Libra: Über die Tücken der Einführung einer digitalen Währung

Lesenswertes über Banking KW 42-2019

Anfang der Woche erfolge mit Gründung der Libra Association der offizielle Start von Facebooks Stablecoin-Projekt Libra. Doch der Widerstand wächst rasant und es erscheint derzeit mehr als fraglich, ob die Kryptowährung jemals auf den Markt kommen wird.

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Eigentlich wollte ich den Rückblick auf die wichtigsten Themen und Trends der Woche aus der internationalen Finanzszene nicht schon wieder dem Thema Libra widmen, doch wie so oft, kommt es manchmal anders als man denkt. Denn es gab und gibt wieder reichlich Neues zu berichten über Facebooks Versuch, eine weltumspannende digitale Währung auf den Weg zu bringen. Ob Mark Zuckerberg wirklich all die Hürden erwartet hat, die ihm nun in den Weg gestellt werden?

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Libra: Ein mehr als holpriger Start

Die Libra Association hat die 21 Unternehmen bekannt gegeben, die nach ihrem Treffen am Montag im schweizerischen Genf offiziell eine Charta zur Unterstützung des Projekts unterzeichnet haben. Laut Reuters wurde Facebook übrigens vier Tage vor der Sitzung von Finco Services, einem Online-Banking-Start-up, mit einer Klage gegen wegen Markenrechtsverletzung wegen des Calibra-Logos belegt.

Mehr dazu hier: Libra publishes signed charter with 21 members, inc. Spotify, Uber and PayU

Damit haben sich insgesamt acht Unternehmen schon vor der Gründung wieder aus dem Projekt verabschiedet, darunter klangvolle Namen wie PayPal, Ebay, Stripe, Visa pder Mastercard.

Die Unternehmen gaben jedoch an, das Projekt weiterhin unterstützen zu wollen oder zumindest „potenzielle Vorteile bei solchen Initiativen“ zu sehen. Es scheint, als ob die Unternehmen hoffen, dass sich der regulatorische Gegenwind wieder legen könnte.

Mehr dazu hier: Facebook’s Libra project stumbles as more members quit

Regulierer machen Front gegen Libra

Vorerst machen die Regulierer jedoch Front gegen Libra. Laut Lael Brainard, Gouverneur der US-Notenbank, müsse das das Projekt zunächst die wichtigsten rechtlichen und regulatorischen Herausforderungen angehen, bevor es Zahlungen ermöglichen kann.

Mehr dazu hier: Fed governor warns of ‚core‘ regulatory challenges facing Libra

Randal Quarles, Vorsitzender des Financial Stability Board, wird mit den Worten zitiert, dass angesichts einer Vielzahl von Herausforderungen, die sich durch globale „Stablecoins“ wie Libra stellen, mögliche Regelungslücken vorrangig bewertet und behoben werden sollten.

Mehr dazu hier: Facebook’s Libra suffers additional regulatory scrutiny

Die G7 gehen noch einen Schritt weiter und fordern, dass es derartigen Stablecoins nicht gestattet sein sollte, auf den Markt zu kommen, bevor die rechtlichen und regulatorischen Herausforderungen und Risiken analysiert und behoben sind.

Mehr dazu hier: Facebook’s Libra cryptocurrency faces new hurdle from G7 nations

Einsetzende Debatte um digitale Währungen

Wenn man so will, ist ein positiver Nebeneffekt von Libra, dass die Debatte um digitale Währungen neuen Schwung erhalten hat. Darunter auch die philosophische Frage, ob es überhaupt ethisch zulässig sei, dass private Unternehmen digitale Währungen schaffen.

Mehr dazu hier: Is it ethical for private companies to create currency?

Regulierer und staatliche Entscheidungsträger werden beim Thema Stablecoin jedenfalls nicht wegsehen können. Ihre Regeln und Handlungen werden bestimmen, wie wir letztendlich für alltägliche Dinge wie eine Tasse Kaffee bezahlen und, was noch wichtiger ist, die Struktur und die Risiken unseres Finanzsektors beeinflussen. Möglicherweise kommt es damit doch schneller als erwartet zu offiziellem digitalen Zentralbankgeld, wobei dieses wohl nur in internationaler Zusammenarbeit sinnvoll wäre.

Mehr dazu hier: From stablecoins to central bank digital currencies

Weitere interessante Themen der Finanzwoche

Es gab aber noch weitere interessante Beiträge:

Umfrgae Kreditprozesse der Zukunft

Warum dumme alte Banken nicht mithalten können

Chris Skinner nimmt mal wieder die etablierten Banken aufs Korn und erläutert anhand verschiedener Beispiele, warum diese Probleme haben, mit innovativen FinTechs mitzuhalten und wie sie diese lösen könnten.

Mehr dazu hier: Why dumb old banks can’t compete

Blockchain: Die zehn Gebote für CIOs

Chief Information Officer (CIOs) spielen eine wichtige Rolle bei der Frage, ob Blockchain-Technologien für ihr Unternehmen von Nutzen sein könnten. Die große Frage ist: Sind CIOs bereits auf diese Rolle vorbereitet? Die Beachtung von zehn Geboten ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung der Blockchain-Technologie.

Mehr dazu hier: Blockchain: the Ten Commandments for CIOs

Fünf Maßnahmen für eine gute Kundenbeziehung

Die Leute mögen mit Alexa, Siri und anderen virtuellen Assistenten und Chatbots sprechen, aber werden solche interaktiven Technologien die emotionale Verbindung aufbauen können, die Verbraucher mit Banken und Sparkassen verbindet? Wenn die Digitalisierung zu weit geht, wird die menschliche Verbindung aufgehoben und es kommt zu einer Gleichheit, die keine Loyalität hervorruft.

Mehr dazu hier: Digitizing Banking is All About Engagement and CX, Not ‘Tech’

Wie etablierte Banken innovativ sein können

Wie können die etablierten Akteure im Finanzdienstleistungssektor bedeutende bahnbrechende Innovationen hervorbringen? Was sind die Herausforderungen beim Neuaufbau von Grund auf und liegt der Schlüssel tatäschlich in Partnerschaften mit FinTechs und Start-ups?

Mehr dazu hier: Where do incumbents look for game-changing innovation?

Berichte aus Banken und FinTechs

Auch in der vergangenen Woche gab es einige Berichte über Aktivitäten in der Finanzbranche sowie einzelner Institute, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Britische Bank mit neuem Ausbildungskonzept

Angesichts der Schwierigkeiten von Banken bei der Suche nach IT-Mitarbeitern hat sich die britische NatWest mit einer Wohltätigkeitsorganisation zusammengetan, um ein digitales und innovatives Ausbildungsprogramm zu starten, in dem junge Mitarbeiter in vier Jahren für digitales Banking fit gemacht werden sollen.

Mehr dazu hier: NatWest launches digital and innovation apprentice programme

Russische Bank setzt auf Roboter beim Bargeldmanagement

Die russische Sberbank Sberbank und Microsoft Research arbeiten zusammen, um zu untersuchen, wie mithilfe von Künstlicher Intelligenz Roboter für die Interaktion mit physischen Objekten trainiert werden können, um die Produktivität beim Münzzählen zu steigern.

Mehr dazu hier: Sberbank and Microsoft bring AI to robotic cash handling

Bank warnt vor Nutzung des Fingerabdrucklesers

Moderne mobile Authentifizierungsmethoden bergen auch Risiken. Die südkoreanische KaKao Bank hat jetzt Kunden angewiesen, die Fingerabdruckerkennung auf Samsung Galaxy S10-Handys zu deaktivieren, da unregistrierte Abdrücke aufgrund einer Sicherheitslücke die Telefone entsperren können. Der Handyhersteller will die Sicherheitslücke kurzfristig schließen.

Mehr dazu hier: Bank cautions customers against using Samsung fingerprint reader

Zu guter Letzt: Wie ehrliche Finder Mobile Banking nutzen

Ein ehrlicher Brite hat eine Brieftasche mit einer Bankkarte und ID gefunden. Statt das Konto leer zu räumen, spürte er den Besitzer auf, indem er eine Reihe von Ein-Cent-Überweisungen mit eingebetteten Nachrichten verschickte, in denen er erklärte, dass er das Portemonnaie gefunden hatte.

Mehr dazu hier: Good Samaritan uses online bank transfers to find lost wallet’s owner

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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