Damit Sustainable Finance nicht nur ein Buzzwort bleibt

Banken müssen zum Klimaschutz aktiv beitragen

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Der Klimawandel darf trotz Corona-Krise politisch und medial nicht in den Hintergrund rücken. Die deutsche Selbstverpflichtung ist ein wichtiger Schritt der Finanzindustrie, einen verbindlichen Beitrag zur Bewältigung des Klimawandels zu leisten. Jetzt müssen Taten folgen.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind wichtig für Banken

Finanzinstitute müssen einen aktiven Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit leisten.

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Weltweit wurde im Frühling aufgrund der Corona-Pandemie deutlich weniger CO2 ausgestoßen. Dabei spielte vor allem das vermehrte Home Office eine große Rolle: laut der University of California in Berkeley gingen die CO2-Emissionen im Verkehr um 40 Prozent zurück. Doch eine langfristige Lösung zur Bewältigung der globalen Klimakrise bietet eine längere Umstellung auf mobiles Arbeiten sicherlich nicht. Im Gegenteil – direkt im Anschluss an die Beschränkungen im Frühling stiegen die Emissionen wieder an. Allerdings würde sich laut Klimaforschern eine langfristige Auswirkung auf die CO2-Konzentration auch dann nicht einstellen, wenn wir auf unseren niedrigeren Werten der Lockdown-Zeit verharren würden. Es muss mehr getan werden. Mit oder ohne Pandemie – wir müssen handeln.

Was uns die Corona-Krise aber bisher gezeigt hat, ist, dass wir tatsächlich etwas bewirken können, wenn wir weltweit an einem Strang ziehen. Die Umsetzung der Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens braucht nicht nur den gleichen politischen Ehrgeiz wie bei der Eindämmung der Corona-Pandemie, sondern auch die Bereitschaft aller Branchen. Für die deutsche Finanzindustrie ist die im September veröffentlichte Selbstverpflichtung ein starkes Signal und ein wichtiger Schritt hin zur Transformation der Wirtschaft um die Klimakrise zu bewältigen.

Zunehmende Bedeutung von Sustainable Finance im Finanzsektor

Bereits 2018 hat sich Standard Chartered in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen verpflichtet, Emissionen im Zusammenhang mit den Finanzierungen, die wir unseren Kunden zu Verfügung stellen, zu messen, zu steuern und letztlich zu reduzieren.

Im September haben wir bei Standard Chartered erstmalig unseren Sustainable Finance Impact Report – den Jahresbericht über die Auswirkungen auf die nachhaltige Finanzwirtschaft – veröffentlicht. Darin erläutern wir unter anderem, inwieweit unsere nachhaltigen Vermögenswerte mit den Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung übereinstimmen. Dazu gehören Darlehen für erneuerbare Energien, den Gesundheitssektor, Bildung sowie Mikrofinanz- und KMU-Kredite in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Von diesem nachhaltigen Finanzvermögen befinden sich 91 Prozent in Schwellenländern und 86 Prozent in einigen der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Das Wachstum in Schwellenländern führt zu einer schnellen Urbanisierung und schafft einen erhöhten Bedarf an Infrastruktur und Technologie. Hier kommt die Finanzbranche ins Spiel und genau hier liegt auch die Möglichkeit für die Branche, ihren Beitrag zu leisten. Denn ein investierter Dollar – oder Euro – kann je nachdem, wo und wie er eingesetzt wird, ein deutlich anderes Ergebnis erzielen.

Konkret kann der Beitrag der Finanzbranche bei der Bewältigung des Klimawandels beispielsweise so aussehen, dass Kunden beim Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft unterstützt werden. Schwellenländer sind dem größten Risiko durch den Klimawandel ausgesetzt, haben aber gleichzeitig auch die größten Chancen, den Sprung zu kohlenstoffarmen Technologien zu schaffen. Deshalb haben wir die Finanzierung und Unterstützung von sauberen Technologien und erneuerbaren Energien bis 2025 sogar auf 35 Milliarden US-Dollar erhöht.

Nachhaltigkeit muss verinnerlicht werden

Damit es nicht bei der Unterschrift auf einer Verpflichtungserklärung bleibt, muss das Bestreben, einen Beitrag zu leisten, in der Unternehmenskultur verankert und gelebt werden.  Bei Standard Chartered haben wir uns dazu verpflichtet, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den Märkten zu fördern, die wir unsere Kernmärkte nennen: Asien, der Nahe Osten und Afrika. Dabei folgen wir der Maxime „Do the right thing“.

Ein Beispiel dafür, „das Richtige zu tun“, ist unsere Verpflichtung, keine Kundenprojekte zu finanzieren, die mit der Abholzung von Wäldern in Verbindung stehen. Für uns sind die Auswirkungen der Entwaldung auf den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt klar: Wälder absorbieren und speichern Kohlenstoff in Bäumen und Böden und enthalten wichtige Pflanzen- und Tierarten. Sie zu schützen ist von größter Bedeutung. Unsere besondere Aufgabe als Finanzmarktakteur besteht nun darin, mit Kunden und Communities zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass die Umwelt, von der wir alle abhängig sind, geschützt wird.

Gleichzeitig ist auch die strenge Überwachung der Lieferketten nach ökologischen und sozialen Kriterien ein wichtiger Part in der Projektfinanzierung. In einem Sojaanbaugebiet in Brasilien finanzieren wir beispielweise nur Kunden, die sich dafür einsetzen, die Sojaernte aus einem bestimmten Anbaugebiet nachhaltig zu verarbeiten und zu handeln. Außerdem müssen alle Beteiligten in der Lieferkette nachweisen, dass sie die Region vor weiterer Waldrodung schützen. Hier kann die Bank vollständige Transparenz von ihren Kunden einfordern: Wo und wie werden die Rohstoffe bezogen und produziert? Gibt es eine verbindliche Sorgfaltspflicht gegen die Verletzung von Kinderrechten? Welche Fortschritte wurden in der Region gemacht?

Was jetzt getan werden muss

Das Interesse an nachhaltigen Investitionen hat laut einer aktuellen Studie von Standard Chartered insgesamt zwar zugenommen, wird in absehbarer Zeit aber wohl noch nicht zum Mainstream. Damit Sustainable Finance aber kein Buzzword für die Fachwelt auf Kongressen bleibt, liegt es jetzt an der Finanzbranche, Anlegern den Nutzen von nachhaltigen Investitionen nahezubringen.

Viele Anleger wissen noch gar nicht, was sich hinter Sustainable Investing verbirgt und welche Wirkung die Anlage eines Vermögens haben kann. Auch hier müssen wir zeigen, dass Anleger ein positives, nachhaltiges Wirtschaftswachstum ermöglichen und gleichzeitig Renditen erzielen können. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kunden die verschiedenen Aspekte des nachhaltigen Investierens durch Aufklärung besser verstehen und maßgeschneiderte Lösungen finden, die sowohl ihre Investitions- als auch ihre Wirkungsbedürfnisse erfüllen.

Genau hier setzt die Selbstverpflichtung in Deutschland an. Wir haben sicherlich noch viel Arbeit vor uns, sehen aber bereits jetzt eine verstärkte Diskussion in Deutschland zu unserer gemeinsamen gesellschaftlichen Verantwortung als Finanzmarktakteure. Wir müssen uns als Branche darüber bewusstwerden, dass wir durch unser Handeln nicht nur zum Wirtschaftswachstum, sondern auch zu einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung und  zur Schaffung von Arbeitsplätzen beizutragen.

Natürlich ist eine Pandemie ein Thema, bei dem erst einmal alles andere in den Hintergrund rückt. Auch bei der Corona-Krise werden die Auswirkungen erst mit einer zeitlichen Verzögerung sichtbar. „Die Infektionen von heute sind dann die Intensivpatienten mehrere Wochen später, die Treibhausgase von heute wirken noch Jahrzehnte in der Atmosphäre“, sagt Sabine Gabrysch, Professorin für Klimawandel und Gesundheit im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Deshalb muss die Finanzbranche ihren Teil leisten, damit es für diejenigen, die der Klimawandel am Härtesten treffen wird, nicht zu spät ist. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, was möglich ist, wenn wir gemeinsam handeln und dabei ehrgeizig vorgehen. Auch beim Klimawandel müssen jetzt Taten folgen.

Über den Autor

Heinz Hilger

Heinz Hilger ist CEO der Standard Chartered Bank AG mit Sitz in Frankfurt, die in Vorbereitung auf den Brexit zur Europazentale der Standard Chartered PLC ausgebaut wurde und Ende 2018 von der Bafin die deutsche Banklizenz erhielt. Zuvor leitete er die deutsche Niederlassung und das Geschäft mit Corporate und Institutional Clients in der DACH-Region. Zuvor war er u.a. in leitenden Positionen für die Bank of America und JP Morgan tätig.

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