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Mobiles Bezahlen hat in Deutschland noch sehr viel Potential

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Interview mit Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret (3)

Andreas Dombret – Vorstandsmitglied Deutsche Bundesbank

Dr. Andreas Dombret ist Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bundesbank

Im dritten Teil des ausführlichen Bank Blog Interviews mit Bundesbank Vorstand Andreas Dombret geht es u.a. um die Auswirkungen neuer Technologien auf Arbeit und Gesellschaft und um die Zukunft von Geld und Bezahlen.

Bundesbank-Vorstand Dr. Andreas Dombret hat dem Bank Blog ein exklusives Interview gegeben. Im ersten Teil ging es um die Vertrauenskrise, die Belastungen durch Niedrigzinsphase und Regulierung und der Frage nach der Tragfähigkeit der aktuellen Geschäftsmodelle sowie der Zukunft der Bankfiliale. Im zweiten Teil standen Fragen der Digitalisierung, FinTech und neue Technologien im Mittelpunkt. Im heutigen dritten und abschließenden Teil geht es um die Auswirkungen neuer Technologien auf Arbeit und Gesellschaft und um die Zukunft von Geld und Bezahlen.

Auswirkungen neuer Technologien auf Arbeit und Gesellschaft

Der Bank Blog: Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die im Zuge der Verbreitung neuer Technologien vor gesellschaftlichen Risiken, wie einem massiven Verlust an Arbeitsplätzen und Wohlstand warnen. Wie beurteilen Sie diese Aussichten?

Andreas Dombret: Es gibt ebenso Prognosen, die ein größeres Maß an neu geschaffenen Arbeitsplätzen und Wohlstandszugewinne vorhersagen. Weil die zukünftige Entwicklung allein im Finanzsektor von sehr vielen Facetten abhängig ist, werde ich hierzu keine Mutmaßungen äußern. Über eine Kristallkugel verfüge ich bekanntlich leider nicht.

Der Bank Blog: In der Folge wird der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen durch den Staat lauter. Selbst Mario Draghi fand die Idee des „Helikoptergeldes“ – wenn auch in anderem Kontext – interessant. Wie beurteilen Sie das Konzept? Wird die EZB oder der Staat in einigen Jahren jedem Bürger der EU monatlich Geld überweisen?

Andreas Dombret: Zunächst einmal ist festzuhalten, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen etwas anderes ist als Helikoptergeld. Und es wäre nicht Sache der Geldpolitik, ein solches Grundeinkommen zu finanzieren. „Helikoptergeld“ ist meiner Meinung nach in erster Linie ein Thema wissenschaftlicher Diskussionen. Im Instrumentenkasten der Geldpolitik aber ist es keine relevante Option. Es würde uns in einen Grenzbereich führen, in dem es keine klare Trennung mehr zwischen der Geldpolitik und der Fiskalpolitik gibt. Vertrauen in die Geldpolitik schafft man damit nicht, denn diese Trennung ist für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik äußerst wichtig.

Bargeld erfreut sich einer hohen Akzeptanz

Der Bank Blog: Im Gegensatz zu anderen Ländern scheinen wir Deutschen uns ja am Bargeld geradezu festzuklammern. Worauf führen Sie diese hohe Bargeld-Affinität zurück?

Andreas Dombret: In Deutschland wird im internationalen Vergleich gerne und häufig mit Bargeld bezahlt. Im Jahr 2014 wurden einer repräsentativen Studie der Bundesbank zufolge 53 Prozent der Umsätze an der Ladenkasse bar bezahlt. Bei etwa vier von fünf Bezahlvorgängen wurde zu Bargeld gegriffen. Damit ist die Barzahlungsquote in Deutschland deutlich höher als in anderen Ländern, wie z.B. in Schweden, in den USA oder auch in unseren Nachbarländern Frankreich und den Niederlanden. Es gibt aber durchaus auch Länder, in denen ebenso häufig Bargeld verwendet wird wie in Deutschland, beispielsweise in Österreich.

Das liegt daran, dass sowohl die Präferenzen der Konsumenten wie auch institutionelle, kulturelle und demografische Faktoren in verschiedenen Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind. Bargeld wird von den deutschen Konsumenten als einfaches, schnelles, bequemes und sicheres Zahlungsmittel wahrgenommen. Zudem erfreut sich Bargeld einer hohen Akzeptanz. Viele Menschen in Deutschland verwenden Bargeld als einfaches Mittel zur Ausgabenkontrolle.

Trotz dieser Affinität der Deutschen zum Bargeld nimmt dessen Nutzung im Trend schon recht lange kontinuierlich ab, nur eben bisher nicht in dem Ausmaß, wie wir es in anderen Ländern beobachten konnten. So haben die Infrastruktur und die vom Handel akzeptierten Zahlungsmöglichkeiten noch Nachholbedarf; u. a. gibt es in Deutschland deutlich weniger Kartenterminals am Point-of-Sale als in anderen Ländern. Oftmals ist es in Deutschland in kleineren Geschäften wie Bäckereien oder Cafés noch nicht möglich, bargeldlos zu zahlen. Zudem sind in Deutschland Kartenbonussysteme und Marketingaktionen von Kartenanbietern, Banken oder Einzelhändlern für die Nutzung unbarer Zahlungsmittel weniger verbreitet. Welche Zahlungsmittel von Händlern akzeptiert werden, wird unter anderem von deren Kosten – z.B. die Kosten pro Kartentransaktion, Anschaffungs- oder Mietkosten für Terminals, aber auch Kosten der Bargeldver- und -entsorgung – bestimmt.

Mobile Payment im Trend

Mobile Payment liegt im Trend und wird sich schneller verbreiten als noch vor kurzem gedacht.
© Shutterstock

Mobiles Bezahlen hat in Deutschland noch sehr viel Potential

Der Bank Blog: Unabhängig von der Bargelddiskussion, ab wann wird Mobiles Bezahlen in Deutschland ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor sein und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden?

Andreas Dombret: Der Durchbruch von Mobile Payments wird schon seit geraumer Zeit prophezeit. Doch bislang fristen Mobile Payments – zumindest in Deutschland – weiterhin ein Nischendasein. Es gibt jedoch einige Faktoren und Entwicklungen, die hieran etwas ändern dürften.

Erstens, viele Mobile-Payments-Lösungen greifen für die Datenübertragung auf die NFC-Technologie zurück, die auch für das kontaktlose Bezahlen mit Karte genutzt wird. Die Terminals an den Ladenkassen sind immer häufiger in der Lage, kontaktlose Bezahlungen zu akzeptieren.

Zweitens, testen derzeit einige Kreditinstitute in enger Zusammenarbeit mit den Mobilfunkanbietern Möglichkeiten, die girocard in das Handy zu integrieren und damit für das kontaktlose Bezahlen an der Ladenkasse fit zu machen. Die girocard – ehemals EC-Karte – ist das in Deutschland am häufigsten genutzte bargeldlose Zahlungsinstrument. Sollte diese virtuell im Smartphone hinterlegt werden können, dürfte dies die Attraktivität von Mobile Payments für Verbraucher deutlich erhöhen. Hiervon versprechen sich Viele einen Durchbruch.

Drittens, erste Anbieter von Rabattprogrammen, die sowohl im Einzelhandel als auch im Onlinehandel genutzt werden können, bieten nun auch Zahlungsfunktionen in ihren Smartphone-Apps zum Bezahlen im stationären Handel an. Derartige Angebote könnten Verbrauchern einen echten Mehrwert gegenüber „normalen“ Bezahllösungen bieten.

Viertens, dürfte die Entwicklung von Instant Payments – bargeldlosen Echtzeitzahlungen – auch das Bezahlen mit dem Smartphone fördern. Denn eine wesentliche Anwendung für Instant Payments werden sicherlich sogenannte P2P-Zahlungen, also mit dem Smartphone von Person-zu-Person sein. Statt die IBAN einzugeben, kann dann über den Kontakt Telefon in Echtzeit Geld verschickt werden.

Wann es zu einem wirklichen Durchbruch kommen wird, kann ich Ihnen jedoch nicht mit Gewissheit sagen. Aber ich bin zuversichtlich, dass mobiles Bezahlen in Deutschland noch lange nicht seinen Zenit erreicht in noch sehr viel Potential hat.

Der Bank Blog: Herr Kemmer vom Bankenverband meinte, dass wir In 20 Jahren vielleicht zum Mars fliegen, es aber immer noch Bargeld geben wird. Was meinen Sie?

Andreas Dombret: Nach meiner Überzeugung wird sich die Entwicklung hin zu bargeldlosen Zahlungsmitteln – d. h. auch eine geringere Nutzung von Bargeld – hierzulande weiter beschleunigen, und zwar deutlicher, als Viele heute noch vermuten. Wir mögen heute gegenüber anderen Ländern hinterherhinken; aber auch in Deutschland werden die Innovationen z. B. aus dem FinTech-Bereich an Attraktivität gewinnen. Sie haben mich eben schon zu den Möglichkeiten des Mobile Payments befragt – ganz besonders ist hier die Nutzung von Smartphones zu erwähnen: Wenn z. B. der Kunde das Handy, dass er sowieso schon in der Kassenschlange zum Zeitvertreib aus der Tasche gezogen hat, nun lediglich an das Kassenterminal halten muss, um die Transaktion zu vollziehen, warum sollte das den Kunden nicht ansprechen? Glauben Sie mir, das Potential ist sehr, sehr bedeutend.

Wie hoch die Barzahlungsquoten in 20 Jahren sein werden, hängt von vielen Faktoren ab, die sich seriös derzeit kaum prognostizieren lassen: Die zukünftige Bedeutung des Onlinehandels, die Dichte an Terminals für unbare Zahlungen oder die Etablierung von Instant Payments – also Echtzeitzahlungen –, um nur einige zu nennen. Nicht zuletzt können auch Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel die Einführung einer Barzahlungsobergrenze, Einfluss auf die Bargeldverwendung haben.

Natürlich wird es weiterhin Bargeld geben: Zwar werden bei Innovationen schnell Stimmen laut, die dem Bargeld das Ende prophezeien, aber das wird nicht eintreten. Ich gehe aber davon aus, dass sich das Verhältnis mittel- bis langfristig deutlich zugunsten der unbaren Zahlungsmittel verschieben wird.

Bankwechsel wird einfacher

Die Europäische Union und einige FinTech-Startups versprechen, den Wechsel der Bankverbindung für Kunden deutlich zu erleichtern
© Shutterstock

Kein sofortiger Ansturm wechselwilliger Kunden

Der Bank Blog: Im September 2016 tritt die neue Richtlinie über Zahlungsdienste in Kraft. Diese soll nicht nur den Vergleich von Kontogebühren transparenter machen, sondern ausdrücklich auch den Kontowechsel vereinfachen. Welche Veränderungen im Markt erwarten Sie in der Folge? Werden Banken und Sparkassen sich jetzt einen Ansturm von wechselwilligen Kunden gegenüber sehen?

Andreas Dombret: Ich gehe erst einmal nicht von einem sofortigen Ansturm wechselwilliger Kunden aus. Denn Vertrauen spielt unverändert eine große Rolle und begünstigt eine langfristigere Kundenbeziehung. Aber in der Zukunft dürfte der Wechselwille steigen. Die Vereinfachungen durch das Zahlungskontengesetz spielen dabei sicherlich eine Rolle, weil sie die Transparenz im Markt erhöhen und den Wechsel bequemer machen. Hinzu kommt aber auch, dass sich der Wettbewerb zwischen den Anbietern – auch dank neuer, innovativer Marktakteure wie FinTechs – nachhaltig verändert hat. Und durch Video-Legitimitation ist heute die Möglichkeit für eine sehr schnelle Kontoeröffnung gegeben. Digitalisierung ermöglicht darüber hinaus auch, differenziertere und auf individuellere Bedürfnisse zugeschnittene Angebote zu schaffen. Je attraktiver und bunter das Angebot von Banken, Sparkassen und anderen Anbietern ist, umso größer wird die Wechseldynamik. Profitieren wird in jedem Fall der Kunde.

Der Bank Blog: Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch!

Das vollständige Interview können Sie auch als PDF Dokument lesen. Nutzen Sie dazu einfach den Laterpay Kaufprozess.

Interview mit Dr. Andreas Dombret

Vollständiges Interview mit Bundesbankvorstand Dr. Andreas Dombret

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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