„Grünes“ Kreditgeschäft – Chancen und Risiken

Risikomanagement für den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit

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„Sustainable Finance“ muss bei den Banken nicht nur auf Anlagenseite, sondern auch auf Kreditseite eine Rolle spielen. Doch wenn ein Kreditinstitut seine Risiken im Kreditportfolio nicht kennt, setzt es die eigene Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel.

Kreditgeschäft der Banken muss ökologisch, nachhaltig und grün werden

Für ein erfolgreiches grünes Kreditgeschäft müssen Banken und Sparkassen ihre Risiken kennen.

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Ökologisch, nachhaltig, grün: Darum kreist die europäische Wirtschafts- und Finanzbranche spätestens seit dem Green Deal. Deutschland muss Tempo machen bei dieser überlebensnotwendigen Transformation der Wirtschaft. Nur wer diese ernst nimmt und entsprechend agiert, wird zu den Gewinnern der Zukunft zählen. 80 Prozent aller Unternehmen werden in Deutschland über einen Bankkredit finanziert. Banken müssen daher wissen, wen sie mit welchen Risiken im Kreditportfolio haben.

Steuerungsinstrument Taxonomie muss geschärft werden

Grüne Investments und Finanzierungen gehören in der Finanzbranche inzwischen zu den maßgeblichen Trends. Treiber dieser Entwicklung sind die realen Klimarisiken, mit denen wir es weltweit zu tun haben, und auch regulatorische Anforderungen, etwa durch die EU-Taxonomie. Mit der Sustainable Finance-Taxonomie werden EU-weit Klassifizierungskriterien zur Nachhaltigkeit vorgegeben und Wirtschafts- und Investitionsaktivitäten in einem ersten Schritt entsprechend ihrer Wirkung auf die Klimaziele eingeordnet. Als Vorstand der GLS Bank begrüße ich die bislang unternommenen Anstrengungen, wünsche mir aber an einigen Stellen eine Schärfung des Steuerungsinstruments und die Behebung grundlegender Probleme, bevor etwa eine Verknüpfung mit der Sozialtaxonomie erfolgt.

Schutt & Asche: Reale physische Risiken

Die realen physischen Risiken bezeichne ich nach den Erfahrungen aus diesem Jahr als „Schutt und Asche“: Schutt für die Überschwemmungen, Asche für die vielen Brände. Hinzu kommen die transitorischen Risiken: In der Transformation hin zu einer CO2-neutralen Wirtschaft wird es viele Produktionsverfahren schlichtweg nicht mehr geben können – oder sie müssen kostenintensiv umgewandelt werden. Wer diese Wirtschaftszweige in seinen Büchern hat, trägt die Risiken.

Wegschauen hilft nicht: Risiken sind da

In der Finanzbranche ist es jetzt wichtig, den Fokus auf das Kreditgeschäft zu richten. Bei Bonds und Aktien sind die Klimarisiken inzwischen ordentlich eingepreist, bei den Krediten jedoch deutlich weniger – und das ist absurd, wo doch 80 Prozent der deutschen Unternehmensfinanzierungen über das Kreditgeschäft laufen. Banken müssen Klimarisiken also besser in ihre Kreditvergabeprozesse integrieren. Finanziere ich Klimasünder, deren Marktposition sich im Transformationsprozess schwierig gestalten wird? Habe ich viele Kunden, denen künftig Schäden durch den Klimawandel drohen? Wegschauen hilft hier nicht, denn ob man sie misst oder nicht: Die Risiken sind da.

Risikoerfassung ist gleichzeitig die Lösung

Zur Risikoanalyse gehören adäquate Klimaszenarien, die auf wissenschaftlichen Studien wie etwa dem IPCC-Bericht beruhen, und Methoden zur Messung der Wirkung von Unternehmen auf den Temperaturanstieg. Diese sogenannte X-Grad-Kompatibilität berechnet die GLS Bank nach dem Modell des jungen Unternehmens „right. based on science“. Mit den Daten unserer Kreditkunden können wir berechnen, ob sie 1,5-Grad-kompatibel sind oder nicht. Die Datenbeschaffung ist nicht einfach, aber man ist dabei, diese Lücke zu schließen. Es ist keinem Unternehmen entgangen, dass es eine CO2-Messung braucht. Wer seine CO2- und somit Risikotreiber ausfindig macht, ist an einem guten Ausgangspunkt, um Kunden zu beraten und zu informieren, was verändert und worin investiert werden kann. In der Risikoerfassung liegt gleichzeitig auch immer die Lösung.

Deutschland muss Tempo machen

Trotz vorhandener Methoden zur Datenerhebung und Analyse werden konkrete Klimarisiken und ihre Folgen in Deutschland weitestgehend nicht gemessen und bewertet. Die Engländer sind viel weiter, ebenso die Banque de France, die den „Grüner Schwan“-Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) mit initiiert hat und in dem es heißt, die Klimakrise wird zur Bankenkrise, wenn wir nicht schnell einschreiten. Wir müssen in Deutschland an Geschwindigkeit zulegen, wenn wir international nicht die Wettbewerbsfähigkeit verlieren wollen.

Größter Fehler ist niedriges Ambitionsniveau

Die Behauptung, durch die starke Fokussierung auf die Themen Klima und Nachhaltigkeit drohe den Banken ein Verlust von Profitabilität, halte ich für Unsinn. Den größten Fehler, den die Finanz- und Wirtschaftswelt in Hinblick auf den Klimawandel machen kann, ist das Ambitionsniveau zu niedrig anzusetzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Zukunft tatsächlich aufs Spiel zu setzen. Diese Gefahr ist viel größer, denn wer sich nicht auf diese Themen einstellt, wird im Wettbewerb verlieren, der wird niemals Gewinner sein.

Im Klima-Thema steckt riesige ökonomische Chance

Wer sich mit dem eigenen CO2-Abdruck auseinandersetzt und die nachhaltige Transformation ernsthaft vorantreibt, nutzt auch eine riesige ökonomische Chance. Laut einer Studie der Boston Consulting Group erfordern allein Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen um 61 Prozent Mehrinvestitionen in Höhe von 240 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050. Eine McKinsey-Studie geht sogar von sechs Billionen Euro für ein „Net-Zero Deutschland“ bis 2045 aus. Welcher Studie man auch folgt: Fest steht, dass viel Geld bewegt werden wird – alles in Richtung Klimaneutralität.

Das knappste Gut wird nicht bepreist

Was dringend verändert werden muss, ist der Umgang mit dem knappsten Gut, was die Menschen haben: die Natur. Wir haben ein Überangebot an Waren und Dienstleistungen. Wir haben global gesehen ein Überangebot an Arbeit. Aber wir haben nur begrenzte Naturressourcen, die paradoxerweise in unserem System aber nicht bepreist werden. Das ist das Kernproblem: Weil die Natur nicht in die betriebswirtschaftliche Rechnung einfließt, wird sie munter weiter verbraucht. Weltweit und national ist die Entscheidung längst getroffen: Wir wollen den Klimaschutz, die Artenvielfalt etc. Dann müssen wir den Preis dieser Dinge auch benennen und erst dann wird diese eklatante Fehlallokation beseitigt.

Schuldenbremse raus, CO2-Bremse rein

Zu allem Überfluss haben wir in Deutschland auch noch eine gesetzlich verankerte Schuldenbremse. In einer Phase, in der wir volkswirtschaftlich gesprochen nicht wissen, wohin mit all dem Geld auf dem Markt, bremst der, der es am dringendsten bräuchte, der Staat, sich selbst mit der Schuldenbremse aus. Die Aufnahme einer CO2-Bremse ins Grundgesetz wäre viel sinnvoller. Denn sowie die realwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Bepreisung der Natur mit einbeziehen und sich zukunftsfähige Technologien rechnen, wird sich eine sinnvolle Allokation der Kapital- und Geldmittel einstellen. Dann sind die 6 Billionen aus der McKinsey-Studie oder die 240 Milliarden aus der Boston-Studie überhaupt gar kein Problem. Das Geld ist vorhanden.

Über den Autor

Thomas Jorberg

Thomas Jorberg ist Vorstandssprecher in der GLS Bank. Er ist zuständig für Kommunikation und Entwicklung, die Gesamtbanksteuerung, Wirkungsmessung, den Stiftungs- und Schenkungsbereich, Tochtergesellschaften und Beteiligungen sowie Internationale Aktivitäten. Der gelernte Bankkaufmann und Diplom-Ökonom ist u.a. Gründungsvorstand der Global Alliance for Banking on Values.

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