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Warum wir in 15 Jahren noch immer mit Bargeld bezahlen werden

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Über die Zukunft des bargeldlosen Bezahlens

Bargeld lacht sagt der Volksmund

Bargeld lacht sagt der Volksmund. Auch in 15 Jahren noch?
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Werden wir im Jahr 2031 noch Bargeld verwenden? Seit 60 Jahren wird dessen Abschaffung prognostiziert und es hält sich dennoch hartnäckig. Ein wichtiger Grund scheint die faszinierende psychologische Beziehung zu sein, die wir zu Scheinen und Münzen entwickelt haben.

„Es ist ein heißer Sommertag im Jahr 2031, und Sie folgen einer langen Besprechung im Meeting Loft ihres Arbeitgebers. Mehrere Kollegen nehmen von zu Hause aus teil, ihre Gesichter und Körper werden als Hologramme an den Tisch projiziert. Sie jedoch kamen persönlich und wurden dafür durch das freundliche Lächeln einer Assistentin und einer Reihe von leckeren Snacks belohnt – Scheiben von molekular replizierter Pata-Negra-Salami und teuren, weil genetisch unveränderten saftigen Vinalopó Trauben. Danach treten Sie aus dem Gebäude, um etwas frische Luft zu tanken und eine Kaffeespezialität zu erstehen. Auf der Straße surren elektrische Fahrzeuge leise und autonom an ihnen vorüber, und Menschen mit Internet-Retina-Implantaten gehen achtlos an Ihnen vorbei, während sie Scores und Aktienkurse checken. Sie bestellen sich eine Latte mit Sojamilch. Sie langen in den Geldbeutel, ziehen ein paar an den Kanten zerknitterte Scheine heraus, glätten sie und füttern damit den Geldschlitz des Barista-Droiden …“

Kein Mensch wird in 15 Jahren noch Bargeld verwenden, oder?

Moment: Zerknitterte Scheine, angelaufene Münzen? Sieht so die Zukunft aus? Kein Mensch wird in 15 Jahren noch Bargeld verwenden, oder?

Es ist verlockend, den Niedergang des Bargelds zu prognostizieren. Das passiert bereits seit 60 Jahren, seitdem physisches Geld erstmals durch Karten aus Plastik ersetzt wurde. Und mit der schnell voranschreitenden Verbreitung von Kredit-, Debit- und Charge-Karten, kontaktlosen Zahlungen, Internet-basierten Bezahldiensten und Krypto-Währungen läuten seine Totenglocken stetig lauter.

Was dabei jedoch außer Acht gelassen wird, ist die faszinierende psychologische Beziehung, die wir zu Münzen und Noten entwickelt haben. Geld als physikalisch greifbares Tausch- und Wertbewahrungsmittel gibt es seit tausenden von Jahren, und es ist als Teil unseres bewussten und unbewussten Seins fest verankert. Auch sprechen praktische Aspekte für seinen Fortbestand: Bargeld ist leicht zu handhaben, es ist nicht nachvollziehbar, kann verschwinden und wieder auftauchen, funktioniert überall und ohne Strom, bleibt auch in der Krise zuverlässig.

Bargeldverwendung ist rückläufig

Trotzdem ist belegbar und unstrittig, dass die Verwendung von Bargeld als Zahlungsmittel im Alltag stark rückläufig ist und mit dem exponentiellen Wachstum des elektronischen Handels durch alternative Zahlungsweisen verdrängt wird. Und auch der stationäre Handel hat längst die Notwendigkeit und Bequemlichkeit von Alternativen erkannt und akzeptiert neue Verfahren in zunehmend kürzere Zyklen.

Dabei sind jedoch in Deutschland die Sicherheitsbedenken und Widerstände gerade der etablierten Kreditwirtschaft noch deutlich größer als in anderen Nationen, wie etwa die späte Einführung des Paydirekt Dienstes als Alternative zu PayPal und das hierzulande noch gar nicht mögliche Apple Pay Verfahren zeigen.

Somit wundert es nicht, wenn die Abschaffung des Bargelds noch in weiter Ferne liegt. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse haben sich alternative Dienste entwickelt, die eine Brücke zwischen dem Bargeld und dem elektronischen Geld auf einem Konto schlagen, um einerseits Kosten zu sparen und andererseits mehr Convenience für den Kunden zu bieten. Das bekannteste Angebot ist sicher das Debit Card Cashback Verfahren, das in Deutschland 2003 eingeführt wurde und Kunden ermöglicht, bei ihrem Einkauf in einem Supermarkt oder in einer Tankstelle Bargeld abzuheben. War es ursprünglich nur gedacht, um die Bargeldbestände im Geschäft zum Tagesabschluss zu senken und damit Verwahrungs- und Bankkosten zu sparen, hat es sich durch eine starke Verbreitung nach 2011 zu einem erheblichen Mehrwert für Kunden und Handelsketten sowie als Alternative zum teuren ATM-Netzwerk der Kreditwirtschaft gemausert.

Der FinTech-Trend und das Bargeld

Mit ähnlichen, jedoch deutlich erweiterten Konzepten experimentieren derzeit auch einige FinTech-Startups innerhalb und außerhalb von Deutschland. So bietet etwa Cash Payment Solutions mit „barzahlen.de“ nach eigener Aussage bereits die größte deutsche unabhängige Zahlungsinfrastruktur, in die derzeit über 6.000 Filialen z.B. von Penny, Real und REWE integriert sind. Der Kunde generiert vor oder während seines Einkaufs mit einer speziellen App auf seinem Smartphone einen Barcode, der von der Kassiererin im Geschäft gescannt wird. Damit kann er unabhängig von der Einkaufshöhe Bargeld von seinem Konto abheben oder – und das ist neu – auch auf sein Konto einzahlen. Number26 mit der angeschlossenen Wirecard Bank ist der erste Finanzdienstleister, der diesen Service des Einzahlens im Supermarkt seinen Kunden anbietet und dabei keine Kosten für eine aufwändige Automateninfrastruktur tragen muss.

Rund um den noch mit Bargeld in Berührung kommenden Point of Sale werden derzeit auch viele weitere Ideen entwickelt und teilweise umgesetzt. Das reicht von der digitalen Verwertung von Münzrückgeld, der Verwendung von Bitcoins im stationären Handel bis hin zur Nutzung des Ripple-Netzwerks zum kostengünstigen internationalen Transfer von (Bar-)Geld über den Euro-Raum hinaus.

Bemerkenswert ist, dass diese Initiativen häufig nicht in den Ideenschmieden der klassischen Universalbanken entstehen, für die Einlagen und Zahlungsverkehr doch nach wie vor von wichtiger Bedeutung sind. Oft werden sie stattdessen von wenigen Entrepreneurs gestartet, die teils ohne jahrelange Erfahrung, aber dafür mit umso mehr Mut und Flexibilität agieren.

Die technischen Grundlagen, angefangen von sicheren Internet-Standards, mobilen Apps, biometrische Verfahren und RFID über das SEPA-Verfahren, FinTS- und EBICS-Standards zur Multi-Banken-Kommunikation bis hin zu Banking-as-a-Service und Cloud-Computing sind vorhanden. Wie Bausteine in einem Baukasten können sie mittlerweile ohne viel Aufwand und Kosten zu immer neuen Anwendungen kombiniert werden.

Es wird spannend zu beobachten, wie kleine FinTechs und große Banken die Herausforderungen des Marktes annehmen und uns als Kunden begeistern oder eher abschrecken. Aber wenn wir im Sommer 2031 ein selbstfahrendes Auto haben oder mit einem Hologramm auf der Arbeit sprechen, dürfen wir trotzdem noch sicher sein, dass irgendwo irgendwer immer noch ein paar Münzen an einen Obdachlosen spendet oder mit einem Schein seinen Einkauf bezahlt.

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Über den Autor

Stephan Mecking

Stephan Mecking ist Leiter des Bereichs Consulting für Banken bei der adesso AG. Er studierte Informatik und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit IT-Lösungen für Finanzdienstleister. Seine Wissens- und Verantwortungsschwerpunkte sind insbesondere die Digitalisierung und der Zahlungsverkehr.

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