Blockchain als universelles Governance-System

Applikationen stecken noch in den Kinderschuhen

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Blockchain ist mehr als Kryptowährung. Sie ist ein Governance-System, das in allen Verwaltungsabläufen und Branchen funktionieren kann. Gerade durch diese Anwendungen differenziert sich der Blockchain-Platz Hamburg. Begeisterung ist angebracht – Vorsicht aber auch.

Potential von Blockchain als universelles Governance-System

Blockchain-Technologien bieten sich als universelles Governance-System für zahlreiche Anwendungen an.

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Innerhalb nur weniger Jahre hat sich Hamburg zu einem der führenden Blockchain-Plätze in Europa entwickelt. Das Jahr 2019 hatte besondere Kraft: Eine Serie von internationalen Konferenzen fand in der Hansestadt statt, Unternehmensgründungen nahmen zu, Blockchain-Bildungsanbieter öffneten ihre Tore und sogar der Senat verschrieb sich dieser Technologie.

Dieser Drive verwundert nicht, denn dem US-amerikanischen Technologieberater Gartner zufolge wird die Blockchain bis zum Jahr 2030 ein Marktvolumen von etwa 3,1 Billionen Dollar haben. Dieses Potenzial wird in der Hansestadt klar erkannt. Unternehmen wollen mit der Blockchain-Arbeit beginnen, bevor der schnelle Wachstumszyklus einsetzt, um Frühvorteile zu haben.

Blockchain als Governance-System ausbauen

Die Verbindung von Blockchain mit Bitcoin steckt fest in den Köpfen. Doch Blockchain ist mehr als Kryptowährung – sie ist eine Art Basistechnologie für Chronologie und Verifikation. Entsprechend kann mit ihr alles umgesetzt werden, was Verwaltung im weiten Sinne ist. Das haben viele Unternehmen besonders in Hamburg entdeckt. Hier wird die Technologie als Governance-System entwickelt und marktfähig gemacht.

Die Blockchain ist nämlich eine verteilte Transaktionsdatenbank. Sie wächst, indem sich ein digitaler Block an den anderen hängt. Damit hat jeder Block genau einen chronologischen Vorgänger und einen chronologischen Nachfolger. Mehr Verbindungen zwischen den Blöcken gibt es nicht, die Verknüpfungen mit dem vorangegangenen und folgenden Block sind allerdings unlösbar. Die Identifikation der Blöcke ist damit eindeutig.

Aus dieser digitalen Verkettung entsteht eine Liste, die die Werte ihrer Benutzer sowie sämtliche abgespeicherten Datensätze zu jedem Zeitpunkt dokumentiert: ein globales Transaktionsregister. Im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbanken befindet sich die Blockchain dabei nicht auf einem einzelnen Server, sondern liegt in riesiger Zahl identisch vor: Alle Knoten des Netzwerks besitzen eine vollständige, zu 100 Prozent identische Kopie der kompletten Blockchain in ihrem lokalen Speicher.

Vorteile des Governance-Systems

Die Entwicklung von Blockchain als Governance-System bietet großes Potenzial. Denn die Blockchain ist unveränderlich. Mit einem Zeitstempel werden alle aufeinander folgenden Vorgänge eindeutig und nachprüfbar dokumentiert. Die Daten der Blockchain sind bei allen Knoten identisch. Das sorgt für eine Integrität der gespeicherten Daten und macht Hackerangriffe auf das gesamte Netzwerk äußerst schwierig. Ferner lässt sich jeder Wert zweifelsfrei einem Teilnehmer zuordnen. Unklarheiten über Ansprüche an Werten sind ausgeschlossen.

Die Datenblöcke können einen beliebigen Inhalt tragen – dieser kann sowohl ein Zahlenwert als auch ein Text sein, ja sogar ein Gedicht. Durch Kryptografie gewährleistet die Technologie je nach Bedarf Nachprüfbarkeit und Transparenz oder auch Vertraulichkeit und Anonymität. Schließlich erfolgen sämtliche Transaktionen zwischen den Teilnehmern ohne Intermediäre, was Kosten und Zeit spart.

Grenzen von Blockchain

So bestechend diese Vorteile sind, man muss sich aber bewusst sein, dass die Governance-Applikationen noch in den Kinderschuhen stecken. Es wird experimentiert und entwickelt, doch einen Marktstandard gibt es nicht. Vielleicht wird es ihn nie geben, denn die Technologie hängt immer von den Anwendungen und den Teilnehmern ab. Auch wenn die Blockchain die Verwaltung und das Auditing der Governance übernehmen kann, so kann sie unmöglich die Regeln selbst machen. Mit anderen Worten: Man kann die Regeln nicht an die Technologie abtreten, sondern nur die Überprüfung ihrer Einhaltung (was nicht wenig ist). Die Technologie ist nur so zuverlässig, wie das Netzwerk es selbst ist. Netzwerke mit wenigen oder schwachen Knoten sind eben schwach. Das sollte man immer im Kopf behalten.

Technologie-inhärent ist, dass es kein „Recht auf Vergessen“ gibt. Was in der Kette steht, bleibt dort. Ferner sind auch die derzeitigen Bemühungen der Politik, sich der Blockchain anzunehmen, nicht nur positiv. Es gilt aufzupassen, dass vor dem erforderlichen Experimentieren nicht bereits reguliert wird. Innovation braucht Freiheit von Regulierung und Risiko – und zwar viel Risiko, um sich zu entfalten.

Was sind Anwendungsbeispiele für die Blockchain als Governance-System? In Hamburg stehen aktuell die folgenden im Vordergrund:

  • Elektronische Gesundheitsakte,
  • Buchhaltung, Rechnungslegung, Reporting und Auditing,
  • Produktion, Logistik und Vertrieb von elektrischem Strom,
  • Digitalisierung von Frachtpapieren,
  • Transparenz in der industriellen Lieferkette,
  • Sicherheitslösungen für additive Fertigungsfahren (3D-Druck),
  • Verkehrssteuerung,
  • Zahlungsprozesse.

Blockchain ist für die Hansestadt als klares Differenzierungsmerkmal zu werten. Ihre Anwendung als Governance-System steht hier im Vordergrund, wobei es immer noch zu forschen und ganz viel zu experimentieren gilt. Ein guter Anfang ist gelungen.


Der Beitrag erschien als Teil des Jahrbuchs 2019/20 des Vereins Finanzplatz Hamburg e.V.. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen oder als Hardcopy bestellen.

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Über den Autor

Prof. Dr. Henrique Schneider

Henrique Schneider ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Nordakademie, Hochschule der Wirtschaft. Er ist Mitglied in Aufsichtsräten von verschiedenen Versicherungen und eines Vermögensverwalters, wo er auch im Anlageausschuss tätig ist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind ökonomische Theorie, Technologie und unorthodoxe Vermögensanlagen.

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