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Der Boom der Kartenzahlung in Corona-Zeiten

Lieferengpässe bei Kassenterminals

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Die WHO empfiehlt es, Supermärkte bitten darum und sogar letzte Bastionen der Bargeldzahlung wie Marktstände sind dabei. Die Rede ist vom Bezahlen per Karte. Payment-Dienstleister sind zurzeit Gewinner der Krise, aber die hohe Nachfrage von Händlern könnte zu Lieferengpässen führen.

Nicht erst seit der Corona-Krise boomt das Bezahlen mit Karte

Nicht erst seit der Corona-Krise boomt das Bezahlen mit Karte.

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Die meisten Deutschen bevorzugen zwar weiterhin Bargeld, in Zeiten der Corona-Krise scheint sich jedoch der Trend zum bargeldlosen Bezahlen Trend zu beschleunigen, der bereits 2018 begann. So resümierte das Handelsforschungsinstitut EHI in einer Studie Anfang 2019, dass im Jahr 2018 im Einzelhandel erstmals mehr Umsatz per Karte als mit Bargeld gemacht wurde: 48,6 Prozent mit Giro- und Kreditkarte gegenüber 48,3 Prozent mit Banknoten und Münzen.

Umsatzanteile im deutschen stationären Einzelhandel (2018)

Karte schlägt Bargeld.

Auch die Deutsche Kreditwirtschaft, die die Girocard betreibt, jubelte in der Jahresstatistik 2018: 19,2 Prozent mehr Zahlungen wurden insgesamt per Karte durchgeführt, ein neuer Rekord. Dieser wurde dann direkt im folgenden Jahr pulverisiert, denn die Anzahl der Transaktionen stieg in 2019 erneut um 18,7 Prozent. In nur zwei Jahren konnte die Girocard also über 40 Prozent zulegen, was die Anzahl der Transaktionen betrifft.

Entwicklung der Girocard-Zahlungen von 2017 bis 2019

In nur zwei Jahren stieg die Zahl der Zahlvorgänge mit der vielen noch als „EC-Karte“ bekannten Girocard um über 1,3 Milliarden.

Die Corona-Krise beschleunigt den Trend

Sicherlich wäre dieser Trend auch ohne Corona nicht gestoppt worden. Die Kontaktlos-Funktion ist ein Treiber von Kartenzahlungen, ebenso wie die weitere Verbreitung von Diensten wie Apple Pay oder Google Pay.

Die Corona-Krise führt aber nun dazu, dass unter Verbrauchern die Angst vor Bargeld umgeht. Seit bekannt wurde, dass China Geldscheine desinfiziert und auch die USA für Banknoten, die aus Asien kommen, eine Quarantäne von 7-10 Tagen verordnen, spukt die Frage herum, ob man sich an Geldscheinen mit dem Virus infizieren kann. Dass dies höchst unwahrscheinlich ist, zeigt u.a. eine Infografik des Payment-Dienstleisters Bezahlexperten.

Dennoch: Überall stehen Hinweisschilder mit der Bitte, auch kleinere Beträge per Karte zu bezahlen. Der Autor dieses Textes war vor kurzem in einem Baumarkt und dort wurde sogar per Lautsprecher-Durchsage darum gebeten, die Einkäufe per Karte zu zahlen. Nahezu alle Kassen würden nur Plastikgeld akzeptieren – es gäbe nur noch eine einzige Kasse für Barzahler.

Kontaktloses Bezahlen bevorzugt

Und damit man möglichst nicht in Kontakt mit dem PIN Pad des Kartenterminals kommt, soll vor allem kontaktlos bezahlt werden. Dadurch, dass von den über 100 Millionen Girocards mittlerweile 75 Millionen mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet sind, steigt dementsprechend auch hier die Transaktionszahl rasant.

In den vergangenen Tagen sei mehr als die Hälfte aller Girocard-Zahlungen auf diese Weise durchgeführt wurden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) der Deutschen Presse-Agentur. Zum Vergleich: Im Dezember 2019 lag dieser Anteil noch bei 35 Prozent. Zudem erhöht die Deutsche Kreditwirtschaft das Limit für Kontaktloszahlung ohne Pin auf 50 Euro.

Und das bereits erwähnte EHI resümiert in einer Pressemitteilung vom 2. April 2020:  „Vor der Pandemie bevorzugten noch 38 Prozent der Käufer die Barzahlung, ihr Anteil sinkt aktuell auf 18 Prozent.  Während 42 Prozent dabei die klassische Kartenzahlung präferieren, nutzen weitere 31 Prozent das kontaktlose Bezahlen und rund 8 Prozent die mobilen Zahlungsvarianten.“

Hohe Nachfrage bei Payment-Dienstleistern

Corona führt also dazu, dass viel mehr Verbraucher die Karte als Zahlungsmittel ihrer Wahl entdecken und sicherlich wird ein gewisser Prozentsatz auch nach dem Ende der Krise noch öfters die Karte zücken als vorher. Das wiederum drängt auch diejenigen dazu, über Kartenzahlung nachzudenken, die sich bisher quasi mit Händen und Füßen dagegen gewehrt haben.

Während laut Zahlen der Arbeitsagentur allein im März 470.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet haben, führt die Corona-Krise bei Payment-Dienstleistern sogar zu mehr Arbeit und Aufträgen und einem Nachfrageboom. Beim Netzbetreiber InterCard stieg die Anzahl von Kundenanfragen, die früher die Kontaktlos-Funktion nicht nutzen wollten, um ein Vielfaches. Ebenso die Nachfrage nach der entsprechenden Dienstleistung. So geht es derzeit allen Netzbetreibern bzw. Dienstleistern.

Auch wir können diesen Trend bestätigen und haben in den letzten Wochen jeden Tag einen neuen Höchststand bei den Anfragen nach Kartenterminals und Abwicklungsverträgen gehabt. Innerhalb weniger Stunden konnten sechs Bäckereien und Markthändler als neue Kunden gewonnen werden. Diese Einzelhandelsgruppe war ja bisher eher nicht dafür bekannt, Freund des bargeldlosen Bezahlens zu sein und hatte sich mit der Entscheidung pro Kartenzahlung Zeit gelassen.

Corona führt zu einem Nachfrageboom nach Zahlungs-Terminals

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten: Corona führt zwar zu einem Nachfrageboom, gleichzeitig leeren sich aber auch die Lager. Ein Beispiel: Der Terminalhersteller Ingenico bezieht seine Geräte aus China und betreibt ein Zentrallager in Italien – bekannterweise geht dort nichts mehr. Auch die anderen Terminalhersteller, wie Verifone, beziehen die Geräte aus Fernost.

Und so könnte es bei der weiter zu erwartenden steigenden Nachfrage dann zu Lieferengpässen und leeren Logistiklagern kommen, wenn nicht mehr genügend Kartenterminals bereitliegen bzw. nachgeliefert werden können. Es bleibt also weiterhin spannend auf dem Paymentmarkt.

Über den Autor

Milan Klesper

Milan Klesper ist Gründer und Geschäftsführer des kaufmännischen Netzbetreibers Bezahlexperten mit Sitz in Köln. Der 2018 gegründete Payment-Dienstleister hat sich auf den reinen Online-Vertrieb von stationären und mobilen Kartenterminals fokussiert.

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1 Kommentar

  1. Avatar

    Viele neue Kunden – ja
    Transaktionen – sinkend, aber nicht ganz so schlimm
    Umsätze – Mangelware. Der Bäcker und der Marktstand können die fehlenden Zahlungen aus Hotels, und Gaststätten einfach nicht auffangen. Weder in Anzahl noch in Volumen.

    Also sehr viel Arbeit beim einrichten neuer Kunden und sehr wenig Umsatz, um diese Kosten zu decken
    Die Hoffnung bleibt, dass das neue Zahlverhalten auch post-Covid19 bestehen bleibt, dann steigen auch wieder die Gewinne

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