Pleite! Schon wieder…

Wie Krisen und Gerüchte Unruhe auslösen können

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Das Beispiel der Credit Suisse zeigt, dass es ganz schnell gehen kann und muss, um eine Bank vor einer drohenden Pleite zu retten. Oft kommen die ersten Anzeichen aus dem Markt oder werden von der Konkurrenz gestreut. Da heißt es, Ruhe zu bewahren…

In Zeiten finanzieller Krisen drohen Bankpleiten

Gerade in Zeiten finanzieller Krisen können Gerüchte im Markt Schaden an der Reputation bewirken.

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„Wir sind bankrott!“

Peter Wiedinger nahm ein Blatt vor den Mund, als er in das Büro seines Chefs stürzte. Er tat dies, ohne vorher anzuklopfen oder einen Termin vereinbart zu haben.

„Schon wieder.“, fügte er mit weinerlicher Stimme hinzu und ließ sich in einen der Stühle fallen. Peter sah seinen Abteilungsleiter mit tränennassen Augen an und schlug zur Bekräftigung seiner Mitteilung mit der Faust auf die Lehne des Büromöbels.

Ohne Zweifel war Hans-Dieter, seines Zeichens Leiter des Liquiditäts-Managements einer der größten Banken des Landes, Kummer gewohnt. Wenn einem der Verantwortliche für die Steuerung der Euro- und Fremdwährungsströme sagt, man sei pleite, dann konnte man also schon etwas beunruhigt sein.

Gerüchte verbreiten sich im Markt

„Nun mal langsam mit den jungen Pferden!“, bemühte sich Hans-Dieter um Sachlichkeit. „Was ist denn passiert?“

„Hab gerade mit unserer Konkurrenz telefoniert!“, berichtete Peter und wischte sich eine Träne von der Wange. „Die sagen, der Markt spricht von nichts anderem als von unserer Zahlungsunfähigkeit!“

Hans-Dieter wusste, dass Gerüchte Gift für das gegenseitige Vertrauen zwischen Banken war. Er musste also umsichtig mit der Situation umgehen und Schritt für Schritt das Problem aufarbeiten.

Stimmen den Gerüchte?

„Sind unsere Konten bei Partnerbanken eingefroren? Können wir über unsere Guthaben dort nicht mehr verfügen?“, fragte er Peter besorgt.

„Natürlich nicht.“, antwortete dieser etwas enerviert, als würde er mit einem nörgelnden Kleinkind diskutieren. „Da ist alles in Ordnung.“

„Das weißt du doch!“, fügte er trotzig hinzu.

Tatsächlich erhielt Hans-Dieter jeden Morgen als Erster die täglichen Berichte über den Liquiditätsstatus der Bank.

„Dann sind also unsere Reserven bei der Notenbank blockiert!“, insistierte Hans-Dieter weiter.

„Aber nein, da stehen Milliarden zur Verfügung. Kein Grund zur Sorge.“

„Und unsere Fremdwährungskonten? Sind die leergeräumt?“

„Da ist alles paletti. Naja, es fehlt eine halbe Milliarde Dollar, aber das ist eine andere Geschichte…“, gestand der Liquiditätsmanager ein.

Hans-Dieter brauchte an diesen Makel in seiner Karriere nicht erinnert zu werden, machte aber dennoch gute Miene zum bösen Spiel.

Die Konkurrenz

„Wieso sind wir dann pleite?“, frage er investigativ nach.

„Weil die Konkurrenz es gesagt hat.“, erwiderte Peter, während er von einem erneuten Weinkrampf geschüttelt wurde.

„So kurz vor meiner Pensionierung muss mir das passieren!“, haderte er mit seinem Schicksal. Zur Visualisierung der Kürze der Zeitspanne bis zu seinem Ruhestand zeigte Peter mit Daumen und Zeigefinger den Abstand eines Millimeters.

Als guter Chef wusste Hans-Dieter über die Personaldaten seines Teams Bescheid. Und darüber, dass Peter ein rüstiger Mittvierziger war, der noch gute zwei Jahrzehnte bis zum Antritt seiner Rente zu arbeiten hatte.

„Es gibt also nichts Offizielles, Peter? Keinen Anruf oder Schreiben der Nationalbank, keine Mitteilung der Finanzmarktaufsicht, keine Information unseres Vorstandes, dass wir illiquide sind?“

„Nope!“, schluchzte dieser. „Aber wie du weißt, erfahren es die Betroffenen als Letzte.“

Dieses empirisch hochqualifizierte Argument war natürlich nicht von der Hand zu weisen. Allerding hatte Hans-Dieter auch ein gutes Gedächtnis.

Rückblick auf die Finanzkrise

„Peter, erinnerst du dich an 2008? An die Subprime-Krise und was damals bei uns passierte?“

„Natürlich!“, konterte Peter leicht gereizt.

„Was hast du mir damals gesagt, an jenem Morgen, an den wir beide uns noch so gut erinnern?“

„Dass wir pleite sind.“

„Und was hat dich dazu veranlasst?“

„Die Konkurrenz hatte damals das Gerücht gestreut!“

„Richtig!“, brummte Hans-Dieter. „Und stimmte das Gerücht?“

Peter wetzte nervös auf seinem Stuhl herum.

„Hmm, vielleicht nicht.“, gestand er ein. „Aber es war knapp. So knapp.“

Wieder zeigte er mit Daumen und Zeigefinger einen Millimeter-Abstand.

„Und all die anderen Male, als in den Zeitungen von Bankenkrise die Rede war und du zu mir kamst? Und mir eröffnet hast, dass wir bankrott wären?“

„Ja, gut. Aber die Konkurrenz war immer so glaubwürdig.“, gestand Peter ein. „Und es war immer sehr, sehr knapp.“, fügte er rechthaberisch hinzu, diesmal ohne Visualisierung durch Daumen und Zeigefinger.

Fakten statt Gerüchte

„Vielen Dank für die Information, Peter. Machen wir doch einfach mit dem Tagesgeschäft weiter, bis uns handfeste Fakten vorliegen!“

Hans-Dieter schaute Peter nach, der sein Büro verlassen hatte und nun gebeugten Rückens durch die Korridore schlich.

Aber – und dass musste Hans-Dieter auch sich selbst eingestehen –  irgendwann könnte Peter tatsächlich recht haben.

In Zeiten wie diesen.

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Über den Autor

Michel Lemont

Michel Lemont ist seit mehr als 35 Jahren in Bankenwesen tätig. Er war in verschiedenen Bereichen der Finanzindustrie tätig, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und zuletzt im Umfeld des Zahlungsverkehrs. In seinen Aufgabenbereich fallen unter anderem regulatorische Themen, das Management von Zahlungsverkehrs-Infrastrukturen sowie die Arbeit in nationalen und internationalen Gremien im Bereich Payments. Ein besonderes Anliegen sind ihm Innovationen im Bankenbereich und das "Querdenken". Michel Lemont ist Autor des Buches „Bankers have more fun“ und betrachtet das Bankwesen gerne von der humoristischen Seite. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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