Die schlafenden Riesen der Digitalen Identität

Banken haben hochwertige Daten, aber keine kritische Masse

Banken stehen am Scheideweg. Entweder sie nutzen gemeinsam ihre inhärenten Stärken, um bislang unbesetzte Geschäftsfelder zu erobern oder sie werden zu nützlichen Steigbügelhaltern für Technologiegiganten und verkommen dabei zum regulierten Maschinenraum.

Daten und digitale Identitäten im Banking

Daten und damit verbunden digitale Identitäten können für Banken und Sparkassen zu einem strategischen Erfolgsfaktor werden.

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In den meisten Ländern dominieren große Unternehmen wie Paypal und Ant Financial (Alipay) schon heute Online-Zahlungen. In Europa erhalten diese und andere Unternehmen vom EU Parlament durch PSD2 einen weiteren Vorteil; ab September 2019 können Dritte (sog. Third Party Provider oder TPP) mit Erlaubnis des Endkunden auf Kontodaten zugreifen und SEPA Zahlungen auslösen. Banken können dafür weder Geld noch einen Vertrag verlangen. Kommt ein TPP in die Wertschöpfungskette, verlieren die Banken mehr als „nur“ Einnahmen. Sie verlieren die Schnittstelle zu ihren Kunden und werden zum gratis Maschinenraum mit kostspieligen regulatorischen Anforderungen und meist älterer (und damit ebenfalls teurer) technischen Infrastruktur.

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Banken und Sparkassen sind also nicht nur im Wettbewerb mit anderen Kreditinstituten sondern auch mit Unternehmen, die andere Geschäftsmodelle und eine andere Skalierung haben. Facebook alleine hat in etwa so viele digitale Nutzer, wie alle Banken der Welt Online Banking Kunden.

In Zukunft entscheidet also der Endkunde, welchen Dienst er verwendet, und in dieser Auseinandersetzung brauchen Banken überzeugende Argumente. Um ihr eigenes Problem zu lösen, müssen Banken also ein echtes Problem ihres Kunden lösen und zwar besser, als es Dritte können.

Die Probleme der Endkunden

Welche Probleme haben also Endkunden? Aus eigener Erfahrung behaupte ich, dass Zahlung im Internet in den meisten Ländern weitgehend gelöst ist. Dem Kunden stehen etliche Zahlverfahren zu Verfügung, er kann direkt überweisen, auf Rechnung kaufen oder mit Kreditkarte bezahlen.

Anders sieht es aus wenn er Behördengänge online absolvieren oder Verträge digital abschließen will. Der hierfür erforderliche elektronische Identitätsnachweis ist genau wie die elektronische Unterschrift noch ein mühsamer und langwieriger Prozess der immer wieder durchlaufen werden muss. Hier besteht deutliches Potential für Verbesserung.

Die Probleme der Relying Parties

Wenn ein Prozess für Kunden mühsam ist, dann ist er für die Relying Party (z.B. ein Online Shop, eine Versicherung oder ein Telekommunikationsunternehmen) teuer. Jedes Feld, jede Eingabe und jeder Klick des Endkunden ist eine Hürde und mit jeder Hürde verliert der Händler Kunden die den Prozess abbrechen. Gleichzeitig münden Prozesse mit vielen Hürden oft in Produkte mit hohem Wert, für die jeder Klick auf Diensten wie Google teuer ist.

Nehmen wir eine Versicherung als Beispiel, die für ein Produkt einen Identitätsnachweis für EUR 5 kauft und die das Einholen der Unterschrift weitere EUR 5 kostet. Die direkten Prozesskosten sind also EUR 10. Zahlt die Versicherung für den Klick des Kunden EUR 5 an einen Anbieter wie Google und von 20 Kunden kommt nur einer durch (eine Konversionsrate von 5 Prozent gilt bei vielen dieser komplexen Produkte schon als gut) dann sind die Kosten der Kundenakquisition der Versicherung mit EUR 100 zehn Mal so hoch wie die direkten Kosten.

Banken sind geborene Identity Provider

Banken verbinden wie keine zweite Industrie die analoge Identität mit der digitalen Identität und einer starken elektronischen Authentifizierung im Online oder Mobile Banking. Banken kennen aber nicht nur die Identität ihrer Kunden sondern auch deren Bonität und sie haben ein Autorisierungssystem etabliert, dass sie seit Jahren verwenden, um Überweisungen mit hoher Rechtssicherheit abzuwickeln.

Damit können Banken ihren Kunden ermöglichen, sich auf Knopfdruck auszuweisen, Verträge zu schließen oder Zahlungen auszuführen.

Eine Bank alleine hat zwar Daten mit vergleichsweise hoher Qualität, quantitativ sind sie jedoch Davids. Nur zusammen können sie auf Augenhöhe mit den Internet Goliaths operieren. Ich bin daher überzeugt, dass nur eine internationale Zusammenarbeit der Banken eine geeignete Antwort auf global agierende Mitbewerber ist—Banken müssen quantitativ auf Augenhöhe sein, bevor ihre neuen Mitbewerber qualitativ aufholen und ebenfalls verifizierte Daten besitzen.

Klasse und Masse Digitaler Identitäten

Internet Giganten haben sehr viele Identitäten aber auf relativ niedrigen Niveau. Banken haben hochwertige GwG konforme Identitäten aber erreichen nur gemeinsam eine kritische Masse.

PSD2 und eIDAS werden zusammen zum perfekten Freemium Modell

Banken, die aus der Defensive wollen, sollten einen Schritt weiter gehen und Daten und Dienste, die sie den eingangs erwähnten TPPs kostenlos bereitstellen müssen, auch deren Kunden kostenlos bereitstellen. Indem Banken die Commoditisierung der PSD2 Dienste vorwegnehmen und gleichzeitig einzigartige Mehrwerte anbieten, haben Sie die Chance, selbst zu Disruptoren zu werden.

Können Banken eine zentrale Rolle spielen?

Mitte des Jahres starten Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken mit einer gemeinsamen Initiative und werden so zu Identiy Providern (IDP), Account Information Providern (AIP) und Payment Initiation Providern (PIP). Die Daten fließen direkt von der Bank zum Händler und nur, wenn der Endkunde auch wirklich „yes“ sagt. Das Gleiche gilt für Zahlungen, die direkt von der Bank ausgelöst werden.

Das System wird aber nicht „nur“ für die Online Banking Kunden der Sparkassen und VR-Banken funktionieren. Alle Online Banking Kunden werden es ohne Anmeldung nutzen können—einfach mit ihren bestehenden Online Banking Credentials. Dazu werden Service Provider die Rolle dieser „passiven“ Banken übernehmen; ein TPP, der nicht nur Kontodaten übermittelt sondern sie mit Kundenerlaubnis auch speichert und als IDP fungiert, Video ID Unternehmen die Ausweisdaten verifizieren, QTSPs für qualifizierte Signaturen und andere Partner werden dort zum Einsatz kommen, wo Banken anderen die Kundenschnittstelle und Einnahmen überlassen wollen.

Wir freuen uns sehr, dass wir die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken nicht nur als Partner sondern auch als erste externe Investoren gewinnen haben, aber die eigentliche Arbeit fängt erst an. Wir glauben an eine Zukunft, in der Banken im besten Sinne des Wortes „Datenbanken“ sind und nicht nur Geld sondern auch Identität und Zustimmung ihrer Kunden dezentral und sicher verwalten.

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Über den Autor

Daniel Goldscheider

Daniel Goldscheider ist Co-Founder von yes.com und Mitglied im Aufsichtsrat des Global Footprint Networks und der Identity Trust Management AG.

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