Alles gesagt?

Plädoyer für eine bargeldlose Zukunft

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Ist unsere Zukunft bargeldlos? Jean-Paul Gallus – Experte für Cashless Payments – ist davon überzeugt und legt seine Argumente fundiert und stimmig dar. Doch nicht alle im Auditorium scheinen restlos überzeugt zu sein.

Wird Bargeld demnächst abgeschafft?

Bargeld verboten! Ein neuer Trend?

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Jean-Paul Gallus war ein begnadeter Redner. Und ein ausgewiesener Experte zum Thema Cashless Payments. Kein Wunder also, dass er als Keynote-Speaker in der heimischen Bankenbranche gut zu tun hatte.

Egal ob Norden oder Süden, ob kleine Raiffeisen- oder Volksbank oder große Kommerzbank – alle suchten sie seinen Rat und luden Jean-Paul gerne und oft ein, um über eines der größten Mirakel unserer Zeit zu sprechen:

Bargeld abschaffen?!

Warum wir heutzutage, auch angesichts der Pandemie, noch immer am Tropf des Bargeldes hängen. Gut, die bargeldlosen Zahlungen haben dramatisch zugenommen, aber im Vergleich mit den nordischen Ländern hinken wir jedenfalls deutlich hinterher.

Jean-Paul Gallus, ein Freidenker wie er nun einmal war, ist Verfechter einer revolutionären Entwicklung. Das Bargeld abschaffen, die Umstellung auf digitales Geld vorantreiben und so die Kosten für das Cash-Handling innerhalb kürzester Zeit gegen Null zu bringen. Eine Position, die auch viele Notenbanken vertreten. Jean-Paul konnte also sicher sein, mit seiner Meinung nicht allein dazustehen.

Trotzdem gab es auch gegensätzliche Positionen, die es zu bedenken galt. Der „gläserne Mensch“ war vielen Kritikern der „Cashless Society“ ein Dorn im Auge, ebenso wie die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung des Individuums an sich. Würde der Staat zu viel Macht anhäufen, wenn nur noch Buchgeld zur Verfügung stünde?

Dem bargeldlosen Bezahlen gehört die Zukunft

Gallus blickte souverän in die Runde, die er an diesem Abend mit seiner Expertise erhellen durfte. Der Festsaal des Kreditinstitutes, welches ihn für heute als Star-Redner gebucht hatte, war gut besucht. In den vorderen Reihen saßen das Top-Management der Bank und die Musterschüler der Firma, die ihn schon während seines Vortrages mit geschickten Nachfragen aus der Reserve zu locken versuchten. Es hatte ein wenig den Anschein, als würden die Wortmeldungen und Zwischenfragen eher dem Zweck dienen, durch investigatives Nachhaken dem Management aufzufallen, als wirklich zum Thema etwas beizutragen. Fragen wie „Sie sind also für bargeldloses Bezahlen?“ waren wohl nicht sehr hintergründig gemeint, wenn der Titel des Vortrages „Das Ende des Bargeldes – nicht ob, sondern wann!“ lautete.

Also schmunzelte Gallus höflich ob der kurzen Unterbrechungen, gab kluge Antworten wie „Aber ja, absolut!“ und „Da kann ich Ihnen nur voll und ganz zustimmen!“ und setzte seine Rede nach Plan fort.

Mit glasklaren Botschaften, die bei niemandem einen Zweifel an der Position des Vortragenden aufkommen lassen würden:

  • Das Bargeldvolumen würde sich drastisch verringern
  • Die Wirtschaft würde davon durch niedrigere Kosten und höhere Sicherheit profitieren
  • Dem bargeldlosen Bezahlen gehört die Zukunft
  • Die Konsumenten sind ebenfalls Gewinner – Effizienzgewinne im Handel können an die Endkunden weitergegeben werden

Gallus arbeitete die einzelnen Punkte virtuos ab, untermauerte sie mit Fakten und Studien und war glasklar in seinen Aussagen. Doch auch das schönste Referat ist einmal zu Ende und dann kommt es, wie es kommen muss: der Redner eröffnete den Reigen der Fragen.

Fragen über Fragen

Nun mag man meinen, dass es zu einer zivilisierten Diskussionskultur gehört, auch gegensätzlichen Meinungen, Einwänden und Bedenken eine Bühne zu geben. Meist ist dies auch der Fall. Andererseits deuten manche Fragen auch darauf hin, dass die fragende Person entweder nicht die ganze Zeit anwesend war, oder die Inhalte nicht ganz verstanden hat. Oder beides.

Die Vielzahl der blitzartig nach oben schießenden Hände – die Anzeige dringender Wortmeldungen sozusagen – ließ Jean-Paul wohlig schaudern. Da hatten wohl einige Zuhörer Diskussionsbedarf.

Ohne aufgefordert worden zu sein, legte auch der erste Handhochheber schon los!

„Paul Breitfeld, Abteilungsleiter für Produktentwicklung Cards & Payments!“ Nervös wanderte der Blick des Fragenden zu den Reihen des Top-Managements um zu prüfen, ob man von seiner Wortmeldung dort auch gehörig Notiz genommen hatte.

Was der Fall gewesen zu sein schien.

„Sie sind also der Meinung, dass dem bargeldlosen Bezahlen die Zukunft gehört?“, fragte Breitfeld mit Verve und leicht zitternder Stimme.

„Ja!“, antwortete Gallus fest, „Wie ich auch ausführlich dargelegt habe, scheint mir das die logische Schlussfolgerung der aktuellen Entwicklungen.“

„Aber ist es nicht so?“, meldete sich eine Dame aus der ersten Reihe, „dass man auch die Vorteile von cashless payments in einem größeren Kontext sehen muss? Beatrice Sacharin, Leiterin Cash Management!“

„Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass die gesamte Volkswirtschaft durch die Verringerung des Bargeldumlaufes profitieren würde.“, meinte Jean-Paul freundlich.

„Sie sind also pro Bargeld?“, fragte ein Herr aus der dritten Reihe nach, um noch rasch seine Personaldaten mitzuteilen. „Jochen Seiffert, Teamleiter Logistik!“

„Äh!“, Jean-Paul riss sich am Riemen und dachte an die Brötchen im vor ihm aufgebauten Buffet. „Wie ich bereits ausführte, denke ich, dass dem bargeldlosen Bezahlen die Zukunft gehört!“

„Ist das jetzt ein Ja oder eine Nein?“, fragte Jochen investigativ nach.

„Ein Nein, mein Herr!“

„Wollen Sie damit andeuten, dass Bargeld in der Zukunft an Bedeutung verlieren wird? Susanne Böhmer, Head of Compliance.“

„Hmmm. Meine Antwort lautet: Ja!“ Gallus kamen erste Zweifel, ob sein Vortrag wirklich für alle verständlich war.

„Aber denken Sie nicht, dass Cash im Handling viel zu umständlich ist? Und zu teuer? Torben Marcho, Advisor to the Board.“, warf ein älterer Herr aus der ersten Reihe ein.

Und da war es Jean-Paul Gallus klar: es war zwar schon alles gesagt worden, aber noch nicht von jedem!

Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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