Digitale Kommunikation quält Führungskräfte

Mehr Stress, weniger Effektivität und Effizienz

Immer mehr Führungskräfte beklagen sich, dass die zunehmende digitale Kommunikation für mehr Stress und weniger Effektivität und Effizienz sorgt. Analoge Gesprächsformen sind wieder im Kommen.

Aktuelle Trends, Studien und Research zu Führung und Leadership

Führung (oder Management) bedeutet nicht zwangsläufig auch Leadership. Beides ist jedoch wichtig, gerade in Zeiten der Veränderung. Dies gilt auch für Banken und Sparkassen. Studien über aktuelle Trends und Entwicklungen zu diesem wichtigen Themenbereich finden Sie im Bank Blog.
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Innovationen sind wichtig für den Erfolg eines Unternehmens. Mitarbeiter sind dabei oftmals die besten Ideengeber. Doch um kreative Ideen zu entwickeln, brauchen sie Muße und den persönlichen Austausch mit Kollegen. Allerdings wird den Angestellten immer weniger Raum gegeben, ihre Kreativität zu entfalten. Durch die Digitalisierung wird analoge Kommunikation und damit der persönliche Austausch zunehmend durch digitale Kommunikation verdrängt. Räumliche Nähe wird durch ständige Erreichbarkeit ersetzt – eine Entwicklung, die auch in den Unternehmen zunehmend kritisch betrachtet wird.

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Vom Segen zum Fluch

Die Vielfalt digitaler Kommunikationsformen soll das Arbeiten in den Unternehmen erleichtern, entwickelt sich jedoch zunehmend vom Segen zum Fluch. Das ist zentrales Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung EY, für die 800 Fach- und Führungskräfte deutscher Unternehmen befragt wurden.

47 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die beständig fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt für sie eher Stress als eine Bereicherung ist. Jeder zweite Teilnehmer der Studie erklärt, dass er aufgrund der ständigen Erreichbarkeit durch die digitalen Medien vom intensiven Denken abgehalten wird.

Digitale Stressbelastung nimmt zu

43 Prozent der Befragten – 40 Prozent in der Finanzbranche – beklagen eine gestiegene Stressbelastung durch die digitalen Medien.

Branchenvergleich: Stress durch digitale Kommunikation

Im Branchenvergleich scheint digitaler Stress in der Finanzbranche geringer als in anderen Branchen zu sein.

Gleichzeitig tun Fach- und Führungskräfte jedoch wenig, um sich davor zu schützen. So unterbricht über alle Altersgruppen hinweg ein Drittel der Befragten die Arbeit mehrmals pro Stunde selbst, um E-Mails abzurufen. Vor allem jedoch neigen die jüngeren dazu, sich durch die elektronische Post ständig ablenken zu lassen. So ruft jeder zweite Befragte unter 30 Jahren seine Mails mehrmals pro Stunde ab, ebenso tun dies 46 Prozent der Studienteilnehmer zwischen 30 und 40 Jahren.

Um gute Arbeitsergebnisse zu erzielen oder für den Unternehmenserfolg wichtige innovative Lösungen zu finden, ist jedoch Konzentration gefragt. Wichtig sei daher die strukturierte Planung des Tagesablaufs. Laut der Studie nehmen sich jedoch nur 27 Prozent der Fach- und Führungskräfte regelmäßig bewusste Auszeiten von der digitalen Kommunikation. Nicht unschuldig daran sind die Unternehmen, die den Mitarbeitern nicht erklären, wie sie sich entsprechende Freiräume schaffen können und sie im Gegenteil noch zur ständigen Erreichbarkeit und Sichtbarkeit in den digitalen Medien drängen. Erreichbarkeit und Verfügbarkeit sind jedoch keinesfalls mit Bedeutung oder Wirksamkeit gleichzusetzen.

Analog schlägt digital

Neben den kritischen Auswirkungen übermäßiger digitaler Kommunikation zeigt die Studie die hohe Bedeutung analoger Kommunikationsformen, die durch sie verdrängt zu werden drohen.

Fluch und Segen von Meetings

Das Verhältnis zu Meetings und deren Nutzen ist ambivalent.

So nennen die befragten Fach- und Führungskräfte physische Meetings und gemeinsame Brainstormings als das wichtigste Format (32 Prozent), um innovative Ideen zu entwickeln, gefolgt vom schnellen Austausch auf dem Flur bzw. im Großraumbüro (17 Prozent). Das Nutzen von Internetforen oder digitalen Innovationsplattformen, die das Unternehmen eingerichtet hat, wird mit acht bzw. sechs Prozent hingegen als kaum hilfreich eingeschätzt. Dennoch haben 50 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte im vergangenen Jahr nicht an einem analogen Format zur Ideenfindung wie einem Abteilungsbrainstorming, Innovationsworkshop oder Hackathon teilgenommen.

„In Anbetracht der großen Bedeutung von Innovationen ist das für Unternehmen höchst gefährlich.“

Laura Jacob, EY

Die wichtigen analogen Treffen sind jedoch keine Selbstläufer. So erklären 63 Prozent der Befragten auch: „Meetings sind Zeitfresser, die meine Arbeit unnötig unterbrechen.“ 59 Prozent bestätigen, dass viele Mitarbeiter Meetings nicht ernst nehmen, schlecht vorbereitet sind oder zu spät kommen. Gewünscht sind deshalb klare Kommunikationsregeln, eine strikte Zeitbegrenzung sowie die bessere Auswahl der Teilnehmer und der Einsatz von Moderatoren.

An dieser Stelle sind insbesondere die Führungskräfte gefordert, die Qualität der Meetings zu erhöhen. Gefragt sind sie zudem in einer weiteren analogen Disziplin: der Face-to-Face-Kommunikation mit ihren Mitarbeitern.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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