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Electronic, Mobile und Instant Payments: Wohin geht die Reise?

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Neue Herausforderungen für Finanzinstitute

Aktuelle Trends im Bereich Payments

Wie sehen die aktuellen Trends im Bereich Payments aus?
© Shutterstock

Zum Start des gemeinsamen Bezahlsystems der deutschen Finanzinstitute paydirekt analysiert der heutige Gastautor, wohin die Reise beim Thema Payments geht und wie die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Stakeholder aussehen.

paydirekt steht am Start: Gemeinsam schicken die deutschen Banken in diesen Wochen das neue Zahlverfahren für den E-Commerce ins Rennen. „Zu spät“, sagen viele. Andererseits: Bedienungskomfort, Sicherheit und Kosten für die Händler scheinen zu stimmen. Wenn das Angebot die solidarische Unterstützung aller Banken erfährt, wenn die Banken es auf Kunden- und vor allem Händlerseite engagiert vermarkten, wenn es damit innerhalb von ein bis zwei Jahren eine gewisse Flächendeckung erreicht und ein Markenkern entsteht, dann hat paydirekt eine echte Chance!

Forderung nach Erweiterung von paydirekt

Schon wird die Forderung lauter, das Verfahren auch für den Präsenzhandel zu öffnen, also durch eine Mobile Payment-Lösung auf Smartphones zu ergänzen. Denn eine zunehmende Zahl von Kunden, die sich an die Zahlverfahren im Internet gewöhnt hat, fragt nach vergleichbaren Verfahren an der Ladenkasse. Apple Pay steht vor der Türe, und PayPal wird mit einer Alternativlösung nicht lange auf sich warten lassen. Man muss zwar nicht zu den Ersten gehören – so die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Expertenbefragung. Aber zu lange darf man mit dem Angebot einer Mobile Payment-Lösung nicht zögern. Sonst – so die Meinung der Experten – geht über den Verlust des Zahlungsverkehrs letztlich auch den Kontakt zum Bankkunden in anderen Disziplinen verloren. Vielleicht kommt die nächste große Herausforderung für paydirekt schneller als gedacht?

Neue Herausforderung: Instant Payments

Als ob dies nicht genug wäre, wird seit einem Jahr ein Thema immer präsenter, das gewissermaßen quer zu E- und M-Payments liegt: Instant Payments. Europäische Kommission und EZB fordern ein Massenzahlungssystem für den Retailmarkt, 7×24 verfügbar, bei dem die verbindliche Belastung des Zahlers und die Gutschrift beim Empfänger sofort (im Gespräch: nach spätestens fünf Sekunden!) erfolgen. Die Zahlung ist endgültig, der Empfänger kann sofort über den Betrag verfügen. Bis 2018, so die Erwartung der Regulatoren, sollen diese Zahlungen in einer ersten Ausbaustufe realisiert sein.

Stakeholder wollen Instant Payments

Eine kurze Stakeholder-Analyse von Endkunden, Händlern, Regulatoren und Zahlungsverkehrs-Anbietern zeigt, dass der Zug der Instant Payments nicht aufzuhalten ist.

Nutzen für den Endkunden

Für den Endkunden mag der objektive Nutzen auf die Fälle begrenzt sein, in denen der Händler heute noch mit dem Versand wartet, bis die Überweisung eingetroffen ist. Der subjektiv empfundene Nutzen kann in einer Welt zunehmender Digitalisierung aber beträchtlich sein: Warum soll eine Zahlung länger dauern als ein Email, manchmal gar länger als die physische Auslieferung der Ware? „Instant“ wird zur neuen Normalität. Und wenn Kunden – bei gleichen Kosten – die Alternative „sofort“ oder „zeitversetzt“ haben, liegt deren Entscheidung auf der Hand.

Nutzen für den Händler

Die Händler werden ebenfalls für einen sofortigen Zahlungseingang votieren, wenn der Preis nicht wesentlich höher liegt als bisher – und eine Erhöhung ist angesichts des Wettbewerbs und der zu erwartenden regulativen Vorgaben nicht zu erwarten. Dass dies neue Anforderungen ans Cash Management stellt, soll nicht verschwiegen werden.

Sicht des Regulators

Der Regulator hat ein massives Interesse an der Etablierung von Instant Payments im Euroraum. Denn die Innovation SEPA wird von der Mehrzahl der Endkunden mit bis zu 22-stelligen IBANs sowie kryptischen Buchungstexten in überlangen Kontoauszügen assoziiert und als administrative Bürde empfunden. Für den Regulator ist es höchste Zeit zu demonstrieren, dass auf Basis der weltweit einmaligen SEPA-Infrastruktur weiterer Nutzen realisiert werden kann – wie eben Instant Payments. Dies gilt umso mehr, als sonst die Gefahr besteht, dass die geschaffene SEPA-Welt durch neue Verfahren wieder auseinanderdriftet. Hinzu kommt als zweites gewichtiges Argument, dass man sich ein europäisches Verfahren wünscht, um die Abhängigkeit von Anbietern außerhalb Europas zu reduzieren.

Bedenken der Zahlungsverkehrs-Anbieter

Die vierte Stakeholder-Gruppe, also die Zahlungsverkehrs-Anbieter wie Banken, PSPs und ACHs, hat verständlicherweise mehrheitlich Bedenken: Sie sehen die enormen Kosten, die durch Aufbau und Betrieb der neuen Infrastruktur zu erwarten sind. Diese Kosten können – europaweit betrachtet – durchaus bei mehreren Milliarden Euro liegen.

Bestehende Erfahrungen mit Instant Payment

Vor der zusammenfassenden Prognose auf Basis der Interessen aller Stakeholder braucht es einen Einschub: Welche Erfahrungen gibt es mit der Etablierung solcher Systeme? Gemäß Swift White Paper von 2015 haben bereits 18 Länder Instant Payments eingeführt, in Entwicklung oder in fortgeschrittener Planung. Darunter sind solch große Länder wie China und Indien. Aber noch in keinem Land werden Volumina bedient, wie sie für Europa zu erwarten sind. Und in keinem Raum muss die Abwicklung international, also über Ländergrenzen hinweg funktionieren.

Andererseits gibt es bei vertiefter Analyse durchaus Möglichkeiten, Instant Payments mit begrenztem Aufwand zu implementieren. Man muss sich dazu von dem Gedanken frei machen, dass der gesamte Prozess, also Initiation, Clearing und Settlement in Realzeit ablaufen muss. Letztlich reicht es, wenn die Initiation (heute bis zur Authentifizierung und Autorisierung durch die entsprechenden Zentralen) ergänzt wird und in Realzeit abläuft. Denn schon heute wird bei einem Großteil der Einzelhandelszahlungen zur Autorisierungszentrale und von dort teilweise bis zum Kundenkonto durchgeroutet. Es braucht nicht viel, um diese Anfragen zu einem Dispobestand am jeweiligen Konto zusammenzufassen. Anders als bisher müssen die dort gelisteten Transaktionen für Händler und Kunden einzeln erkennbar und bereits als unumkehrbar markiert sein. Und anders als bisher muss das auch international funktionieren. Die formale Buchung aufs Konto kann dann in einem zeitversetzten Clearing- und Settlement-Zyklus erfolgen. Dies reicht den Händlern völlig: Sie brauchen lediglich die Gewissheit, dass das Geld verbindlich angekommen ist.

Realtime oder Instant Payments werden kommen

Realtime oder Instant Payments sind auf dem Vormarsch
© Shutterstock

Ohne Zweifel gibt es offene Fragen wie die nach der Embargoprüfung in Realzeit. Auch steigen die Liquiditätsrisiken der Banken durch die faktische Garantie. Aber man kann sich vertragliche Abmachungen vorstellen, die dies handhabbar machen. Zudem lassen sich die Liquiditätsrisiken reduzieren, wenn man mehrere Clearing- und Settlement-Zyklen pro Tag fährt. Dies sollte keine radikale Veränderung heutiger Architekturen erfordern.

Damit werden Instant Payment-Systeme mit begrenztem Investitionsaufwand vorstellbar – und könnten vom notwendigen Übel zur Chance werden, Zusatzgeschäfte zu generieren. Eines ist allerdings Voraussetzung: Will man solche schlanken Systeme durchsetzen, so muss sich eine Kerngruppe von Banken einig sein. Die Banken müssen vor der Regulation mit einer Stimme sprechen und ihre – gute – Lösung offensiv vertreten.

Instant Payments werden kommen

Nach diesem Einschub nun die abschließende Prognose: Instant Payments werden auf jeden Fall kommen. Die Kostenargumente der Banken werden nicht genug Gegengewicht in die Waagschale werfen. Vielleicht ist der Zieltermin 2018 zu ambitioniert, aber 2019 oder spätestens 2020 wird es so weit sein!

Und damit schließt sich der Kreis: Was die Banken mit paydirekt auf dem Feld der Internet-Zahlungen schaffen, könnte ein etwas breiter aufgestelltes Bankengremium auch für Instant Payments erreichen: eine Architektur, die auch aus Bankensicht zu vernünftigen Kosten und mit dem entsprechenden Nutzen für Kunden und Händler machbar ist.


In gedruckter Form erscheint dieser Beitrag als Kolumne in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Banking Information Technology 3/2015 von ibi Research.

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Über den Autor

Prof. Dr. Hans Gert Penzel

Prof. Dr. Hans-Gert Penzel ist geschäftsführender Gesellschafter des ibi research, Institut für Bankinnovation an der Universität Regensburg. Sein Institut analysiert und gestaltet IT-basierte Finanzinnovationen. Von 2004 bis 2010 war Herr Penzel Generaldirektor und CIO in der Europäischen Zentralbank. Davor hatte er in 13 Jahren mehrere C-Funktionen in der Vereinsbank, später Hypovereinsbank inne. Er begann seinen Berufsweg 1982 bei Hewlett Packard und wechselte 1985 fünf Jahre zu McKinsey & Company. Herr Penzel studierte VWL und Wirtschaftsinformatik in Mainz und Stanford; er promovierte in Software Engineering.

2 Kommentare

  1. Walfried Lemerz am

    Eine hervorragende Analyse. Tatsächlich werden Instant Payments die Zahlungsverkehrslandschaft in absehbarer Zeit bereichern. Und auch wenn vordergründig angenommen werden kann, dass diese Services für den Endkunden (fast) kostenfrei angeboten werden (Beispiele aus den Nordics zeigen uns das!), so wird der Zahlungsverkehr letzten Endes dadurch für den Bankkunden insgesamt doch wieder teurer.
    Denn die strukturellen Änderungen, die zur Umsetzung von Instant Payments notwendig sind, werden massiv sein. Bleibt also die Frage, warum der europäische Regulator zum „Innovator“ wird. Denn mit Instant Payments ist ja nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, das nächste Mega-Projekt „e-Invoicing“ steht schon in den Startlöchern.
    Es ist fast so, als habe der Regulator die Bankenindustrie mit der Telekommunikation verwechselt. Denn dort kann man sekundenschnell Nachrichten und Guthaben von Smartphone zu Smartphone transportieren, allerdings ohne die zahlreichen Auflagen, die man Kreditinstituten auferlegt hat.

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