Vier Schwerpunktthemen für die Förderbank der Zukunft

So gelingt die Modernisierung der Förderbanken

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Förderbanken gelten als Stabilitätsanker und schnelle Krisenhelfer in turbulenten Zeiten. Neue Herausforderungen zwingen die Institute zu einer Modernisierungskur. Damit die Neuaufstellung gelingt, sind vier Schwerpunktthemen besonders zu beachten.

Förderbanken fit für die Zukunft machen

Förderbanken müssen sich auf die Kundenschnittstelle, ein angepasstes Produktportfolio und eine starke Vernetzung untereinander konzentrieren.

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In den vergangenen zweieinhalb Jahren stellten die Förderbanken ihre besondere Wichtigkeit für den Standort Deutschland unter Beweis: So retteten die Institute im Laufe der Corona-Pandemie dank schnell ausgegebener Soforthilfen und Überbrückungskredite unter anderem zahlreiche Unternehmen vor der Zahlungsunfähigkeit. Allein bei der größten Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) stieg auch deshalb im Jahr 2020 das Fördervolumen gegenüber dem Vorjahr um 75 Prozent auf den historischen Höchstwert von 135,3 Milliarden Euro an. Dieses Jahr ist es der Ukraine-Krieg, der schnelle finanzielle Hilfen und neue Förderprogramme für Unternehmen erzwingt, die vom Angriff Russlands auf die Ukraine oder den Sanktionen gegenüber Russland und Belarus betroffen sind. Dabei ist immer noch nicht abzusehen, wie stark die Wirtschaft unter den ökonomischen Folgen des Konflikts leiden wird.

Schwachstellen im System der Förderbanken

Die jüngsten Krisenjahre legten aber auch Schwachstellen im System der Förderbanken offen: Manuelle Prozesse, papierbasierte Anträge, abgeschottete Systeme und komplexe Produkte führten bei Fördernehmern, Vermittlern, kooperierenden Geschäftsbanken und auch bei den Förderinstituten selbst zu einem erheblichen Mehraufwand und einer verzögerten Mittelfreigabe.

Die zum Teil undurchsichtigen Antragswege für die Förderprodukte erklären sich auch aus der Situation, in der sich die Spezial- bzw. öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute mit staatlichem Auftrag befinden: Einerseits wird erwartet, dass die Förderinstitute extrem schnell auf dynamische Krisen reagieren, andererseits müssen sie sicherstellen, dass die Finanzhilfen bei den Förderberechtigten sachgerecht ankommen und nicht etwa über kriminelle Wege abfließen.

Förderbanken müssen sich modernisieren

Die jüngsten Krisen zeigen: Ohne eine Modernisierung können die Förderbanken ihrem Auftrag nicht oder nur unter enormen Anstrengungen gerecht werden. Denn die massiven Auswirkungen der Krisen bedrohen nicht nur die nachhaltige Transformation der deutschen Wirtschaft, sondern offenbaren auch die Defizite von zu starren Organisationen.

Die Lösung für die Förderbanken liegt daher in einer Doppelstrategie: eine Transformation der Produkt- und Prozesswelt, um auch auf digitalen Märkten als Förder- und Finanzierungspartner wahrgenommen zu werden, flankiert von einem Change-Prozess in Richtung agiler Organisation.

Der neue Weg zum Kunden

Mit den traditionellen Vertriebswegen ist die Zukunft nicht zu realisieren. Denn als Spezialinstitute ohne eigenes Filialnetz sind Förderbanken bei der Kundenansprache auf die Kooperation mit der Branche angewiesen. Sie haben deshalb schon vor Jahrzehnten einen partnerschaftlichen Distributionskanal mit den in Deutschland tätigen Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken aufgebaut. Das Tagesgeschäft der Förderbanken wird größtenteils über die Hausbanken generiert, die Förderkredite nach dem Durchleitungsprinzip vermitteln. Im Zuge des Filialsterbens bricht dieser Vertriebskanal jedoch weg.

Es gilt deshalb für Förderbanken, sich zu öffnen und die Vorteile der modernen Plattform-Ökonomie zu nutzen. Digitale Standards sollten übernommen und eine engere Verzahnung mit anderen Instituten wie Neobanken oder Vergleichsportalen zugelassen werden. Über standardisierte und automatisierte Prozesse können Kunden und Vertriebspartner angesprochen, beraten und mit digitalen Produkten bedient werden.

Vier Schritte für einen technologiebasierten Transformationsprozess

Da der traditionelle Produktvertrieb über die Bankfiliale zunehmend wegfällt und die wirtschafts-politische Entwicklung immer häufiger eine schnelle Anpassung der Fördermittel erfordert, müssen die Institute ihren Transformationsprozess offensiv angehen. Dies wirkt sich nicht nur auf die Optimierung der internen Prozesse, sondern auch auf die Modernisierung der IT-Systeme aus und sollte in Kombination mit der Einführung agiler Zusammenarbeitsmodelle geschehen.

Für diesen technologiebasierten Transformationsprozess sind vier Schritte notwendig:

  1. Digitale Standards übernehmen, um an den Vorteilen der Plattformökonomie zu partizipieren. Systemumgebungen der Förderbanken sind oftmals in die Jahre gekommen und genügen selten den Anforderungen innovativer Technologien. Ein neues, digitales Selbstverständnis ist zuzulassen. Die Interaktion mit dem Kunden muss digital, barrierefrei und komfortabel erfolgen können.
  2. Verschlankung der Produktpalette und Abbau der Komplexität, durch Fokussierung auf stark nachgefragte Produkte je Förderschwerpunkt. Unter einer End-to-End-Betrachtung lassen sich auch die Prozesse nach Zusage der Fördermittel im Self-Service optimieren, um bspw. Nachweise einzureichen oder Änderungen effizient vorzunehmen.
  3. Eine engere Verzahnung zulassen, um die Herausforderungen zusammen im Konsortium zu bewältigen. Mit dem Blick auf digitale Kundenkanäle sollten Förderbanken enger zusammenarbeiten, um voneinander zu lernen, Standards zu entwickeln bzw. zu bündeln und Kosten zu sparen.
  4. Digitale Zielkanäle definieren, die in Themenportalen (wie Wohnen oder E-Mobilität), Produktmarktplätzen (Amazon oder Mercateo) und Shops von Einzelanbietern (z. B. Industriemaschinen- oder Fahrzeughersteller) münden. Das gelingt wiederum nur mit hochgradig automatisierten und standardisierten Prozessen.

Fazit: Der Weg zum neuen Selbstverständnis

Förderbanken benötigen ein neues Selbstverständnis: Weg vom effizienten „Co- und Postprozessor der Bankfiliale“, hin zum Anbieter komfortabler Fördermittel an beliebigen Kundenschnittstellen. Auf dem Weg dahin müssen Förderbanken sich in die digitalen Abschlussprozesse von Finanzportalen integrieren und ihre klassischen Förderprodukte am Point of Sale mit nichtfinanziellen Produkten verflechten. Kunden könnten dann zum Beispiel Zuschüsse für energieeffiziente Elektrogeräte beim Händler beantragen bzw. über ihn erhalten.

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Alexander Christau – Manager, Cofinpro

Alexander Christau, Cofinpro.

Alexander Christau ist Koautor des Beitrags. Er ist Manager bei der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro, kann auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Bankenbranche zurückgreifen. Er schöpft seine Erfahrung aus Kreditoptimierungsprojekten bei mittelständischen Primärbanken sowie führenden Finanzdienstleistern in Deutschland.

Über den Autor

Marco Moczarski

Marco Moczarski ist Partner bei der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro. Der Wirtschaftswissenschaftler und Bankkaufmann begleitete bedeutende Umsetzungsvorhaben bei großen Universal- und Landesbanken. Zudem verantwortet er mehrere Kundenengagements und das Business Development im Aufbau von Neukunden.

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