Warum Banken mehr Querdenker brauchen

Mehr Erfolg in der VUCA-Welt der Veränderung

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Querdenken hat nichts mit Corona-Verleugnung zu tun, aber viel mit Kreativität, Innovation und dem Aufbrechen bestehender Strukturen und Kulturen. Gerade in Zeiten der Veränderung können Querdenker – nicht nur für Banken – ausgesprochen wertvoll sein.

Übertriebene Konformität ist der Feind von neuem

Übertriebene Konformität ist der Feind von neuem.

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Wir erleben immer wieder, dass kleine Minderheiten und Randgruppen versuchen, bestimmte Begriffe zu eigenen Zwecken zu instrumentalisieren, um damit Stimmungen zu machen. Das führt unweigerlich dazu, dass diese Begriffe zu Bewertungen und Assoziationen führen, die in der Regel wenig mit ihrem eigentlichen Ursprung zu tun haben.

Einer dieser Begriffe ist „Querdenken“. Die im Zuge der Corona-Pandemie veranstalteten sogenannten „Querdenker-Demonstrationen“ werden – wie so oft – von vielen Medien aufgegriffen und deren Aufmerksamkeit in einer Art und Weise gesteigert, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Bedeutung dieser kleinen Minderheit von irrationalen Spinnern, notorischen Impfgegnern und rechten Chaoten steht.

In der Folge verbinden immer breitere Bevölkerungsschichten den Begriff des Querdenkens mit negativen Assoziationen und in der Folge mit einer Ablehnung. Schnell wird aus einem Querdenker ein Querulant oder Querkopf. Und dies vor dem Hintergrund, dass Querdenker in den meisten Unternehmen ohnehin schon immer einen schweren Stand hatten und haben.

Risikovermeidung und Querdenken

Risikovermeidung ist ein wichtiger Grundsatz und tief in der Unternehmenskultur von Banken und Sparkassen verankert. Das Problem: Überträgt man ihn auf andere Bereiche als Kredite und Wertpapiere, dann hemmt dies Kreativität, Ideen und Innovation.

Es wird zwar viel vom mündigen Mitarbeiter gesprochen, der zur Kritik ermuntert werden, die Praxis indes war lange Zeit eine andere. Über viele Jahrzehnte suchten die meisten deutschen Institute für ihre Führungspositionen nach leistungswilligen, aber angepassten Mitarbeitern. Diese stellen kein Risiko dar, versprechen Beständigkeit und ein hohes Maß an Zuverlässigkeit.

Kreative und innovative Mitarbeiter wurden oft ausgebremst. Das führt auf Dauer unweigerlich zur Anpassung oder zum Abgang in andere Branchen. Die Folgen sind Durchschnitt statt Spitzenleistungen, Verharrung statt Agilität und Langeweile statt Innovation.

Die Stunde der Nonkonformisten

Standards und festgelegte Regeln sind seit jeder wichtig für Kreditinstitute, genauso wie auch Kontinuität und Struktur. Nun leben wir aber in einer Welt, in der Beständigkeit gerade kein kennzeichnendes Merkmal der bestehenden Herausforderungen ist. Die VUCA-Welt von heute beschert uns Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Routine, Planbarkeit und gleichbleibende Kundenbedarfe waren gestern. Zunehmender Anpassungsdruck durch neue Wettbewerber wie FinTechs und BigTechs stellt den Status quo in Frage und es gilt, vorherrschende Mehrheitsmeinungen kritisch zu hinterfragen.

Die neuen Herausforderungen erfordern auch neue Kompetenzen bei Mitarbeitern und Führungskräften. Freigeister, Nonkonformisten oder eben Querdenker sind gefragt.

30 Merkmale und Eigenschaften von Querdenkern

Querdenker …

  1. sind es gewohnt, mit festgefahrenen Strukturen umzugehen;
  2. bringen neues Wissen ein;
  3. gehen unvoreingenommen an Aufgaben und Projekte heran;
  4. entwerfen neue Strategien und Herangehensweisen;
  5. sind intrinsisch motiviert;
  6. sind frei von Betriebs- oder Branchenblindheit;
  7. hinterfragen statt abzunicken;
  8. rütteln wach;
  9. sorgen mit neuen Ideen für frischen Wind;
  10. suchen nach Lösungen, nicht nach Problemen;
  11. verfolgen andere Denkansätze, die von klassischen, konventionellen Wegen abweichen;
  12. gehen nicht den bekannten, geraden Weg;
  13. denken um die Ecke und gehen unkonventionell vor;
  14. sind Gegenwind gewohnt;
  15. sorgen für Innovationen;
  16. beseitigen oder umgehen vorhandene Schwächen;
  17. brechen vorhandene Strukturen und Muster auf;
  18. bringen mentale Intelligenz ein;
  19. inspirieren ihr Umfeld;
  20. stimulieren die Unternehmenskultur;
  21. lösen neue Denkweisen aus;
  22. leisten einen Beitrag zur Zukunftssicherung;
  23. sind bereit zum Kampf gegen Windmühlen;
  24. sind keine Querulanten;
  25. lieben Unabhängigkeit;
  26. stören zuweilen die Routine;
  27. erzeugen Schmerzen;
  28. sind hartnäckig;
  29. sind unbequem und lästig;
  30. werden zunehmend wichtiger.

Voraussetzungen für erfolgreiches Querdenken

Querdenken braucht Überzeugung und den Willen, diese mit Durchhaltevermögen umzusetzen. Es gehört aber auch eine gehörige Portion Mut dazu, unbequem zu sein und der allgemeinen Meinung zu widersprechen. Sturheit und ein dickes Fell sind hilfreich, denn Widerstand ist Querdenkern gewiss. Sie benötigen daher auch Glaubwürdigkeit und soziale Kompetenz, damit ihre Initiativen gehört und umgesetzt werden.

Querdenker zuzulassen braucht den Willen hinzuhören und auszuprobieren. Verbunden mit passenden Rahmenbedingungen und einer aktiven Auseinandersetzung stellen Querdenker eine große Chance für Unternehmen dar und können Unternehmen echten Mehrwert bringen. Sie tragen dazu bei, das vorhandene Wissen ständig zu erweitern und sich an ständig veränderte Marktbedingungen anzupassen.

Querdenken muss gewollt sein

Gerade in Zeiten der Veränderung sind Querdenker wichtig für Unternehmen und Gesellschaft. Es gilt daher zu verhindern, dass eine unheilvolle Minderheit den Begriff für sich kapert.

Kein Unternehmen braucht allerdings ausschließlich Querdenker. Das Immunsystem einer Organisation reagiert in der Regel heftig auf sie. Veränderungen erzeugen Emotionen zwischen Begeisterung und Angst und damit Reaktionen zwischen Euphorie, Lähmung und Widerstand. Wie bei vielen Dingen ist es die Dosis, die entscheidet ob etwas zerstörerisch oder gesundheitsfördernd wirkt.

Querdenken muss ein Unternehmen aushalten können. Querdenker müssen vom Top Management deshalb nicht nur geduldet sondern ausdrücklich gewollt sein. Als Alibi-Veranstaltung taugen sie nicht.

Gerade Banken und Sparkassen benötigen neue Strategien für die VUCA-Welt. Dafür gilt es, konstruktive Nonkonformisten zu fördern und ihnen den Raum zu geben, den sie benötigen, um Gruppendenken, konventionelle Antworten und lineares Denken zu durchbrechen. Gelingt dies, können Sie einen Unterschied machen und einen essentiellen Beitrag zur (digitalen) Transformation leisten.

Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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