelegt. Nun wird erst einmal Feedback von den Akteuren eingesammelt. Wie lange wird es dauern, bis wirklich Maßnahmen geplant und umgesetzt werden, mit denen sich Anlagegelder in soziale und ökologische Geschäftsmodelle verlagern lassen? Hoffentlich sind sich die handelnden Personen ihrer Verantwortung bewusst.

Unabhängig davon, was auf EU-Ebene beschlossen wird, kann jeder Anleger seine subjektive Stoßrichtung in der Anlage, wie er ökologische, soziale und Kriterien der guten Unternehmensführung in den Investmentprozess implementiert haben möchte, nur selbst finden. Die hoffentlich umfassenden EU-Maßnahmen werden die persönlichen Bedürfnisse jedes Investors nicht stillen können.


Der Beitrag erschien als Teil des Jahrbuchs 2019/20 des Vereins Finanzplatz Hamburg e.V.. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen oder als Hardcopy bestellen.

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Über den Autor

Carsten Riehemann

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Albrecht, Kitta & Co., einem unabhängigen Vermögensverwalter aus Hamburg, der vermögende Privatkunden, Unternehmerfamilien, Family Offices und Stiftungen in allen Belangen rund um ihr Vermögenbegleitet.

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