Instant Payments: zeitgemäß, schnell, aber nicht ohne Risiko

Eine kritische Analyse der neuen Ära des Zahlungsverkehrs

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Schnelle Transaktionen, globale Reichweite und die verborgenen Risiken aus dem organisierten Verbrechen. Instant Payments bringen vielfältige unmittelbare Auswirkungen mit sich: Von regulatorischen Maßnahmen bis hin zur Real-Time-Betrugsprävention.

Instant Payments bieten blitzschnellen Geldtransfer

Instant Payments bieten Endkunden Effizienz und Geschwindigkeit beim Geldtransfer. Für die Finanzinstitute bedeuten sie administrative Arbeit, sind für die Kundenzufriedenheit allerdings unabdingbar.

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Instant Payments, instant Fraud? Echtzeittransaktionen sind eine konsequente Entwicklung in einer Welt, die von der sofortigen Verfügbarkeit von Information geprägt ist. Die Forderung der Endnutzer nach unmittelbaren Geldtranskationen ist nur zu gut verständlich. Der Weg zu dieser Technologie beschreibt eine Entwicklung über die letzten sieben Jahre und ist das Ergebnis des Strebens nach Effizienz und Kundenfreundlichkeit im Finanzsektor.

Was für die Endverbraucher mittlerweile fast schon Standard ist, bedeutet für viele Finanzinstitute allerdings eine Transformation und Neuausrichtung. Die Einführung von Instant Payments betrifft nicht nur die Geschäftsprozesse und Strategien, sondern erfordert auch technologische Anpassungen, um den Anforderungen an Echtzeittransaktionen gerecht zu werden. Dabei sehen sich Finanzinstitute einer Vielzahl von Herausforderungen und Risiken gegenübergestellt, die es zu lösen gilt. Dazu zählen insbesondere folgende drei:

  • Regulatorische Maßnahmen,
  • Instant Payments, die eine Angriffsfläche für „instant“ Betrug bieten,
  • Sanktionsrisiken, gerade im Hinblick auf grenzüberschreitende Transaktionen.

Die Behörden spielen eine zentrale Rolle

Auch wenn (Stand 2022) nur 25 Prozent der europäischen Finanzinstitute mittels SEPA Instant Payment erreichbar waren, so hat spätestens die Forderung der Europäischen Kommission nach einer beschleunigten Implementierung im Oktober 2022 dafür gesorgt, dass Fahrt in die weitere Verbreitung dieser Technologie in Europa kommt. Um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Verbraucher wie auch die Belange der Banken und Zahlungsdienstleister gewährleistet sind, müssen die Regulierungsbehörden die Entwicklung von Instant Payments aktiv überwachen und drei Aspekte besonders im Blick haben: Interoperabilität, Datenschutz und Sicherheit. Mit der Payment Services Directive 3 (PSD3) hat die Europäische Kommission genau das getan. Mit dem im Sommer 2023 veröffentlichten Paket an Legislativvorschlägen soll der Zahlungsverkehr und der Finanzdienstleistungssektor weiter in das digitale Zeitalter geführt werden.

Im Zusammenhang mit der am 26. Februar 2024 verabschiedeten Verordnung für Sofortüberweisungen im SEPA Raum (Single Euro Payments Area), wird die PSD3 Direktive den Europäischen Zahlungsverkehr wesentlich modernisieren. Nicht nur wird sie die Einführung von SEPA Instant Payments weiter vorantreiben. Außerdem wird dadurch zum Beispiel auch die Vereinheitlichungen grenzüberschreitender Zahlungen vereinfacht sowie die Implementierung und Weiterentwicklung neuer Zahlungsdienste, die die Verbraucher besser vor Betrug schützen, gleichzeitig aber auch die Effizienz des Zahlungsverkehrs gewährleisten.

Instant Payment = Instant Betrug

Während Endnutzer sich über viele Vorteile des neuen Bezahlsystems freuen können, gibt es für Finanzinstitute auch eine Kehrseite: die „Trägheit“ der traditionellen Überweisung bietet immerhin viel mehr Zeit für eine mögliche Betrugs- und Risikoüberprüfung. Instant Payment verlangt nun eine Prävention in Echtzeit. Denn in dem Moment, in dem ein Kunde auf „Bestätigen“ drückt, muss das Geld innerhalb von zehn Sekunden beim Gegenüber ankommen. Sehr wenig Zeit, um sicherzustellen, dass diese Zahlung regelkonform ist.

Diese Tatsache ist auch ein treibender Faktor für unterschiedlichen europäische Initiativen, um das Betrugsrisiko zu minimieren. Ein Beispiel dafür ist die FPAD initiative von EBA-Clearing. Neun Banken aus sechs Ländern sind daran beteiligt, Anomalien im Zahlungsverkehr zu erkennen und sowohl Echtzeit-Betrugsprävention wie auch -Betrugserkennung abzudecken. Hierzu gehört beispielsweise eine IBAN-Namensprüfung, um Zahlungsdienstleister in ganz Europa bei ihrer Betrugsbekämpfung zu unterstützen.

Schnelle Transaktionen über Grenzen hinweg

Auch wenn die Zahlungssysteme weltweit regional variieren, so sind überregionale Sofort-Überweisungen möglich. Somit bringen Instant Payments auch spezifische Risiken in Bezug auf Sanktionen mit sich, insbesondere wenn es um schnelle und grenzüberschreitende Transaktionen geht. Es ist essenziell, diese Risiken zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass Instant Payments nicht für illegale Zwecke oder zur Umgehung von Sanktionen missbraucht werden.

Finanzinstitute sollten daher ihre internen Richtlinien und Verfahren entsprechend anpassen, um sicherzustellen, dass ihr Unternehmen jegliche Anforderungen in Bezug auf Sanktionen erfüllt. Um dies zu unterstützen, ist die Implementierung von automatisierten und flexiblen Sanktionsprüfungen in Echtzeit ratsam. Durch moderne KI-basierte Technologien, zum Beispiel, kann auf effiziente Weise sichergestellt werden, dass Transaktionen nicht mit bestehenden Sanktionen in Konflikt geraten.

Mit Geschwindigkeit verwaschen

Die Verkupplung der Geschwindigkeit von Instant Payments mit der Globalisierung des blitzschnellen Geldtransfers bietet dem organisierten Verbrechen die Möglichkeit der Geldwäsche.

Um diesem Risiko effizient entgegenzuwirken ist eine Echtzeit-Überwachung von Transaktionen eine wirksame AML/CFT Kontrolle. Daher rät die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in ihrem Meinungsbericht zur Geldwäscheprävention der Europäischen Kommission, Zahlungsdienstleister in die Pflicht zu nehmen. Sie sollen Situationen identifizieren, in denen aus Sicht der Geldwäscheprävention und dem Kampf gegen Terrorismusfinanzierung Instant Payments nicht zulässig sind. In diesen Szenarien sollen dann seitens der Dienstleister keine Sofortzahlungs-Services angeboten werden.

Instant Payments: Chancen und Herausforderungen

Kritisch betrachtet, erfordern Instant Payments große Anpassungen im Finanzsektor. Sie bieten aber auch enorme Chancen für Finanzinstitute und Zahlungsdienstleister. Sie können damit ihre Servicequalität erhöhen und gleichzeitig die digitale Gesellschaft bedienen. Der Erfolg von Instant Payments hängt aber nicht nur von der Einführung ab, sondern auch von einem proaktiven Konzept zur Risiko- und Betrugsbekämpfung sowie zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Nur so können Finanzinstitute und ihre Kunden die Vorteile dieser Zahlungstechnologie nutzen und die Sicherheit der Finanztransaktionen garantieren.

Über den Autor

Halyna Hermanns

Halyna Hermanns ist Business Development und Account Manager im Bereich Risk & Fraud bei der INFORM GmbH. Die Betriebswirtin war zuvor u.a. für Citi in der Risikoanalyse tätig.

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