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FinTech-Startups sind weder relevant noch disruptiv

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Matthias Kröner und Chris Skinner über das Banking der Zukunft

FinTech-Unternehmen und Innovation

FinTech-Unternehmen tragen zur Veränderung des Marktes für Finanzdienstleistungen bei
© Shutterstock

FinTech-Startups sind weder relevant noch disruptiv, so lautet die provozierende These von Matthias Kröner, Gründer und CEO der Fidor Bank in einem bemerkenswerten Gespräch, in dem er auch klare Worte für ein nachhaltiges Geschäftsmodell für das Banking der Zukunft findet.

Man könnte Matthias Kröner als Archetyp eines FinTech-Unternehmers charakterisieren, hat er doch mit Gründung der Fidor Bank als einer der ersten hierzulande die Gedanken von Technologie und Finanzdienstleistung zu Banking 2.0 zusammengeführt. Los ging es im Jahr 2003, also noch vor Facebook. Damals sprach kein Mensch, geschweige denn ein Banker, über eine Digitalisierung des Bankgeschäftes. Zugegeben, richtig los ging es erst 2009 nach Erhalt der Vollbanklizenz, aber die Vision war da bereits vorhanden. Überhaupt kann man Kröner im positiven Sinne als echten Visionär betrachten und als jemand, der stets klare Worte findet. Man lese nur mal seine 16 Thesen zur notwendigen Neuorientierung der Banken.

FinTech ist weder relevant noch disruptiv

Umso bemerkenswerter sind seine in einem Kamingespräch mit Chris Skinner geäußerten Gedanken zur aktuellen FinTech-Szene sowie zu Innovation und Disruption und der Zukunft des Bankgeschäftes. Und wer Kröner kennt, kann bereits erahnen, dass das folgende (15-minütige) Video nicht nur informativ ist, sondern auch sehr unterhaltsam:

Nachstehend habe ich einige der interessantesten Äußerungen des Fidor-Chefs in deutscher Übersetzung wiedergegeben, empfehle aber, sich das Ganze im Original anzusehen.

FinTech-Startups fehlt die Relevanz

  • FinTech ist insgesamt eine positive Entwicklung, jedoch eine die nicht im Ansatz disruptiv ist. Es fehlt insbesondere an Schlagkraft im Markt.
  • FinTech ist nicht relevant für die Massen.
  • FinTech-Unternehmen fehlen die Kunden, um relevant zu sein.
  • Es mutet seltsam an, dass FinTech-Startups die Infrastruktur von Banken nutzen, um mit Banken zu konkurrieren.

Die Banklizenz ist entscheidend

  • Ein Geschäftsmodell das nicht die vollständige Wertschöpfung beim Kunden und die damit verbundene Regulierung abdeckt, kann im Finanzbereich nicht nachhaltig erfolgreich sein.
  • FinTech-Startups, die sich um eine Banklizenz bemühen, müssen ihre Kultur mit der von regulierten Banken vereinen. Ich würde gerne mal bei der Vorstandssitzung einer solchen Bank mit am Tisch sitzen, das dürften spannende und unterhaltsame Diskussionen werden.

Es kommt auf die komplette Wertschöpfung an

  • FinTech hat deutlich gemacht, dass Technologie nicht nur zum Kostensparen und Effizienzsteigern taugt, sondern zur Erzielung echten Kundennutzens beitragen kann.
  • Wenn man eine moderne App auf der Basis einer fremden Infrastruktur aufsetzt, ist das keine Innovation sondern lediglich Schönfärberei.
  • FinTech-Startups kratzen jedoch nur an der Oberfläche des Frontends, der Customer Experience.
  • Etablierte Banken müssen ihr Core Banking anpassen und nicht nur die Oberfläche zum Kunden.

Gedanken Zur Bank der Zukunft

  • Um einen strategischen Wettbewerbsvorteil durch Technologie erzielen zu können, müssen Entscheidungsträger in Banken müssen ein klares und grundlegendes technologisches Verständnis haben, das tiefer geht, als nur an der Oberfläche zu kratzen. Zudem dürfen sie sich von ihrer IT nicht „erpressen“ lassen.
  • Wenn eine Bank eine Zukunft haben will, muss sie die technologischen Entwicklungen in jedweder Hinsicht aktiv verfolgen. Außerdem muss sie ihre Unternehmenskultur im Hinblick auf Innovation, Entscheidungsfreude und ‑geschwindigkeit anpassen.
  • Banken müssen in kürzeren Zeiträumen (statt 10 Jahren, 10 Minuten) denken, planen und handeln.
  • Um als Bank in Zukunft relevant zu sein, muss man sich als digitale Bank positionieren. Digitale ist die notwendige Voraussetzung um kontextuell zu agieren.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

4 Kommentare

  1. Mal sehen, wie lange Fidor noch überlebt… „Gewinne“ bisher nur aufgrund von Sondereffekten und bilanziellen Zulässigkeiten… Möglicherweise ist Fidor >weder relevant noch disruptiv<?

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