Die „Zeitenwende“ für Banken ist gekommen, um zu bleiben

Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die Banken im Jahr 2023

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Chancen in Krisen zu nutzen funktioniert nur mit Mut und Beherztheit. Resilienz lässt sich nur durch den Einklang von digitaler Transformation und profitablem Wachstum erzeugen. Dafür bedarf es Investitionen und einen nachhaltigen strategischen Technologiefokus.

Ausblick auf die Digitalisierung der Banken im Jahr 2023

Im Jahr 2023 kommt es auf die Balance zwischen digitaler Transformation und profitablem Wachstum an.

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Das Wort „Transformation“ begleitet die deutsche Wirtschaft seit Jahren wie ein langer Schatten und erinnert uns immer daran, dass ein Geschäftsmodell kein starrer Körper, sondern ein flexibles Konstrukt sein muss. Die Corona-Pandemie hat dies vielen Unternehmen unmissverständlich und mit voller Härte vor Augen geführt. Doch statt in eine postpandemische Erholungs- und Wachstumsphase der deutschen bzw. globalen Wirtschaft überzugehen, stellt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine das globale Wirtschafts- und Finanzsystem als auch die politischen Entscheider auf eine neue historische Probe und erzeugt noch nie da gewesene geldpolitische Veränderungen.

Krisen bieten auch Chancen

Zwar ändern Krisen bestehende Strukturen, bieten aber zeitgleich die Chance neue Möglichkeiten und Potentiale zu nutzen und zu erschließen. Deswegen gilt es, den Krisen unserer Zeit zu trotzen und mit Mut und Beherztheit zu begegnen. Denn die in Deutschland so häufig zitierte „Zeitenwende“ ist kein apokalyptischer Reiter, der die Grundmauern unseres Wirtschaftssystems zerstört, sondern vielmehr ein Spiegel, der uns aufzeigt, ob wir finanz- und klimapolitisch die notwendige Resilienz für eine Verschiebung der Spielregeln auf dem rutschigen Parkett besitzen und vor allem den Mut für radikale Entscheidungen und Umbrüche haben.

Für das Jahr 2023 gehen die unterschiedlichen Konjunkturprognosen auseinander wie ein Akkordeon. Umso wichtiger wird es sein, dass mit Blick auf die Banken die strukturelle Resilienz, die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten und damit verbundene Investitionen konsequent und ohne Zweifel fortgesetzt werden. Aufgrund der volatilen Märkte wird zugleich der Anspruch steigen, das Thema Profitabilität noch besser in Einklang mit Transformationsaufwendungen zu bringen. Parallel dazu wächst die Bedeutung eines datengetriebenen Risikomanagements, um die zunehmende Komplexität exogener Faktoren einer Bank noch besser zu steuern und Entscheidungen fakten- und weniger bauchorientiert zu treffen.

Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) investiert seit 2019 400 Mio. Euro, um ihren digitalen Handlungsspielraum entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu steigern und zukunftsfähig zu bleiben. Die damit verbundene Wachstumsstrategie setzt auf einen umfassenden Ausbau der Technologisierung der Bank im Back- und Frontend und auf noch mehr Resilienz und Flexibilität des nachhaltig ausgerichteten Geschäftsmodells.

Profitabilität als Antrieb einer erfolgreichen Transformation

Im neuen Jahr wird es für die deutschen Banken noch wichtiger werden, die bisher getätigten Aufwendungen für die digitale Transformation in Einklang mit einem profitablen Wachstum zu bringen. Das gilt auch für unser Geschäftsmodell, um eine Skalierung in den Märkten weiterhin aus einer Position der Stärke heraus zu steuern, um noch mehr Ertragspotentiale zu heben. Die Verlagerung von technischer Infrastruktur in die Cloud ist ein Hebel, um Kosten zu senken und Geschwindigkeit und technologische Beweglichkeit zu gewinnen.

Somit wird die digitale Transformation zwar temporär zum Kostentreiber, jedoch mittelfristig führt es zu signifikant geringeren Kosten durch mehr Effizienz durch z.B. modulare API-Strukturen für Technologiepartner, Prozessexzellenz durch einen hohen Automatisierungsgrad und ein noch zuverlässigeres, datenbasiertes Risikomanagement an den Märkten. Die Entwicklungszyklen für neue Produkte werden deutlich verkürzt und Launches können technisch schneller umgesetzt werden.

Vom Kunden her denken

Wichtig ist hierbei, dass alle digitalen Fortschritte nicht von der Bank, sondern vom Kunden aus hergeleitet werden. Die Unsicherheiten als auch die Dichte an Angeboten am Finanzmarkt für Verbraucher wird weiter zunehmen – umso essentieller wird es für Banken sein, ein vertrauensvoller, digitaler Lotse mit einem hohen Anspruch an Datensicherheit zu sein.

Auch wir bei der DKB setzen auf eine zukunftsfähige, digitale Strategie und treiben den technologischen Transformationsprozess massiv voran. Die Chance neue Wettbewerbsvorteile und USPs zu generieren, sehen wir in Hinblick auf das Thema Profitabilität weiterhin in der Positionierung einer Direktbank, die Nachhaltigkeit und Technologie smart verknüpft. Insgesamt wird eine grüne und soziale Ausrichtung des Kreditportfolios der Banken regulatorisch und wirtschaftspolitisch stark getrieben und das zurecht. Die Banken werden im Kontext der anhaltenden Energiekrise nach meiner Einschätzung eine noch wesentlichere Gestalter-Rolle bei der Steuerung von nachhaltig ausgerichteten Finanzströmen am Kapitalmarkt einnehmen.

Die DKB sieht sich hier als bundesweit größter Finanzierer der Energiewende in einer verantwortungsvollen Rolle. Doch die eigentliche Challenge vor der die Banken hierbei stehen, ist auf der einen Seite die nachhaltige Ausrichtung des Geschäftsmodells und auf der anderen Seite die dafür noch sehr dünne Datenbasis für verlässliche Markt- und Risikomodelle.

Strategische Verschmelzung von Technologie und Nachhaltigkeit

Bereits heute und in Zukunft wird die Qualität der verfügbaren Daten den Erfolg eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen. Die Wertschöpfungsketten einer Bank sollten daher eine Verbindung aus einer skalierbaren, digitalen Infrastruktur mit einem smarten Datenhaushalt sein, um vor allem die für das Retail-Geschäft immer bedeutender werdenden, anpassungsfähigen Strukturen zu schaffen. Strategisch muss damit aber auch eine gesunde Regulatorik- und Risikosteuerung einhergehen, die auf Basis digitaler Analysen und KI-basierten Risikomodellen die Banken zukünftig noch effizienter und schneller auf regulatorische Anforderungen und Kundenbedürfnisse reagieren lassen könnte.

Zukunftsfähig sind dabei vor allem sozial und grün ausgerichtete Geschäftsmodelle, die ESG-konforme Anlage- und Kreditangebote berücksichtigen und so Technologie und Nachhaltigkeit in Einklang bringen. Nur wer es schafft, jetzt die richtigen technologischen Grundlagen für ein ESG-getriebenes Banking zu legen, wird Daten aggregieren können, die eine nachhaltig ausgerichtete und erfolgreiche Kapitalmarktstrategie ermöglichen. So sollte die Digitalisierung hier als Enabler für das risikoärmere Lenken nachhaltiger Kapitalströme genutzt werden. Wiederum braucht es dafür den Mut und langen Atem für umfangreiche Investitionen.

Investition – trotz oder wegen exogener Krisen

Wer in der Krise investiert, verliert? Das sehe ich anders. Investitionen sind auch keine Wette auf die Zukunft, sondern der Ausdruck von Vertrauen in die Gegenwart und ihr Potential in der Zukunft. Die Krise bietet auch in 2023 die ideale Gelegenheit in belastbare und digitale Geschäftsmodelle zu investieren und sich dabei unabhängiger zu machen. Dabei gilt es auch, die zunehmenden Konsolidierungen des Marktes als Chance zu nutzen, neue Märkte zu erschließen und langfristig ein digitales Ökosystem im Banking zu installieren (Stichwort: Open Banking), das wie ein Legobaukasten mit geringem Aufwand neu justiert werden kann. Die Zeit der IT-Silos ist vorbei – technologische Partner-Netzwerke und multicloudbasiertes Banking werden zum Nimbus der IT-Infrastruktur werden.

Doch wir können den Fokus noch so sehr auf exogene bzw. technische Faktoren legen, wenn wir nach innen nicht das kulturelle Mindset für den so wichtigen Switch haben.

Agiles Mindset ermöglicht technologiefreundliche Unternehmenskultur

Wir reden immer alle von IT- und Digitalfachkräften – doch den reinen Fokus darauf zu legen wäre unklug. Vielmehr benötigt es auch Generalisten und die Schaffung von multiperspektivischen Berufsrollen, die es schaffen, Technologie greifbar in das Frontend zu übersetzen. Weiterhin bedarf es einem neuen Selbstverständnis der Banken, die nicht an einem Arbeitgeber, sondern an einem Arbeitgebermarkt agieren und diese Rolle annehmen – und das mit Überzeugung.

Bereits heute ist das bei uns im Recruiting Realität und der Faktor Mitarbeiterzufriedenheit ein Erfolgstreiber. Die Talente geben uns nur die licence to operate, wenn wir neben den klassischen Faktoren auch die emotionalen Anforderungen in Hinblick auf Arbeitskultur, Nachhaltigkeit und Werte erfüllen. Die Banken werden daher hart daran arbeiten müssen, eine technologiefreundliche Unternehmenskultur zu schaffen, die nicht nur fordert, sondern vor allem fördert. Dabei gilt es Agilität nicht als Buzzword zu nutzen, sondern diese jeder Rolle im Unternehmen erlebbar/greifbar zu machen. Weiterbildungen und nette Firmenfeiern sind kein Garant mehr – wir müssen täglich emotionale Markenerlebnisse schaffen und vor allem überzeugt sein, von dem was wir tun.


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Über den Autor

Arnulf Keese

Arnulf Keese ist als Mitglied des Vorstands Chief Digital Officer (CDO) der DKB AG und verantwortet die digitale Transformation der Direktbank. Der Diplom-Physiker war zuvor u.a. General Manager für die DACG-Region beim PayPal.

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