Wohin steuert der Krypto-Handel in Deutschland?

Regulatorik schafft Sicherheit für Anleger

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Was sind die Gründe der aktuellen Hausse im Krypto-Markt? Welche Player haben sich in Deutschland und Europa eine gute Position gesichert? Und wie können Anleger in Krypto-Währungen investieren?

Handel mit Kryptowährungen in Deutschland und Europa

Der Handel mit Kryptowährungen in Deutschland und Europa ist in Bewegung.

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Es mag sich für viele wie ein Déjà-vu aus dem Jahre 2017 anfühlen. Der Bitcoin-Kurs erreicht fast täglich neue Höchststände und sogleich sprießen neue Coins und ICOs (Initial Coin Offerings) aus dem Boden. Die Frage, die sich viele Anleger stellen ist, ob wir am Anfang einer erneuten Blase wie vor etwa 4 Jahren stehen oder ob sich die Fundamentaldaten, die den Markt antreiben, dieses Mal geändert haben? Eines macht der Blick in die Retrospektive jedoch klar. Sollte es sich bei der fulminanten Performance von Bitcoin jeweils um Blasen gehandelt haben, dann wäre sie schon viermal geplatzt und dabei jeweils stärker zurückgekommen. Dies kann nicht über jede Finanzmarktblase konstatiert werden.

Bitcoin auf Höhenflügen

Mit immer neuen Allzeithochs machte vor allem Bitcoin in den letzten Wochen und Monaten von sich reden. Aktuell wird eine Einheit der mit Abstand größten digitalen Währung für 48.800 USD gehandelt, was einer Marktkapitalisierung von rd. 914 Mrd. US-Dollar entspricht (Stand 13.5.2021).

Für ein gerade einmal 12 Jahre altes Asset hat Bitcoin damit eine beeindruckende Geschichte hinter sich. Vor diesem Hintergrund ist es spannend, einen Blick zurück zu werfen. Die erste Website, die Bitcoins zum Verkauf angeboten hat, zeigt, dass im Geburtsjahr 2009 noch mehr als 1.500 Bitcoin für einen US Dollar offeriert wurden.

Die erste Website auf der Bitcoin gehandelt wurden

Die erste Website auf der Bitcoin gehandelt wurden aus dem Jahr 2009. Hier wurden 1.578 Bitcoin für einen US-Dollar angeboten. Grundlage für den Preis waren die Stromkosten den Minings.

Neue Höchststände bei Bitcoin simpel erklärt

Die Gründe für den aktuellen Aufwind diverser Digitalwährungen liegen auf der Hand. Eine Rekordneuverschuldung vieler Staaten im Zuge der anhaltenden Corona Krise und die von einigen Medien beschworene Furcht, vor einem drohenden Anstieg der Inflationsrate, drängen viele Anleger in den vermeintlich „sicheren Hafen“ von deflationären Kryptowährungen, wie Bitcoin. Deflationär deshalb, weil von dem feststehenden Angebot von 21 Mio. Bitcoin bereits über 18 Mio. im Umlauf sind. Somit liegt in der Kombination eines der Bitcoin-Technologie immanenten knappen Angebots, das auf eine signifikant gestiegene Nachfrage trifft, der Hauptgrund für den Preisanstieg. Vielleicht trägt dieser simple Zusammenhang, der für alle Asset Klassen gilt, zur Entmystifizierung von Bitcoin bei.

Neu ist hingegen, aus welchen Quellen und Kundengruppen die “neue” Nachfrage kommt. Es ist fast täglich der Presse zu entnehmen, dass mittlerweile auch erheblich institutionelles Geld in den Krypto-Markt fließt, der bislang eher von Retail-Investoren geprägt war. Unternehmen wie Micro Strategy und Tesla investieren signifikante Anteile ihrer Cash-Reserven in Bitcoin und haben damit bereits erhebliche Gewinne gemacht – zumindest auf dem Papier.

Geschätzte Allokationen in Bitcoin

Grayscale ist aktuell der mit Abstand größte institutionelle Investor in Kryptowährungen.

Besonders Tech-Firmen sehen in digitalen Währungen zunehmend einen attraktiven Wertspeicher, den sie sogar in ihr Ökosystem integrieren können, um weitere Produkte daraus zu erzeugen. Doch unabhängig von der Funktion des Bitcoin als Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel sollte Anleger zunächst wissen, wie und wo sie Kryptowährungen kaufen und handeln können.

Regulatorik macht Krypto Markt reifer und attraktiver für institutionelle Anleger

Lange Zeit waren die Handelsplätze für Kryptowährungen vor allem in ostasiatischen Ländern in rechtlichen Grauzonen angesiedelt. Häufig wurde hier auch das energieintensive Mining betrieben, da die Energiepreise zum Teil subventioniert wurden. Die dadurch geschürften neuen Coins konnten dann direkt online zum Verkauf angeboten werden.

In den letzten Jahren beobachtet man jedoch einen globalen Trend hin zu mehr Regulierung und Rechtssicherheit, die auch den Weg für seriöse Handelsplätze geebnet haben. So stellen laut Bafin “Bitcoin und andere Kryptowährungen als Kryptowerte nach § 1 Abs. 11 Satz 1 Nr. 10 KWG Finanzinstrumente dar” und unterliegen somit der deutschen Finanzaufsicht.

Regulierte Handelsplätze aus Europa haben dabei vermutlich die beste Chancen, gegenüber großen Playern wie Coinbase aus den USA aufzuholen. Coinbase machte Mittel April mit einen sehr erfolgreichen Börsengang per Direct Listing auf sich aufmerksam. Allerdings fiel der Kurs in den ersten Handelswochen parallel zur Erholung des Bitcoin-Kurses zurück. Bemerkenswert an dieser dennoch astronomischen Bewertungen ist, dass Coinbase nicht einmal marktführend ist, sondern das Handelsvolumen von Binance um den Faktor 4 höher liegt. Binance wiederum hat seinen Sitz auf Malta, ist jedoch nicht durch die dortige Finanzaufsicht reguliert.

Doch wer verbirgt sich hinter den neuen, regulierten Handelsplätzen aus Europa, speziell Deutschland?

Deutschland als regulatorischer Vorreiter mit enormen Marktpotenzial

Mittlerweile verstehen sich Krypto-Handelsplätze längst nicht mehr nur als simple Tauschbörsen für digitale Assets. Die meisten Kunden verlangen heute einen One-Stop-Shop für Brokerage, OTC-Handel, Verwahrung der Krypto Wallets und Führung der FIAT-Konten, gepaart mit möglichst unkomplizierten KYC-Prozessen. Dies gilt sowohl für institutionelle als auch Retail-Investoren. Neben alteingesessenen Playern, wie Kraken, Bitstamp und Coinbase präsentieren sich auch neue Plattformen am Markt, die die höheren Kundenbedürfnisse abdecken.

Die Börse Stuttgart Digital Exchange oder kurz BSDEX erfüllt die regulatorischen Anforderungen gemäß § 2 Abs. 12 KWG und wird als multilaterales Handelssystem von der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse GmbH betrieben, die auch Trägergesellschaft der öffentlich-rechtlichen Börse in Stuttgart ist. Dabei bietet die BSDEX über weitere Partner im Ökosystem umfassende Services an. Die kostenfreie Verwahrung der Kryptowährungen für Anleger übernimmt treuhänderisch die blocknox GmbH, eine Tochter der Gruppe Börse Stuttgart. Als externer Banking-Partner führt die Solarisbank die Euro-Guthaben-Konten. Die EUWAX AG, ein weiteres Tochterunternehmen der Gruppe Börse Stuttgart, und das Bankhaus Scheich stellen als Liquiditätsspender An-und Verkaufspreise im Handel.

Krypto Ökosystem im Aufbau

Aber warum ist der nicht gerade für seine schnelle Anpassungsfähigkeit auf neue Technologien und Innovationen bekannte Standort Deutschland so interessant für ein Krypto Ökosystem?

Neben der vergleichsweise hohen regulatorischen Durchdringung ist dies v.a. nachfrageinduziert. Laut einer aktuellen Studie von Cointelegraph für die DACH-Region liegt das Marktpotenzial allein in Deutschland bei etwa 5,5 Mio. Retail-Kunden. Das Potenzial ist demnach gewaltig, doch viele Investoren warten offensichtlich noch ab, gerade in Deutschland. Andere wollen möglichst zeitnah “etwas in Bitcoin” machen und im Niedrigzinsumfeld auch von der Performance profitieren. Ein typischer Fall von FOMO (Fear Of Missing Out).

Zusätzlich erhält der Krypto Markt auch dadurch mehr Stabilität, dass sich neben den bereits skizzierten Handelsplätzen und Börsen auch Broker, Market Maker und Custodians für die Wallets als Marktteilnehmer etablieren und somit zu einem funktionierenden und immer liquider werdenden Handel beitragen. Die folgende Übersicht zeigt vereinfacht das Krypto Ökosystem mit den wichtigsten Stakeholdern (die Auswahl der Anbieter ist exemplarisch und nicht abschließend):

Ein Überblick zum Ökosystem der digitalen Assets

Eine Auswahl der wichtigsten Player im aktuellen Krypto-Ökosystem zeigt, dass es den Kinderschuhen längst entwachsen ist.

Wie kann man investieren?

Es gibt nicht nur für institutionelle Investoren mittlerweile viele Möglichkeiten, in Bitcoin zu investieren, On-Chain, direkt, indirekt, über Fonds, Zertifikate, ETPs (Exchange-Traded Products) oder ETFs (Exchange-Traded Funds) etc. Im Februar 2021 wurde erstmals auch ein Bitcoin ETF von der kanadischen Börsenaufsicht gebilligt. Viele gehen davon aus, dass dies eine Art “Startschuss” der in anderen Assetklassen wie Aktien und Anleihen so erfolgreichen ETFs nun auch im Krypto-Bereich ist.

Hierdurch könnte eine weitere Brücke zwischen traditionellen und dem Krypto Markt geschaffen werden. Für viele institutionelle Anleger könnten solche, mit „realen“ Bitcoin hinterlegten, indirekten Finanzprodukte, eine gangbare Alternative zu Direktinvestments sein. Zudem sind ETPs immer mehr auf dem Vormarsch. Die folgende Übersicht zeigt, über welche Vehikel Investoren ein Exposure in Krypto-Währungen aufbauen können:

Überblick zu Investmentmöglichkeiten in digitalen Assets

Nicht nur der direkte Kauf von digitalen Assets ist eine Option für institutionelle Investoren. Indirektes Investieren, z.B. durch den Kauf der MicroStrategy Aktie, kann eine Alternative sein.

Über den Autor

Hendrik Emrich

Hendrik Emrich berät die Börse Stuttgart Digital Exchange (BSDEX) im Business-to-Business Sales. Der Betriebswirt und CFA war zuvor im Aktienresearch für mehrere Banken in Frankfurt, Hamburg und London und als Head of Credit Research für Euler Hermes Rating tätig.

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