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33 Hinweise, dass Ihre Bank die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat

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Ist Ihre Bank auf dem richtigen Weg?

Eine Checkliste ob ihre Bank zukunftsorientiert ist

Hat Ihre Bank "verstanden"?

Viele Banken leben noch immer im Gefühl einer vermeintlichen Stärke. Und das obwohl sich nicht nur die Welt sondern auch der Bankenmarkt verändert hat. Ist Ihre Bank auf dem richtigen Weg?

Hintergrund

Im vom mir sehr geschätzten Bank Channel Blog war neulich der spannende Artikel „31 Signs Your Bank Just Doesn’t Get ‘It’“ zu lesen. Mit freundlicher Genehmigung des Autors präsentiere ich Ihnen hier eine ergänzte Übersetzung an.

In der Tat haben viele Banken immer noch nicht begonnen, die tiefgreifenden Veränderungen in ihrem Markt zu erfassen, zu verstehen und darauf angemessen zu reagieren. Vielfach leben sie in einer längst vergangenen Euphorie und erfreuen sich vermeintlicher hoher Kundenbestände, nicht sehend, dass diese schon längst ihr Neugeschäft mit anderen Instituten abschließen.

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Hat Ihre Bank „verstanden“?

Woran Sie erkennen können, ob Ihre Bank die Zeichen der Zeit richtig gedeutet hat? Die nachfolgenden 33 Punkte geben Ihnen einen guten Hinweis darauf:

  1. Die Zentrale Ihrer Bank liegt immer noch in einem schicken, Marmor beladenen Elfenbeinturm in der teuersten Straße der Stadt.
  2. Ihre Bank hat immer noch nicht realisiert, dass ihre Aufgabe die eines „Beschützers der Kundengelder“ ist statt eines „Kontrolleurs der Ausgaben“.
  3. Ihre Bank eröffnet teure neue „Flaggschiff“ Filialen, obwohl überall die Besucherzahlen der Filialen zurückgehen. Die Investitionen in drei Filialumbauten könnten vermutlich das beste Online-Banking-Angebot in Ihrem lokalen Markt ermöglichen.
  4. Die neuen „Flaggschiff“ Filialen werden weiter ausgebaut und sehen aus wie ein Apple-Store. Nur leider sind sie nicht annähernd so gut.
  5. Die Filialen Ihrer Bank sind streng funktional angelegt, ohne Rücksicht auf Kundenströme oder Kundenbedarf. Es gibt Kaffeemaschinen, Prospektständer und überbordende Plakatwände. Die Kunden werden immer noch aus archaischen Dokumentations- und Legitimationsgründen dorthin bestellt, auch wenn sie Anträge über Online-Kanäle gestellt haben.
  6. Ihre Bank sucht immer noch den Business Case für Social Media, obwohl Twitter und Facebook konventionelle Kommunikationskanäle schon fast komplett verdrängt haben.
  7. Ihre Bank verbietet Social Media am Arbeitsplatz, ohne zu überlegen, wie man soziale Kanäle gewinnbringend nutzen könnte oder die Möglichkeiten zu verstehen, wie Menschen heutzutage intern miteinander kommunizieren können.
  8. Ihre Bank legt nicht viel Wert auf Benutzerfreundlichkeit und Effektivität von Intranets oder internen Tools, obwohl dies Plattformen sind, mit denen ihre Mitarbeiter den ganzen Tag über arbeiten und dies jeden Tag.
  9. Ihre Bank hat noch nicht wirklich verstanden, was „Mobil“ bedeutet, geschweige denn begonnen, den Trend zu nutzen, auch wenn immer mehr Menschen in jedem Zug oder Bus, auf dem Wohnzimmersofa, am Schreibtisch oder am Kaffeetisch stundenlang auf den Handybildschirm schauen.
  10. Ihre Bank denkt immer noch, dass Menschen, die ein iPhone, iPad oder Android-Handy verwenden, „technisch versiert“, sind obwohl die besondere Leistung dieser Geräte ist, dass sie lächerlich einfach zu bedienen sind, und dafür keinen akademischen Abschluss voraussetzen.
  11. Das Online-Banking Ihrer Bank besteht immer noch aus einer reinen Transaktionshistorie und liefert keine Analysen oder Hilfsmittel, die es dem Kunden ermöglichen würden, mehr aus seinem Geld zu machen. Auch Beratungs- und Cross Selling Ansätze fehlen. Dabei wird das Internet Banking wie auch das Mobile Banking zunehmend zum wichtigsten Tool, das Menschen nutzen, um Ihre Finanzen zu verstehen, zu managen und zu verbessern.
  12. Das Design und die Funktionalität des Webauftritts Ihrer Bank ist seit drei oder mehr Jahren unverändert.
  13. Ihre Bank hat immer noch Dutzende von Darlehen, Kontomodellen oder ähnlichen Produkte im Angebot, obwohl eine Handvoll einfacher aber dafür passender Produkte völlig ausreichend wäre und den Kunden besser ansprechen würde statt ihn mit der Qual der Wahl permanent zu überfrachten.
  14. Ihre Bank versucht mit Massenmarkenkampagnen eine Verbindung zu Kunden,  deren Herzen und deren Seelen aufzubauen.
  15. Ihre Bank versucht über solche Markenkampagnen auch die Unternehmenskultur zu „bestimmen“, anstatt sie zu reflektieren“. Das ist gefährlich, denn was machen Sie, wenn Sie nicht (oder niemals) das halten könnte, was Sie versprechen?
  16. Ihre Bank kennt ihre Kunden genau und hat sogar eine wirklich detaillierte PowerPoint-Präsentation über sie! (Nur hat die Bank diese Kunden nie „getroffen“)
  17. Ihre Bank fragt Kunden nicht, was sie wirklich brauchen sondern nur, was sie wollen. Und sie bezieht auch keine Kunden in die Erstellung und Implementierung von neuen Produkten und Dienstleistungen ein sondern lässt sich bis zu einer Markteinführung nicht in die Karten schauen. Dies ist zum Scheitern verurteilt, oder im besten Fall ein weiteres langweiliges Bankangebot mehr auf dem großen Stapel.
  18. Ihre Bank hat noch nie eine Kundenerfahrung vom Beginn bis zum Ende komplett nachvollzogen, um zu sehen, was ein Kunde wirklich „durchlebt“. („Oh, es dauert 3 Wochen bis dieser Antrag vollständig verarbeitet ist“) oder sich in die Rolle des Kunden begeben (In der Warteschlange stehen oder ein kompliziertes Formular ausfüllen).
  19. Der Vorstand Ihrer Bank war seit Jahren nicht mehr in einer Filiale oder im Call Center zu Besuch oder hat dort nur die üblichen Floskeln hinterlassen, statt sich für das wahre Geschehen zu interessieren.
  20. Ihre Bank ist bereit, das auszulagern, was ein Kunde als deren Kernkompetenz bezeichnen würde: Service. Unterdessen werden diejenigen Funktionen, die den Shareholder Value schützen – Revision-, Risikomanagement in der Regel intern und geschützt sind. Was sagt dies über das Geschäftsmodell aus? Sind die Kunden das eigentliche Produkt einer Bank, mit dem sie ihr Geld verdient anstatt anders herum.
  21. Ihre Bank denkt, Design ist, wie die Dinge aussehen und nicht, wie die Dinge funktionieren.
  22. Ihre Bank denkt, Benutzerfreundlichkeit ist weniger wichtig als persönlicher Service, obwohl wahrscheinlich drei Viertel der Kundenbeziehung zu einer Bank aus dem Umgang von Dokumenten, Formularen, Anträgen, Übersichten, Webseiten, Apps und ähnlichem bestehen.
  23. Ihre Bank nervt ihre Kunden immer noch durch mit kompliziertem Jargon gefüllten Bedingungen und Dokumenten und versteckt Gebühren und  Abgaben im Kleingedruckten oder versucht trickreiches Upselling. Die Menschen sind genervt von dieser andauernden Trickserei.
  24. Ihre Bank denkt, Kunden wollen die vollständige Funktionalität, obwohl sie nur die Kernfunktionen wirklich wollen und der Rest bis auf weiteres irgendwo versteckt bleiben kann (bis der Kunde es wirklich will).
  25. Ihre Bank glaubt nicht, dass ein Call-Center wichtiger ist als Filialen, trotz der Menge an Interaktionen und der kritischen Customer Experience. Die Bedeutung von Call Centern wird aber weiterhin zunehmen.
  26. Ihre Bank beobachtet für neue Ideen sorgfältig die direkten Konkurrenten, deren Produkte und Dienstleistungen etc, während die Kunden denken, die Banken sind alle gleich, und verzweifelt hoffen, Apple, Google oder Amazon würde eine Bank eröffnen und frischen Wind in die Bank-Kunde-Beziehung bringen.
  27. Ihre Bank braucht keine Consultants oder Mitarbeiter von Außen, weil Ihre Bank am besten weiß was zu tun ist. Könnte es sich da nicht auch um ein Zeichen von fehlendem Mut und Demut handeln.
  28. Ihre Bank macht es schwer, zu oder von ihr zu wechseln. Diese Art von „Kundenbindung“ bei Angeboten und Service ist nur ärgerlich und frustrierend und keineswegs scharfsinnig oder geeignet, die Bank für den Kunden einnehmend darzustellen.
  29. Ihre Bank offenbart seine wahren Motive bei Eigentümerversammlungen, wo Kunden nicht wirklich erwähnt werden. Doch zurück im Büro, ist die Bank wieder komplett „kundenorientiert“.
  30. Kennzahlen und Anreize sind immer noch ausschließlich die Umsätze gebunden, anstatt an eine Mischung aus Geschäfts-und Kundenerfolg oder –zufriedenheit. Im einen Moment spricht der Chef von einer Kultur des fokussierten Kundenservice, um im nächsten Moment das Team daran zu erinnern, seine Umsatzziele für den Monat / das Quartal / das Jahr zu erreichen.
  31. Ihre Bank vergibt immer noch „marktübliche“ Boni auf hohem Niveau an die Top Führungskräfte, als ob der Begriff PR nicht existiert oder wichtig wäre.
  32. Ihre Bank macht Fehler, erhält Bürgschaften von Regierung und Steuerzahler, macht die gleichen Fehler noch einmal, oder nimmt die Bürgschaft für den Ausgleich der Fehler in Anspruch, statt sich um eine Verbesserung des Kundenservice, der Kundenerfahrung oder des Nutzenversprechens zu kümmern.
  33. Ihre Bank verwendet den Satz „So haben wir das schon immer gemacht“, um eine Million ziemlich dummer Entscheidungen zu rechtfertigen.

Fazit

Klar, wohl kaum eine Bank macht alle Fehler auf einmal. Und es gibt durchaus auch Banken, die ihre Zukunft und ihre Kunden ernst nehmen. Gehört aber Ihre dazu?

Überprüfen Sie anhand der Liste einmal selbst, wo Ihre Bank steht. Ich freue mich auf Ihre Hinweise und Kommentare.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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12 Kommentare

  1. 33 Punkte, umfassend und treffend.

    Der Schlüssel sind nach meiner Erfahrung die Menschen und damit die Kultur. Wenn beginnend im Management Vertrauen und Offenheit gelebt werden, aus Fehlern gemeinsam gelernt werden darf, weil diese ehrlich reflektiert werden, dann gelingt gemeinsames Wachstum: der Persönlichkeiten, der Teams und der gesamten Bank.

    Wo ein Betriebsklima mit guter Stimmung am Arbeitsplatz und hoher Motivation der Mitarbeiter beschrieben werden kann, gibt es Raum für neue Ideen und Innovationen in der gemeinsam lernenden Organisation. Dann wird echtes Wachstum – hier ist nicht in erster Linie das Bilanzsummenwachstum gemeint – möglich.

    Nach der „IBM Global CEO Study 2010“ (http://www-935.ibm.com/services/de/ceo/ceostudy2010/) werden für den künftigen Erfolg eines Unternehmens Kernfähigkeiten wie hohe Veränderungs- und Innovationsbereitschaft, Geschwindigkeit und Flexibilität eine entscheidende Rolle spielen.

    Eine gute Frage zum Start ist über alle Hierarchien und Rollen hinweg immer die nach dem eigenen Beitrag: „Welches ist mein Anteil, was kann mein Beitrag sein … ?“

  2. Nr. 34:
    Sie verwechseln Ihren Bankberater mit dem Eingabeassistenten für’s Onlinebanking. Er sagt: Wir müssen fallabschließend bearbeiten, während er auf seinen Bildschirm statt in Ihre Augen schaut.

    Nr. 35:
    Die 6 x 4 x 2 Seiten die ihr Bankberater für Sie ausdruckt, um Ihre Kontoauszüge in das elektronische Postfach des Onlinebankingauftritts zu verschieben statt mittels der Deutschen Post Ihnen zuzustellen, übersteigen Ihre geistige Aufnahmefähigkeit.

    Nr. 35:
    Ihr Bankberater fragt Sie nach der 17. erfolglosen Ansprache auf Produkte in der Filiale Ihres Vertrauens nicht, ob Sie überhaupt auf neue Produkte angesprochen werden möchten. Er begründet das mit seiner Angst, ansonsten Ihr nie ausdrücklich erteiltes Werbeeinverständnis streichen zu müssen.

  3. Gustavo Reich am

    Das sollte man ausdrucken, schön vorbereiten als Broschüre und auf dem Bett der Finanzdienstleister legen, als Betthupferl für die Nacht :)
    Auf jeden Fall sollte Zwangslektüre sein, und ja leider das Umsetzten dauert viel zu lange

  4. Mal gaaaanz kurz überlegt eine Bank die alle 33 Hinweise verstanden und umgesetzt hat: Welche Kunden DIE Bank dann noch anspricht und wieviele von diesem Segment für die Bank von Interesse sind (schon klar, dass diese Kunden irgendwann mal Älter werden und dann tatsächlich High Net Worth Individual sind)…

  5. Florian M. Görres am

    Hervorragende Zusammenstellung. Mein Lieblingspunkt: Punkt 11. Ich warte schon lange darauf, dass eine Bank ihr Online-Angebot so aufstellt, wie mint das tut (www.mint.com – ich habe mit dem Service weder zu tun, noch bin ich da Kunde, ich wär’s aber gern…), um echten Mehrwert zu schaffen und kundenfreundlich, kostensenkend und teilautomatisch Bankprodukte zu verkaufen. Angeblich wollen doch so viele Häuser im Privatkundengeschäft wachsen? HIER wäre noch Differenzierungspotenzial!

    • Dr. Hansjörg Leichsenring

      Hallo Herr Görres

      Danke für Ihren Hinweis. Ich kann Ihnen versichern, dass ich in meinem Hauptberuf mit Nachdruck daran arbeite, dass ein entsprechendes Angebot auch hierzulande auf den Markt kommt und hoffe sehr, dass dann auch Ihre Bank dabei ist

  6. Ulrich Welzel

    Differenzierungspotenzial zu heben, ist meiner Meinung die einzige Chance als Bank zu überleben! In Zeiten mit geringen Margen, strengen Auflagen und wenig Vertrauen bei Investoren müssten die Köpfe rauchen.
    Holt die Verrückten in die Zentralen. (Bitte keine Querdenker – Wir brauchen Vordenker!) Gebt ihnen Freiheiten. Feiert die Erfolge gemeinsam und gönnt dem Anderen den Erfolg.

  7. Dr. Hansjörg Leichsenring,

    Hallo Herr Dr. Leichsenring,
    vielleicht sollten wir einmal ein Gespräch führen, wie Sie ein „entsprechendes Angebot“ mit einem Service-Provider umsetzen können, der über alles Umsatzdaten verfügt, die Sie für Meniga brauchen. Vielleicht gehts dann schneller, als mit einer Bank.
    P.S. Meinen Kollegen Dieter Fromm kennen Sie ja bereits aus seiner alten Funktion…

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