Digitale Zukunft oder alles nur heiße Luft?

Plattform-Banking und Ökosysteme

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Seit einiger Zeit wird in der deutschen Finanzbranche viel über Plattform-Banking diskutiert. Hinter dem vermeintlichen Buzzword steckt jedoch mehr. Für Banken und Sparkassen bieten sich spannende Potentiale, wenn das Thema richtig angegangen wird.

Plattform-Banking und Ökosysteme in der Finanzbranche

Plattform-Banking und Ökosysteme sind wichtige Themen für die Finanzbranche.

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Finanzprodukte digitalisieren sich zunehmend und integrieren sich in unseren Alltag. Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen agieren auf Plattformen und daraus entstehenden Ökosystemen miteinander. Plattform-Banking gehört dementsprechend zu den viel diskutierten Themen in der deutschen Finanzbranche.

Zwar wird es auch oft als Buzzword genutzt, grundsätzlich handelt es sich dabei aber um ein Zukunftsthema, um das die Branche nicht mehr herumkommt. Im Gegenteil. Im Vergleich zu beispielsweise den USA ist die deutsche Finanzbranche schon viel zu spät dran und aktuell noch damit beschäftigt, die Hausaufgaben der letzten Jahre nachzuholen.

Plattform-Banking ist kein neues Thema

Das eigentliche Rennen hat bereits vor fünf bis zehn Jahren begonnen, und die Pandemie hat uns nochmal vor Augen geführt, wie wichtig die Digitalisierung und Kommunikationskanäle sind. Sie durchdringen alle Funktionsbereiche der Gesellschaft und werden als eingebettete Systeme zunehmend unsichtbar. Insbesondere Google, Amazon und Apple haben gezeigt, dass Plattformen mit ihren Netzwerkeffekten und Einbindung in den Kundenalltag die Zukunft gehört.

Die Frage ist nicht, ob in der Zukunft Finanzdienstleistungen plattformisiert werden, sondern vielmehr welche, bis wann, in welcher Tiefe und welche Rolle Banken hierbei einnehmen können.

Konsequente Nutzersicht und strategische Partnerschaften als Erfolgsfaktoren

Auch wenn in Deutschland Nach- und Aufholbedarf besteht, sollten Banken und Sparkassen nicht in hektischen Aktionismus verfallen. Denn Plattform-Banking und digitale Ökosysteme sind kein Selbstzweck, sondern sollten konsequent aus Nutzersicht gedacht werden. Erfolgreiche Plattformen und Ökosysteme aufzubauen ist anspruchsvoll – wirtschaftlich, technisch und kulturell – und dementsprechend eine teure Investition.

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Man sollte sich deshalb in den Alltag der Kunden versetzen und sich die Frage stellen, wo neue Plattformen überhaupt noch sinnvoll und lohnend sind. Große Player wie die US-amerikanischen GAFAs haben zum Beispiel schon viele Bereiche besetzt und sind aus dem Leben vieler Kunden nicht mehr wegzudenken. Es lohnt sich schlicht nicht, dagegen anzuinvestieren.

Kunden einen Mehrwert bieten

Stattdessen müssen deutsche Anbieter Bereiche identifizieren, in denen man Kunden noch einen wirklichen Mehrwert bieten kann. Die Baufinanzierung bietet zum Beispiel das Potenzial, ein nutzerzentriertes Ökosystem zu gestalten, denn Kunden geht es im Grunde nicht nur um die reine Finanzierung, sondern um das allgemeine Bedürfnis nach Wohnraum. Daher wäre es möglich, um eine Plattform für Baufinanzierungen ein Ökosystem mit Schnittstellen für etwa Makler, Notare und Handwerker aufzubauen. Von der Suche nach passendem Wohnraum über die Finanzierung, Absicherung und Modernisierung bis zum Nachlassmanagement gibt es mannigfaltige Potenziale, den Kunden über ein eigenes Ökosystem zu binden und das eigene Geschäftsmodell zu stärken.

Kooperationen für den Erfolg

Zudem ist es grundsätzlich sinnvoll, über strategische Partnerschaften und die Fragestellung nachzudenken, wo sich der eigene Plattformansatz öffnen muss, und wo bewusst auch nicht. Schließlich ist es nicht unbedingt sinnvoll, selbständig Handwerksleistungen für zum Beispiel Modernisierung und Sanierung durchzuführen, sie über eine Kooperation dem Kunden anzubieten aber schon.

Nicht jede Bank muss selbst eine eigene Plattform betreiben. Stattdessen könnte durch einen Kooperationsansatz kollektives Wissen genutzt und zukunftsfähige Produkte und Services geschaffen werden, die die Kundenbedürfnisse nachhaltig adressieren. Ein weiterer Vorteil: Eine Zusammenarbeit würde unterschiedliche Kundengruppen zusammenführen, wovon die kooperierenden Unternehmen profitieren.

Deutsche Finanzbranche braucht mehr Investitionsbereitschaft

Grundsätzlich ist Plattform-Banking eines des wichtigsten Potenzialthemen für Banken und Sparkassen, vorausgesetzt, es wird fokussiert aus Nutzersicht betrachtet und behandelt. In der deutschen Finanzbranche braucht es deshalb mehr Investitionsbereitschaft, denn wer nicht jetzt die Basis für effektiven Einsatz, kundenzentrierter Entwicklung und Vernetzung schafft, hat später keine Möglichkeit bei der exponentiellen Entwicklung mitzuhalten und bei der möglichen Wertschöpfung dabei zu sein.

Die Entwicklung zeigt schon heute, dass die großen Plattform-Player die für Banken relevante Kunden-Schnittstelle besetzen können, ohne tief in die Komplexität des Kerngeschäftes einsteigen zu müssen. Fakt ist: Finanzprodukte werden sich zunehmend digitalisieren, in den Alltag integrieren und verschiedene Player werden auf unterschiedlichen Plattformen miteinander agieren. Nur so lassen sich zukunftsfähige Produkte und Services schaffen, die die Kundenbedürfnisse nachhaltig adressieren und binden.

Über den Autor

Janosch Krug

Janosch Krug ist Leiter des Sparkassen Innovation Hub. Der gelernte Kommunikations- und Produktdesigner war zuvor in verschiedenen Kreativ-Positionen tätig, unter anderem für das Karrierenetzwerk XING sowie für diverse Digitalagenturen.

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