Impulse für die Finanzbranche durch Blockchain-Technologie

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Wertpapierhandel als wichtiger Anwendungsbereich

Einsatz von Blockchain-Technologie

Perspektiven und Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie für Banken
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Die Grundzüge des Wertpapierhandels begannen einst mit physischen Papieren. Zahlreichen Technologieschüben ist es zu verdanken, dass daran heute nur noch wenig erinnert. Jetzt könnte die Blockchain-Technologie den Bereich nochmals massiv verändern.

Ihren Anfang nahm die Sache in einem kleinen Büro auf der Broad Street im New Yorker Finanzbezirk im Jahr 1911. Damals kauften und verkauften Finanztransaktionshändler mehr oder weniger direkt ihre Wertpapiere auf dem Kopfsteinpflaster der Broad Street. Die Hollerith-Lochkartentechnologie wurde bald eine tragende Säule der Banken zur Dokumentation ihrer Transaktionen. Seitdem gab es durch den Mainframe und über das Client-Server- und Internet-Zeitalter hinaus laufend Technologien, die im Handelsgeschäft die Wellen der Automatisierung und Innovation vorangetrieben haben. Der nächste Schritt heißt jetzt: Blockchain.

Blockchain und Finanzdienstleistung treffen aufeinander

Blockchain, eine Technologie aus der beispielsweise die elektronische Krypto-Währung Bitcoin entstanden ist, stellt eine neue Art und Weise dar, Dinge von Wert schnell, effizient und mit verhältnismäßig geringem Risiko zu handeln. Das Phänomen trifft die Finanzdienstleistungsbranche mit Orkanstärke. Genau wie in den 1990er Jahren mit dem ersten Internet-Boom kommt eine Technologie ins Spiel, die die Regeln für Unternehmen und ganze Branchen verändert. Nicht nur nahezu jedes Startup, auch viele etablierte Unternehmen erkennen inzwischen die Notwendigkeit, die Möglichkeiten der Blockchain- Technologie für Ihre Wertschöpfungskette zu nutzen.

Firmen in der Finanzbranche versuchen daher mit hohem Zeitdruck, herauszufinden, was für sie in der Blockchain-Technologie an Möglichkeiten, Potenzialen, Risiken und Bedrohungen steckt. Bei IBM halten wir eine enge Zusammenarbeit von Techniker- und Anwender-Communities  für den richtigen Weg, um auf der Basis von Blockchain Grundlagen und Lösungen für neue Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Die Technologie ermöglicht in sehr vielen Bereichen neue Chancen, um die Digitalisierung bei hohem Schutzfaktor und individueller Anpassungsfähigkeit an spezifische Bedürfnisse voranzubringen. Dabei können bewährte Mechanismen (wie der Mainframe und seine Sicherheitskultur mit hoher Transaktionsleistung) mit neuen Verfahren und Prozessen eine gewinnversprechende Allianz eingehen.

Open-Source-Hyperledger-Projekt als Grundlage

Deshalb haben wir uns dem Open-Source-Hyperledger-Projekt der Linux Foundation angeschlossen. Ziel dabei ist die Unterstützung von Organisationen aller Art beim Bauen möglichst sicherer Blockchains. IBM allein hat bis jetzt schon fast 44.000 Zeilen Code als Beitrag zum Projekt eingebracht. Derzeit eröffnet IBM auch Innovationszentren für Blockchain App Design und Implementierungsprojekte in London, New York, Singapur, Tokio und Böblingen. Anwender können damit neue Projekte erproben und Blockchains in Kombination mit der Bluemix-Plattform für ihr Unternehmen weiter entwickeln.

Wertpapierhandel hat Priorität bei Blockchain-Nutzung

Der Wertpapierhandel hat eine Priorität in Bezug auf Blockchain-Nutzung in der Bankbranche, da dort Technologiewechsel in aller Regel zuerst und am schnellsten ankommen. Fachleute in der Branche sprechen über ein Konzept, das sie T + 0 nennen; den Vollzug einer Transaktion innerhalb eines Tages im Gegensatz zu längeren Transaktionszeiten, die abwicklungsbedingt auch heute noch durch Ineffizienzen auftreten können.

Wir arbeiten mit einer Reihe von Finanzdienstleistungsunternehmen und Wertpapierbörsen derzeit an Blockchain-Projekten. Eine Projektvariante besteht darin, dass eine Börse mit der ganzen Palette an Blockchain-Dienstleistungen zur Unterstützung der Kerngeschäftsprozesse ausgestattet wird. In einem zweiten Szenario werden Dienstleistungen wie Identitätsmanagement und Compliance-Module bereitstellt, die eigene Projektbausteine ergänzen.

Die Nachfrage nach Analytik ist ebenfalls groß. Börsen verarbeiten jeden Tag eine immense Menge an Daten, aber häufig verfügen sie nicht über die Bandbreite, sie zu nutzbaren Informationen zu verwandeln. Durch Analytik-Werkzeuge, die sich in  Blockchain-Netzwerke einklinken können, würden wiederkehrende Muster erkennbar werden, die für Börsenbetreiber oder ihre Partner und Benutzer nützlich sein könnten. IBM Watson könnte darüber hinaus auch als kognitiver Katalysator ins Spiel kommen und Börsen oder Finanzdienstleistungsunternehmen helfen, z.B. die Vertrauenswürdigkeit von Mitgliedern oder Handelspartnern zu untersuchen und zu validieren.

Vertrauen ist ein wichtiges Thema in der Blockchain-Welt.

Unter Kryptowährungshändlern sind Blockchain-Netzwerke typischerweise anonym. Sie wissen nicht, mit wem Sie handeln. Das spielt insofern auch keine Rolle, da das System sicherstellt, dass Währungsgeschäfte genauso ablaufen, wie beide Partner es vereinbart haben. Das Kernelement von Blockchain ist ein gemeinsames dezentrales digitales Hauptbuch, in das Regeln und Verträge als einzelne Datenblöcke aneinander gekettet sind. Immer wenn eine Transaktion vereinbart oder abgeschlossen wird, entsteht ein unauslöschlicher und für alle Beteiligten einsehbarer neuer Datensatz im Hauptbuch.

Anonymität wird bei Banken und Börsen oder den Regulierungsbehörden, die mit ihnen arbeiten und über sie wachen, nicht akzeptiert. Deshalb arbeitet IBM mit der Finanzdienstleistungsindustrie an Implementierungen von Blockchain, in denen die Teilnehmer in einem Netzwerk offiziell bekannt oder besser „authorisiert“ sind. Ihre Identitäten sind vollständig bekannt und können überprüft werden, so dass ihre Aktivitäten nachvollziehbar und auditierbar sind. IBM verändert damit einige der Gene in der Blockchain-DNA, um sie für die Finanzdienstleistungsbranche an ihre Bedürfnisse anzupassen.

Blockchain auch für FinTech-Startups interessant

Neben etablierten Finanzdienstleistungsunternehmen arbeiten wir auch mit einigen der neuen FinTech Start-ups auf Blockchain-Basis. Wir wollen sie mit den grundlegenden Fundamenten für ihre Blockchain-Lösungen durch unsere Arbeit mit der Linux Foundation im Hyperledger-Projekt unterstützen.

Zu einem Zeitpunkt wie jetzt, wo sich die Entwicklung einer neuen und potenziell branchenerschütternden Technologie abzeichnet, sollten sich die Marktteilnehmer alle möglichen Optionen offen halten: neue Beziehungen knüpfen und ältere, vorhandene bekräftigen, um die Technologie voranzutreiben, mit ihr zu experimentieren und daraus zu lernen, was funktioniert.

In den letzten Jahren lag der Fokus für die Tech-Industrie wie für Anwenderunternehmen auf den Systemen zur Interaktion, also den Mobile-, Social- und Cloud-Technologien. Es schien, als ob auf der anderen Seite die Technologien für die Systeme zur Datenaufzeichnung weitgehend etabliert gewesen wären. Nicht viel änderte sich.

Blockchain hat ein ungeheures Potenzial, die Art und Weise zu transformieren, wie Unternehmen zusammenarbeiten und Menschen mit ihnen in Austausch treten. Alles ist potenziell im Fluss, von Banken und Flugreservierungssystemen bis hin zu den Systemen für die soziale Sicherheit und Ihre Interaktionen mit Behörden. Unser tägliches Leben wird  sich grundlegend ändern.

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Über den Autor

Bettina Rose

Bettina Rose war nach abgeschlossener Lehre zur Bankkauffrau bei der Deutschen Bank und BWL-Studium in Münster 10 Jahre als Unternehmensberaterin für Banken und Versicherungen bei PriceWaterhouseCoopers und IBM tätig. Heute ist sie in ihrer Rolle als Business Development Executive bei IBM für die strategische Ausrichtung des IBM Vertriebs für Financial Services in DACH verantwortlich.

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