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Corona-Krise treibt Wertberichtigungen in die Höhe

Kreditverluste für Europas Banken könnten 415 Milliarden Euro übersteigen

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Europas Banken spielen eine tragende Rolle beim Abfedern der Folgen der Corona-Pandemie. Einer Studie zufolge drohen ihnen durch die Krise Kreditausfälle in Höhe von 415 Milliarden Euro. Die Institute müssen ihr Risikomanagement verstärken.

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Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Finanzsystem zu reduzieren, haben viele Länder ihre staatlichen Fördermaßnahmen auf die Vergabe privater Kredite umgestellt. Damit wird die Verantwortung, die Wirtschaft am Laufen zu halten, weitgehend auf private Kreditgeber übertragen.

Das Beratungsunternehmen Accenture hat für eine aktuelle Studie die Folgen untersucht und ausgerechnet, dass die europäischen Banken im laufenden Jahr bis zu 415 Milliarden Euro für die Deckung pandemiebedingter Kreditverluste aufbringen müssen. Zur Bewältigung dieser Aufgabe seien bislang 2,4 Prozent der bestehenden Kredite zur Deckung zurückgelegt worden. Dies sei fast doppelt so viel, wie die Institute während der globalen Finanzkrise 2008 abgeschrieben hätten.

Öffentliche und private Verschuldung bald auf Rekordniveau?

In einer zunehmend fremdfinanzierten Wirtschaft stünden die Banken vor der Aufgabe, ihre Kreditbestände zu managen und zeitgleich Entscheidungen über neue Kreditvergaben zu treffen. Weiterhin stellten die Studienautoren fest, dass dadurch ein weltweites Rekordniveau der öffentlichen und privaten Verschuldung erreicht werden könnte.

Analysten prognostizierten, dass diese bis Ende 2020 bis zu 200 Billionen US-Dollar betragen könnte. Bei Erreichen dieses Werts wäre die Rückzahlungsfähigkeit von Unternehmen und Privathaushalten ernsthaft gefährdet.

Staatliche Hilfsprogramme allein genügen nicht

Wenn die staatlichen Hilfsprogramme auslaufen, müssen die Institute mehr Kapital zum Schutz vor Kreditausfällen vorhalten. Um ihre Strategien für das Kredit- und Risikomanagement entsprechend auszurichten, benötigen die Banken eine vorausschauende und datengestützte Sicht des aktuellen Kreditrisikos, wobei die langfristige Sicht auf den Kunden im Vordergrund stehen müsse. Im vergangenen Jahr hätten europäische Banken noch die vergleichsweise geringe Summe von 80 Milliarden Euro zur Deckung potenzieller Kreditverluste bereitgestellt.

Nach Einschätzung der Studienautoren benötigten die Finanzinstitute im Jahr 2020 zusätzlich 265 bis 335 Milliarden Euro zur potenziellen Abschreibung notleidender Kredite. So könnten US-amerikanische Banken in den USA im Jahr 2020 bis zu 320 Milliarden US-Dollar abschreiben, was einem Anstieg von 265 Milliarden US-Dollar ab 2019 entspricht. Chinesische Banken könnten im gleichen Zeitraum Abschreibungen von bis zu 360 Milliarden US-Dollar vornehmen, was einem Anstieg von 190 Milliarden US-Dollar ab dem Jahr 2019 entspräche.

Banken insgesamt finanziell ordentlich aufgestellt

Zahlreiche Banken seien zu Beginn der Pandemie finanziell so gut aufgestellt gewesen, dass auch erhebliche Kreditverluste aufgefangen werden konnten. Nach Analyse der Studienautoren hielten die weltweit größten Banken Kapitalreserven, die deutlich über den Anforderungen der Aufsichtsbehörden lägen.

Weiterhin sei zu bemerken, dass die fünf größten US-Banken im ersten Halbjahr Reserven in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen konnten. Die europäischen Banken hätten im ersten Quartal 2020 fast 18 Milliarden US-Dollar zurückgelegt. Diese Rückstellungen könnten abgerufen werden, sobald die staatlichen Fördermittel ausliefen und Kunden in Zahlungsverzug gerieten.

Balancefähigkeit und Fingerspitzengefühl sind gefragt

Für Banken stünden schwere Entscheidungen bevor: Zwischen Kreditverlängerungen, die finanziell überlebensfähigen Kunden helfen, oder der Verschleppung einer unvermeidbaren Zahlungsunfähigkeit. Wer als Bank nun vorausschauend agiere, könne seine bisher erworbenen Daten- und Analysefähigkeiten nutzen, um operative Strategien für das Kreditmanagement zu entwickeln, die auf einzelne Branchen und Regionen zugeschnitten seien.

In einem Klima, in dem sich Zahlungsausfälle nicht auf die Kreditwürdigkeit der Verbraucher auswirkten und die tatsächliche wirtschaftliche Lage eines Unternehmens aufgrund von Kurzarbeits- und Lohnschutzregelungen unklar sei, könnten Banken einen datengestützten Ansatz zur Verwaltung ihres Kreditportfolios verfolgen.

Wie Banken ihre Kernkompetenzen im Kreditmanagement stärken

In den vergangenen zehn Jahren sei das Kreditmanagement der Banken auf ein Minimum geschrumpft. Um den steigenden Ausfallraten gerecht zu werden, müssten jetzt viele von ihnen ihre Ressourcen in einem Maße erweitern, das weit über die traditionellen Kapazitäten in diesem Bereich hinausgehe. Durch die erfolgten Investitionen in digitale Technologien könnten Bankmitarbeiter jedoch heute individuelle Lösungen für ihre Kunden entwickeln, um die finanziellen Engpässe zu überbrücken.

4 Empfehlungen für das Kreditmanagement

Die Studie enthält vier Empfehlungen, wie Banken ihre Kompetenzen im Kreditmanagement stärken und ihr Geschäft auf die ausstehenden Herausforderungen vorbereiten können:

  1. Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden, um unbeabsichtigte Folgen, wie das Ausdünnen neuer Kredite, zu vermeiden bzw. zu minimieren.
  2. Einführung klarer Leitlinien und Transparenz in Bezug auf die Rückzahlung von Krediten.
  3. Gewährleistung einer fairen Behandlung der Kreditnehmer bei klaren Regeln zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Kunden.
  1. Bilanzrisikomanagement bei gleichzeitiger Beratung von Unternehmen und Privathaushalten zur Bewältigung finanzieller Krisensituationen.

Für Banken sei es schwer, sich aus dem derzeitigen Kreditgeschäft zurückzuziehen – auch wenn es verlockend scheinen mag. Die Nachfrage nach Krediten werde unweigerlich steigen und müsse erfüllt werden. Wenn sich die Banken zurückzögen, würde dies unweigerlich Raum für neue Wettbewerber im Kreditgeschäft öffnen. Die größten Wettbewerber seien dabei nicht nur FinTechs und BigTechs, sondern auch zunehmend große, kapitalstarke Unternehmen, die neue Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten.

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Über den Autor

Pascal Brückner

Pascal Brückner ist freier Mitarbeiter des Bank Blogs für die Rubrik Studien und Research. Er studiert Psychologie an der Universität in Bamberg und ist in einer studentischen Unternehmensberatung aktiv.

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