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PSD2 und Open Banking: Chancen für Banken im digitalen Finanzökosystem

10 Jahre nach Beginn der Finanzkrise

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Wo stehen die europäischen Banken?

Seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise vor zehn Jahren hat sich im Bankensektor einiges geändert. Das europäische Bankensystem ist durch eine grundlegende Transformation gegangen.

Studien und Research zu strategischen Trends und Entwicklungen in der Finanzdienstleistung

Zahlreiche Trends und Entwicklungen sind von übergeordneter strategischer Bedeutung für Banken und Sparkassen. Im Bank Blog finden Sie Studien zu den wichtigsten strategischen Trends und Entwicklungen im Finanzbereich.
© Shutterstock

Der 9. August 2007 markiert den Ausbruch der globalen Finanzkrise. Mit dem Austrocknen der Liquidität am Interbankenmarkt und der koordinierten Intervention der wichtigsten Notenbanken hat sich in der europäischen Bankenbranche ein fundamentaler Wandel vollzogen. Eine Studie von DB Research beschreibt, was sich seither verändert hat und wohin sich der europäische Bankensektor entwickelt. Dazu wurden die Jahresabschlüsse der 20 führenden Banken Europas damals und heute untersucht.

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Strukturelle Ertragsunterschiede

Auf der Ertragsseite liegt der Zinsüberschuss heute absolut höher als vor zehn Jahren (+14 Prozent) und der Anteil an den Erträgen insgesamt ist von 35 Prozent auf 52 Prozent gestiegen. Dies ist im Wesentlichen auf das starke Plus während und unmittelbar nach der Finanzkrise zurückzuführen, als die niedrigeren Zinsen die Refinanzierung der Banken deutlich verbilligt hatten. Seit 2010 befindet der Zinsüberschuss allerdings in einem leichten Abwärtstrend.

Erheblich gelitten hat der Provisionsüberschuss, der heute 22 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegt. Dafür sind vielerlei Faktoren verantwortlich, z.B. der Rückgang des Geschäfts in lukrativen Märkten wie der Verbriefung, strukturierter Finanzierung und mit Derivaten, die verschärfte Regulierung mit dem Verbot bestimmter Gebühren oder auch der Trend weg von klassischen Investmentfonds hin zu Indexfonds (ETFs) mit niedrigeren Verwaltungsgebühren. Noch stärker eingebrochen ist das Handelsergebnis, das weniger als die Hälfte des Wertes von H1 2007 beträgt (-54 Prozent).

Deutlicher Ergebnisrückgang

Insgesamt kommen die Banken auf Erträge in Höhe von EUR 231 Mrd., ein deutliches Minus von 23 Prozent. Auf der Kostenseite ist es ihnen nur gelungen, die Ausgaben um 9 Prozent auf EUR 134 Mrd. zu drücken. Die Risikovorsorge für Kreditausfälle (unter EUR 20 Mrd.) hat sich gegenüber 2007 kaum verändert, nach einem starken Anstieg im Zuge der Finanzkrise und einem kräftigen Rückgang in den letzten Jahren. Unter dem Strich hat sich deswegen der Nettogewinn auf EUR 44 Mrd. etwa halbiert, die um Sondereffekte bereinigte Eigenkapitalrendite nach Steuern ist von 21 Prozent auf 9 Prozent gefallen. Die bereinigte Cost-income ratio ist von 55 Prozent auf immer noch solide 62 Prozent geklettert.

Rückläufige Risikoaktiva

Einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang von Erträgen und Ausgaben, d.h. für das insgesamt geringere Geschäftsvolumen ist die größere Zurückhaltung der Banken, die sich mehr auf langfristige Kundenbeziehungen konzentriert und riskante, kurzfristige Geschäfte erheblich zurückgefahren haben. Ausdruck dessen ist eine Verringerung der Risikoaktiva („risk-weighted assets“, RWA) um über 20 Prozent seit H1 2007.

Eine Ursache für den drastischen Abbau von Risiken sind die massiv verschärften Kapitalstandards, d.h. der Übergang von Basel II zu Basel III, welchen die Banken und ihre Investoren vorweggenommen haben, auch wenn die neuen Regeln vollumfänglich erst ab Januar 2019 gelten. Die Banken waren bei der Anpassung an die strengeren Definitionen und höheren geforderten Kapitalquoten sehr erfolgreich: Während die alte (risikogewichtete) Kernkapitalquote unter Basel II (Tier 1) im Juni 2007 noch bei 8,2 Prozent lag, ist sie in Form der härteren Common Equity Tier 1-Quote (CET1) mittlerweile auf 13,8 Prozent gestiegen. Das ist ein gutes Stück mehr, als von Basel III gefordert, aber auch Ausdruck anhaltender Unsicherheit über eine mögliche weitere Verschärfung der Kapitalanforderungen im Zuge eines diskutierten „Basel IV“.

Der Risikoabbau und die höheren Kapitalquoten haben natürlich auch in der Bilanz ihren Ausdruck gefunden. Die Bilanzsumme ist mit EUR 20,8 Bill. heute 12 Prozent niedriger als vor einem Jahrzehnt. Das bilanzielle Eigenkapital hat gleichzeitig um mehr als 40 Prozent auf EUR 1,2 Bill. zugenommen.

Europas Banken bleiben in Bewegung

Das europäische Bankensystem ist angesichts zahlreicher Krisen, Rezessionen und strengerer Regulierung seit 2007 durch eine grundlegende Transformation gegangen. Es ist heute kleiner, stärker auf seine Kernfunktionen ausgerichtet, weniger profitabel, aber robuster und widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Krisen. Vom jahrzehntelangen Wachstum hat sich die Branche verabschieden müssen, und neue, technologiegetriebene Wettbewerber haben den Konkurrenzdruck verstärkt. In der Folge wird der Bankensektor auch in den nächsten Jahren in Bewegung bleiben.

Die Studie „Where do European banks stand?“ können Sie hier direkt herunterladen.
Zum Downloadlink zur Studie (engl.) gelangen Sie über Laterpay.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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