Gedanken zu Digitalisierung, FinTechs und Banken

Lesenswertes über Banking KW 38-2019

Warum scheinen sich viele Banken noch immer mit der Digitalisierung im Allgemeinen und mit FinTechs im Besonderen schwer zu tun? Die Gründe sind vielfältig. Und auch, wenn Menschlichkeit im Banking wichtig ist, kommt keiner an neuen Technologien vorbei.

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Der FinTech-Markt wächst, aber konsolidiert sich zugleich. Eigentlich eine ganz normale Entwicklung bei jungen Märkten, auf denen vornehmlich Startups unterwegs sind. In der Finanzbranche scheint dies als etwas Besonderes wahrgenommen zu werden. Da gibt es FinTechs (wie z.B. Stripe), die inzwischen mehr wert sind als etablierte Institute (wie z.B. die Commerzbank). Und es gibt auch immer mehr Kooperationen zwischen etablierten Banken und Startups.

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Andererseits hat man immer noch den Eindruck, dass nicht wenige Banken die wahre Bedeutung der Digitalisierung noch nicht für sich entdeckt haben. Einigen scheint es wie Kolumbus zu gehen, der sich tierisch darüber freute, Indien entdeckt zu haben, nur halt dummerweise falsch abgebogen war und daher in Amerika gelandet ist. Andere glauben oder hoffen noch immer, der Trend möge doch  an ihnen vorbei gehen, wobei ich mich frage, ob Vorstände, die dies wirklich ernsthaft annehmen, zuhause auch noch einen Schwarz-Weiß-Fernseher haben…

Digitalisierung und FinTechs sind Realität

Unser heutiger Rückblick auf interessante Beiträge aus der internationalen Finanzwelt ist daher dem Schwerpunkt FinTech gewidmet.

Um es ganz deutlich zu sagen: Digitalisierung und FinTechs sind Realität. Und dummerweise auch die BigTechs, deren Bedrohungspotential für die etablierten Institute immer deutlicher wird. Und dann sind da noch die „etablierten“ FinTechs, die aus der Zeit stammen, in der man mit dem Begriff noch nicht so viel anfangen konnte. Vergleichsplattformen, wie Check24 oder Vermittlungsportale wie Interhyp nehmen den Banken vielleicht die Kunden (zumindest bislang) nicht direkt weg, von der Marge indes nehmen sie sich allerdings einen beträchtlichen Anteil.

Zwei Problem, die Banken mit FinTechs haben

Bei allem Gerede darüber, wie gut sich FinTech-Start-ups entwickeln, hört Chris Skinner regelmäßig zwei Klagen von Bankchefs. Erstens, warum werden wir nicht wie FinTechs bewertet? Und zweitens, warum sind FinTechs nicht so reguliert wie wir?

Mehr dazu hier: The two big issues bank CEOs have with FinTech

FinTechs erhöhen mit Datenanalysen den Druck auf Banken

Die meisten etablierten Finanzinstitute haben Probleme, mit FinTechs mitzuhalten. Insbesondere bei der Nutzung von Daten und moderner Technologie für bessere Einblicke in den Kundenbedarf und die Bereitstellung eines besseren Kundenerlebnisses haben die neuen Anbieter einen Vorsprung.

Mehr dazu hier: Maturing Fintech Firms Threaten Legacy Banks Using Enhanced Data

Digitalisierung erfordert ein neues Denken in der Finanzbranche

Rohit Bhargava, Autor und Professor für globales Marketing an der Georgetown University, diskutiert, wie Innovation, Führung und Marketing im Rahmen des digitalen Transformationsprozesses bei Finanzdienstleistungen neu überdacht werden müssen.

Mehr dazu hier: It’s Time to Rethink Innovation, Leadership and Marketing in Financial Services

Wie Finanzinstitute relevant bleiben können

Bewährte Geschäftsmodelle für Privatkunden sind unter Druck. Marketing allein kann nicht die notwendige Transformation bewirken, aber dazu beitragen, mit neuen Ideen relevant zu bleiben.

Mehr dazu hier: What’s It Takes to Create a Hyper-Relevant Financial Institution

Banking muss menschlicher werden

Es mag wie ein Widerspruch klingen, aber Technologie muss dazu beitragen, das Bankwesen wieder menschlich machen. Nachdem die Banken jahrelang nicht gewusst haben, wie sie das attraktivste digitale Bankerlebnis schaffen können, beginnen sie heute, ihr wahres Potenzial durch die Kombination von Daten, fortschrittlicher Analyse und künstlicher Intelligenz auszuschöpfen.

Mehr dazu hier: Making banking human again

Fördert FinTech die Monopolbildung?

Früher konnte Banken so leicht nichts ins Wanken bringen. Mit dem Aufkommen von FinTechs hat sich dies geändert, insbesondere auch bei Geld und Bezahlen. Bewirken Kryptowährungen die Bildung neuer Monopole?

Mehr dazu hier: Does Fintech create monopolies or does it destroy them?

Weitere interessante Themen der Finanzwoche

Es gab aber noch weitere interessante Beiträge:

Onboarding im Wealth Management

Viele Vermögensverwalter verlieren Geld, weil sie das Kunden-Onboarding nicht verstehen. Falsches Onboarding vertreibt die Kunden. Der Onboarding-Prozess beginnt nämlich nicht erst in dem Moment, wenn aus einem potenziellen Kunden ein Kunde wird.

Mehr dazu hier: Why Wealth Managers Need Effective Client Onboarding

Wie Big Data die Finanzbranche revolutioniert

Unsere Fähigkeit, Daten zu sammeln, zu verarbeiten und auszuwerten ist größer als je zuvor und wächst von Minute zu Minute weiter. Big-Data betrifft nahezu jede Branche, aber es gibt nur wenige Branchen, in denen sie so gravierende Auswirkungen hat wie die Finanzwelt.

Mehr dazu hier: Big Data is Revolutionizing the World of Finance – Here’s How

Fünf wichtige Mobile Wallet Trends

Mobile Wallets waren einst ein Nischendienst für technisch versierte Kunden, heute jedoch nicht mehr: Digitale Wallets sind die Zukunft des Zahlungsverkehrs, wie fünf Trends verdeutlichen.

Mehr dazu hier: 5 Important Mobile Wallet Trends You Need To Know

Libra ist ein Weckruf für Zentralbanken

Das Vorstandsmitglied der EZB, Benoit Coeure, sagte, die Einführung der mutmaßlichen Kryptowährung Libra von Facebook sei ein „Weckruf“ für die Zentralbanken gewesen, und die öffentlichen Behörden sollten die Zusammenarbeit bei der Entwicklung zentralbankgestützter digitaler Währungen (CBDC) intensivieren.

Mehr dazu hier: ECB Exec: Libra has been a „wake up call“ for central bankers

Berichte aus Banken und FinTechs

Auch in der vergangenen Woche gab es interessante Berichte über Aktivitäten einzelner Banken und FinTechs, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Robo Advice für Kleinsparer

Während andere Banken Robo-Advisor aufgrund der eher schlechten Entwicklung schließen, erweitert die Royal Bank of Canada ihre Strategie und bietet ihren Kunden den automatisierten Anlagedienst bereits ab 100 US-Dollar Anlagesumme an.

Mehr dazu hier: RBC opens robo-advisory service to cash-poor customers

Kreditkartenunternehmen setzen auf Daten-FinTech

Mastercard und Visa haben sich am US-FinTech Pliad beteiligt, das Girokonten via API mit FinTech-Apps verbindet. Zuvor haben sich bereits Goldman Sachs, Citi und American Express beteiligt. Nach eigener Aussage sind bei Plad bereits ein Viertel aller US Privatkunden per App mit Pliad verbunden.

Mehr dazu hier: Visa and Mastercard join Plaid financing

US-Banken wollen Kinder als Kartenkunden

Greenlight Financial Technology hat eine Finanzierungsrunde im Wert von 54 Millionen US-Dollar abgeschlossen, an der sich JPMorgan Chase und Wells Fargo beteiligen. Das FinTech kombiniert eine „intelligente“ Debitkarte mit einer App, mit der Kinder ihre finanziellen Kenntnisse verbessern sollen, während die Eltern gleichzeitig die Ausgaben ihrer Kinder kontrollieren können.

Mehr dazu hier: JPMorgan Chase and Wells Fargo invest in kids debit card Greenlight

Internationale Großbanken investieren in digitale Identität

Goldman Sachs, Citi und Santander haben sich einer Finanzierungsrunde für das kanadische Identitätsprüfungs-Startup Trulioo. Es bietet. Digitale Identitätsprüfung für Unternehmen und Organisationen auf der ganzen Welt unter Verwendung staatlicher und privater Datenbanken.

Mehr dazu hier: Goldman, Citi and Santander invest in ID verification outfit Trulioo

US-Großbank nutzt Blockchain intern

Wells Fargo bereitet die Pilotierung eines internen Abrechnungsdienstes vor, der auf einer Distributed-Ledger-Technologieplattform ausgeführt wird. Damit sollen interne Buchüberweisungen von grenzüberschreitenden Zahlungen effizienter ablaufen.

Mehr dazu hier: Wells Fargo to pilot DLT-based internal settlement service

Internationale Banken investieren in KI

Die KI-Plattform von Digital Reasoning analysiert unstrukturierte Kommunikationsdaten, um menschliche Kommunikation zu verstehen und damit Compliance-Anlässe und potenziell betrügerisches Verhalten zu erkennen sowie Einblicke in zukünftige Kundeninteraktionen zu erhalten. Zahlreiche internationale Großbanken haben sich an dem Unternehmen beteiligt.

Mehr dazu hier: Standard Chartered invests in Digital Reasoning

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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