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Banken tun sich schwer mit digitalen Ökosystemen

Innovation versus Compliance

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Eine Studie zeigt: Das Geschäftsmodell von Banken verändert sich grundlegend. Das Banking der Zukunft wird unsichtbarer, vernetzter, erkenntnisorientierter und sinnstiftender sein müssen als in der Vergangenheit. Banken müssen handeln!

Aktuelle Trends, Studien und Research zur Digitalsierung im Bereich Finanzdienstleistung

Der Trend zur Digitalisierung hat unseren Alltag und die Unternehmenswelt nachhaltig verändert. Banken und Sparkassen werden später als andere Branchen erfasst, aber nicht weniger heftig. Im Bank Blog finden Sie aktuelle Studien zu diesem wichtigen Thema.

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In den letzten Monaten hat der Bankensektor seine eigene digitale Transformation stark beschleunigt. Dies war sowohl eine Reaktion auf die Corona-Pandemie als auch auf die neuen Standards, die Onlinebanken und FinTechs in der Interaktion mit Kunden gesetzt haben.

Digital aufgewachsene Kunden fordern Banken jedoch weiterhin heraus. Open Banking und Open Finance sind wichtige Treiber, völlig neue Geschäftsmodelle und innovative Finanzdienstleistungen zu entwickeln. Um all diese Kräfte, die weltweit auf Banken wirken, zu beherrschen, braucht es ein ökosystembasiertes Geschäftsmodell mit starken und vertrauensvollen Partnern. Digitale Transformation ist schon lange keine Option mehr, sondern Pflicht.

Im Auftrag von Sopra Steria hat das Marktforschungsunternehmen Forrester weltweit 760 Entscheiderinnen und Entscheider von Banken zu aktuellen Prioritäten und Trends in der Branche befragt und ergänzend zehn Interviews mit Führungskräften von Unternehmen geführt, die mit Banken direkt zusammenarbeiten und ihnen dabei helfen, beispielsweise neue Produkte oder Services anzubieten. Die Studie bietet einen umfassenden Überblick über den digitalen Reifegrad der Banken und ihre Innovationsagenda für die kommenden Jahre.

Banken noch nicht bereit für ökosystembasiertes Geschäftsmodell

Drei zentrale Ergebnisse der Studie lauten:

  • Nur wenige Banken sind bereit für ein ökosystembasiertes Geschäftsmodell. Nur zwölf Prozent der Befragten sind der Auffassung, ihr Institut hat eine passende Vision und die Fähigkeit, mit Partnern in einem Ökosystem zusammenzuarbeiten.
  • Sicherheit, Integration und Zusammenarbeit sind die zentralen Hürden für eine digitale Transformation und den Aufbau solcher Ökosysteme.
  • Vielen Banken ist bewusst, dass sie nicht sämtliche Technologien stemmen und nicht jede Lösung selbst umsetzen können. Sie sind daher auf der Suche nach Partnern, die sie bei der Einführung von Technologien und dem Aufbau von Expertise zu beispielsweise im Bereich des Mobilfunkstandards 5G oder auch beim Quantencomputing unterstützen.

Etablierte Banken sehen sich gut aufgestellt

Führungskräfte etablierter Banken schätzen ihre digitalen Fähigkeiten im Durchschnitt höher ein als die der digitalen Banken, und zwar in allen Bereichen. Die Ausnahme bildet die Kreditvergabe: auf diesem Gebiet geben sich mehr digitale Banken als Traditionsinstitute Bestnoten für ihre digitalen Prozesse.

Auf die Frage nach ihren Fähigkeiten, Kunden zu begeistern, ergab die Umfrage, dass 70 Prozent der traditionellen Banken ihre Fähigkeiten als gut oder ausgezeichnet bewerten. Dagegen betrachten sich 67 Prozent der Digitalbanken als exzellente „Kundenbegeisterer“. Nach Meinung der Studienautoren überschätzen Banken ihre Fähigkeiten in Bereichen wie dem Kundenerlebnis aber unterschätzen die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, wenn sich der Markt in Richtung einer ökosystemorientierten Zusammenarbeit verschiebt.

Innovationen haben Priorität – nur nicht in Deutschland

Die Studie zeigt weiterhin, dass bei 72 Prozent der Banken weltweit die Fähigkeit zur Innovation und die Verbesserung digitaler Produkte und Dienstleistungen an erster Stelle steht. 85 Prozent planen, in neue Technologien zu investieren. Das Internet der Dinge (85 Prozent), Künstliche Intelligenz (87 Prozent) und Datensicherheit (88 Prozent) werden als die kommenden großen Investitionsfelder angesehen. Ein Ergebnis, das für digitale und traditionelle Banken gleichermaßen zutrifft.

In Deutschland setzen Entscheider im Vergleich zum internationalen Durchschnitt andere Prioritäten. Bei 82 Prozent der Traditionsinstitute steht das Senken von Kosten ganz oben auf der Agenda, im Vergleich zu 65 Prozent weltweit. Ähnlich wichtig sind die Umsetzung regulatorischer Vorgaben sowie Effizienz- und Produktivitätsinitiativen. Anders die so genannten Herausfordererbanken: Sie setzen voll auf ihre Innovationsfähigkeit. Sie wollen Angebote verbessern und so ihre Relevanz im lokalen Bankenmarkt steigern. Digitalbanken nutzen zudem Corporate Social Responsibility als strategisches Instrument, das Vertrauen der Kunden zu stärken.

Herausforderungen digitaler Ökosysteme

In dem Maße, wie sich Technologien weiterentwickeln, gewinnen Partner und die Zusammenarbeit mit ihnen signifikant an Bedeutung: vom Know-how-Aufbau bis zur Integration neuer Technologien.

Die Bedürfnisse der Banken unterscheiden sich auf diesem Gebiet: für traditionelle Banken steht die Unterstützung bei Sicherheits- und Compliance-Fragen im Fokus (67 Prozent). Digitale Banken suchen vor allem Partner, die ihnen Komfort in Form sofort einsatzbereiter Lösungen (65 Prozent) bieten, Cloud-basierte Dienste (64 %) zur Verfügung stellen und den Zugang zu Open Finance (63 Prozent) öffnen.

Open Banking ist für 72 Prozent der befragten Führungskräfte ein Wachstumstreiber mit Priorität. Alle Akteure sind sich allerdings einig, dass sie die Erträge auf dem Gebiet nicht im Alleingang erwirtschaften, sondern auf ihr Partner-Ökosystem angewiesen sind. 67 Prozent von ihnen planen, die Open-Finance-APIs für den Entwicklerbedarf ganz oder teilweise auszulagern. Darüber hinaus planen 62 Prozent der Banken, ihre Open-Banking-Compliance-Prozesse an Partner abzugeben.

Obwohl die meisten Institute die Bedeutung erkannt hätten, konstatieren sie Schwierigkeiten bei der Entwicklung ökosystembasierter Geschäftsmodelle. Die größten Herausforderungen sind die Informationssicherheit und das Datenmanagement.

Weitere Probleme liegen in der Einholung der Zustimmung der Kunden, die Integration bestehender Technologien und die Einbeziehung neuer Dienste auf skalierbare und effektive Weise. Die fehlende Kompetenz, diese Schwierigkeiten zu meistern, schadet der Bedeutung der Banken in den Ökosystemen der Kunden.

Sicherheit als zentrale Herausforderung

Datensicherheit, Cybersicherheit und Informationsaustausch gehören sowohl für digitale als auch für traditionelle Banken zu den wichtigsten Aufgaben. 40 Prozent der traditionellen Banken und 38 Prozent der digitalen Banken sehen die Datensicherheit als die größte Herausforderung an, ebenso wie Cybersicherheit. Ein Drittel der Banken will ihre Datensicherheit verstärken – allerdings gibt es regionale Unterschiede: 19 Prozent in Europa, 63 Prozent in Nordamerika und 47 Prozent in Asien. Zudem hat das Thema einen größeren Stellenwert bei Banken mit einem hohen digitalen Reifegrad (52 Prozent).

Sicherheit hat somit für alle Akteure eine Priorität, die jedoch nicht ohne Hilfe von außen angegangen werden kann. Wenn die Banken die Kontrolle über digitale Technologien behalten wollen, suchen sie nach Anbietern in allen Bereichen der neuen Technologien, um Sicherheitsfragen gemeinsam anzugehen.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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