Vom Dialog zwischen Menschen zum Nachrichtenkanal

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Schafft Facebook den Wandel?

Die Zukunft von Facebook

Wird Facebook auch in Zukunft das dominierende Social Media Netzwerk sein?
© Alexey Boldin / Shutterstock

Facebook ist unumstritten das weltweite größte soziale Netzwerk. Doch wird es auch in Zukunft Social Media dominieren? Immer wieder kommen kritische Stimmen auf und andere Netzwerke wachsen derzeit deutlich schneller.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Studien, die über Facebook und seine Nutzer geschrieben worden sind. Ebenso laut wie vorhersagbar war dann das einsetzende, fast pawlowsche Geschrei der klassischen Medien, die den Untergang des Marktführers der Sozialen Netzwerke voraussahen. Da schwang wohl immer eine Portion Neid mit, wenn auf die große Aufenthaltsdauer der Facebook User geschaut wird. Doch sind die „Das (Facebook) Ende ist nah!“ Schilder hier wirklich gerechtfertigt? Oder ist es gar nicht so schlimm?

Das Medium zum Austausch

Als Facebook im Jahre 2004 gegründet wurde, stand ein Gedanke im Zentrum: Eine Plattform zu schaffen, die dem Austausch zwischen Menschen dient. Ein Grundbedürfnis in einer Gemeinschaft sozialer Lebenwesen ist es, zu wissen, was die anderen Mitglieder der eigenen Gruppe gerade für Aktivitäten praktizieren bzw. vor kurzem getan haben. Es geht natürlich deutlich über die minimalistische Mutter-Kind-Kommunikation hinaus, wie sie Konrad Lorenz bereits 1949 bei Graugänsen beschrieb („Hier bin ich, wo bist Du?“). Und gerade an einer Universität sind ohne Zweifel Aktivitäten der ganz anderen Art denkbar. Doch im Kern ist es wahrscheinlich genau das Erfolgsrezept von Facebook: Die Antworten auf zwei Fragen als Austausch von zwischenmenschlichen Informationen auf einem offenen Basar „Face to Face“:

  • Nehmen: Was machen die anderen?
  • Geben: Was mache ich? 

Es befriedigt die Neugier für den kleinen Aufwand der Preisgabe von ein paar persönlichen Informationen. Dass hier zusätzlich die Motivation der Selbstdarstellung als Triebfeder hinzukommen mag, lassen wir an dieser Stelle einmal außer Acht.

Dieser Informationsaustausch funktioniert auch außerhalb der Universität(en). Dieses macht der rasante Zulauf, den Facebook in der letzten Dekade auf globalem Maßstab erleben durfte, mehr als deutlich. Über eine Milliarde Nutzer posten und texten sich Ihre Alltagserlebnisse, Meinungen und Informationen über das große weite Netz gegenseitig zu. Ein ohne Zweifel babylonisches Sprach- und Themengewirr, dessen Gewicht sich im Bedarf von Facebook nach immer neuen Datencentern niederschlägt.

Wandel der Nutzung

Doch es hat sich auf Facebook in den letzten Jahren einiges verändert und hier tragen mehrere Faktoren dazu bei, dass es nicht mehr die kleine Plattform von der Uni ist, die im Wesentlichen dem reinen Austausch unter Menschen dient:

Werbung

Die zunehmende Werbung bzw. die (Content) Kommunikation von Unternehmen und Organisationen haben den Newsfeed der Nutzer aufgebläht. Neben wertvollen Informationen sind hier ohne Zweifel auch klassische und dabei teilweise überaus nervtötende Anzeigenschaltungen dazwischen, welche den Adressaten den Spaß an der Nutzung von Facebook verwässern. Und der Werbedruck wächst zusehends. Dass die Werbetreibenden den Usern von Facebook auf die mobilen Endgeräte folgen, ist nur logisch, da der Großteil der Nutzung von Facebook mittlerweile mobil ist. Für den freien Zugang zu Facebook zahlt der User – neben der Preisgabe seiner Daten – mit der Akzeptanz der Werbeschaltung in seinem Nachrichtenstrom.

Dass Facebook als börsennotiertes Unternehmen Gewinn machen muss, ist logisch und wird ohne Fragen auch hingenommen, um die Plattform weiterhin „frei“ nutzen zu können. Ob der Werbedruck sich dauerhaft negativ auswirken wird, kann ich an dieser Stelle nicht abschließend bewerten.

Nachrichtenkanal

Um ihren Lesern zu folgen, mussten Zeitungen und Nachrichtenmagazine ihre News als Häppchen in den Sozialen Netzwerken positionieren, um von der hohen Aufenthaltsdauer der User dort zu profitieren und diese letztendlich wieder auf ihre Seiten zu leiten. So ist Social Media insgesamt als Informationsquelle für Nachrichten über die Jahre immer wichtiger geworden. Denn die Medienhäuser und Newschannels bieten den Nutzern auf ihre Art und Weise neben der reinen Informationsquelle auch eine Möglichkeit, eben genau diese Inhalte weiterzuleiten und persönlich für sich und seine Freunde einzuordnen und zu kommentieren. Hier hat Facebook seine Position in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Dass der Platzhirsch mittlerweile den größten Anteil des Nachrichtenstroms erhält, dürfte keine wirkliche Überraschung sein.

Dass Algorithmen den Nachrichtenstrom an meine Vorlieben anpassen aber mich auf der anderen Seite in Richtung auf den News Mainstream beeinflussen wollen, ist hier nur ein Nebenaspekt, den ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte. Eine Auswirkung auf die wahrgenommene Nachrichtenlage wird dieses jedoch ohne Zweifel haben. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses langfristig gesellschaftlich auswirken wird.

Raus aus der Öffentlichkeit

Das Phänomen der Facebook Partys sowie immer wieder Reputation schädigende Beiträge, die letztendlich sogar in der klassischen Presse auftauchen, zeigen, dass die User mit der Verbreitung von eigenen Informationen nicht ganz problemlos umgehen können. Als dann noch die großflächige Ausspähung der Nutzerschaft von Sozialen Netzwerken durch diverse Geheimdienste durch Edward Snowden bekannt gemacht worden ist, hat der offene Basar zum Austausch persönlicher Informationen aus meiner Sicht nachhaltig Schaden genommen. Die parallel auftauchenden Messenger Plattformen wurden von den Usern dankbar angenommen, um Dialoge von der Bühne in einen „scheinbar“ persönlicheren Raum zu verlagern.

Ob diese Plattformen den Erwartungen der User nach Schutz und Privatsphäre immer entsprechen, lassen wir mal dahingestellt sein. Doch „dieser Anteil“ am Informationsaustausch ist für Facebook als Plattform erstmal verloren.

Wie verändert das Facebook?

Was sich nun beobachten lässt, ist eine Anpassung der Nutzung von Facebook. Die Nutzer werden passiver und stellen weniger eigene Inhalte ein. Ob dieses sich in der grundsätzlichen Einstellung zum Medium niederschlagen wird, muss sich erst zeigen. Eine generelle innere Veränderung der User scheint nachweisbar zu sein. Doch schädigt diese Entwicklung auch Facebook als Plattform im Bestand? Oder erleben wir nur einen Wandel von einem Netzwerk für den Dialog zwischen Menschen hin zu einem umfassenden Nachrichten- und Medienangebot mit einer großen Werbebeilage? Letzteres müsste nicht zwingend den Untergang von Facebook bedeuten, sondern wäre eher eine Metamorphose.

Wenn dem so wäre, dürfte Facebook auch in den nächsten Jahren ein weiterhin umfangreiches Betätigungsfeld für Medienschaffende und Werbetreibende bieten. Schauen wir mal, wie es kommt.


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Über den Autor

Nils Papendorf

Nils Papendorf befasst sich seit rund 16 Jahren mit den verschiedenen Facetten der Online-Medien. Als Sparkassenkaufmann und über sein Studium der Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Bankbetriebslehre zog es ihm aus Göttingen nach Hamburg zu Deutschlands größter Sparkasse. Dort war er über acht Jahre verantwortlich für Website, Online-Marketing und Social Media. Beruflich wie privat ist er eng den sozialen Medien verbunden und bietet seit einigen Jahren auch Beratung oder Vorträge für Unternehmen und Organisationen an, die sich diesem Feld öffnen wollen.

2 Kommentare

  1. Joachim Kaiser am

    Hallo Herr Papendorf,
    ich finde Ihren Artikel sehr interessant und sehr gut interpretiert. Vielen Dank für den Beitrag.

    Mit freundlichen Grüßen vom Stettiner Haff
    Joachim Kaiser

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