Banken am Abgrund – darf ich noch ein bisschen schubsen?

Drei Gründe für die nicht endende Reputationskrise der Banken

Die Finanzkrise ist zur übermächtigen Bedrohung der Menschen geworden. Sie war da. Existenzbedrohend. Aber sie ist nicht besiegt. Sie lauert an der nächsten Ecke auf uns. Gefühlt zumindest. Damit sitzt die Finanzwirtschaft in einer bösen Psycho-Falle.

Suche der Banken nach dem Weg aus der Reputationskrise

Die mühevolle Suche der Banken nach einem Weg aus der Reputationskrise.

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Man könnte langsam reichlich genervt sein von der Hypertonie unserer Gesellschaft, dass die Bedrohung durch viel zu schwache und obendrein gewissenlose Banken immer noch fortbesteht. Dass die Finanzkrise nicht wirklich besiegt, sondern nur besänftigt ist. Dass den Finanzriesen weitere Fesseln angelegt werden müssen, auch auf die Gefahr hin, dass die Institute sich selbst strangulieren. Dass der Kampf gegen gewissenlose Banker noch nicht zu Ende ist. Diese Verärgerung verstellt aber den Blick für die Ursachensuche. Warum steht die Bankwirtschaft einer derart geschlossenen Abwehrfront gegenüber?

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Die einfache Antwort ist: Weil die Branche Fehler gemacht hat. Doch diese Begründung springt zu kurz.

Drei Gründe für die Reputationskrise der Banken

Es gibt drei tief verankernde Gründe für die nicht enden wollende Reputationskrise der Banken – und damit für den fortwährenden Zweifel an der „Licence to operate“ der Institute:

  1. Banken sind mit einer neuen Religion der Angst konfrontiert.
  2. Verurteilt zum passiven Beobachten – das gefällt niemanden.
  3. Flucht in das Kleinklein der Finanzfragen – um die Systemfrage nicht zu stellen.

1. Banken sind mit einer neuen Religion der Angst konfrontiert

Tiefenbohrungen von Philosophen und Psychologen zeigen: Es gibt eine Religion der Angst, die den schwindenden Glauben an Gott ersetzt. Die Angst diktiert uns Verhaltensregeln und -gebote – als Ersatz für die 10 biblischen Gebote. Wir sind gefordert, uns gegen „das Böse“ zu wehren. Das tun wir auch fleißig. Am Stammtisch und mit diffusen Forderungen an die Politik, diesen Gefahren endlich Einhalt zu gebieten. Und die Politik folgt dem Wählerwillen…

Dieser Mechanismus ist im Übrigen sehr praktisch: Wenn ich das Böse woanders sehe, muss ich nicht an mir selbst arbeiten. Das hilft auch über eigene Defizite hinweg. Nach dem Motto: „Erst stopfen sich die Banker die Taschen voll, und dann geben sie mir keine Zinsen für das Geld auf meinem Sparbuch.“

2. Verurteilt zum passiven Beobachten – das gefällt niemanden

Es fällt uns unendlich schwer, auf die passive Rolle des Beobachters reduziert zu werden. Doch das ist die Tatsache. Wem ist es schon möglich, die Geschicke der Bankbranche zum Besseren zu wenden? Das kann noch nicht einmal die Bundeskanzlerin. Wie soll mir das als kleinen Bürger möglich sein? Diese Erkenntnis tut uns allerdings weh! Das darf nicht sein! Wir wollen nicht hilflos sein, wenn uns eine Bedrohung umzingelt!
Genau hier liegt die große Chance der Branche. Genossenschaftsbanken machen im Kleinen vor, wie es im Großen aussehen muss. Die Genos gehören ihren Mitgliedern. Sie stellen sich ihren Genossen in Versammlungen, und jeder Genosse darf mitbestimmen. Genossenschaftsbanken liefern damit ein Ventil für die Verzweifelten, auch wenn das von den Menschen gar nicht so wahrgenommen wird. Sie honorieren ihre Einflussmöglichkeit mit einer höheren Reputation der Volks- und Raiffeisenbanken. Sie sind in ihrer Kundschaft verwurzelt.
Davon kann sich die Bankbranche Einiges abgucken. Wenn es um die „Licence to operate“ für eine ganze Branche geht, dann sollten wir die Menschen fragen und einbeziehen, was die „Licence to operate“ künftig sein soll.

  • Wozu brauchen wir künftig Banken?
  • Welche Aufgaben sollen sie auch künftig übernehmen?
  • Wo sind die roten Linien, deren Überschreiten gesellschaftlich nicht akzeptiert wird?

Auch wenn es wagemutig klingt: Die Branche sollte den Diskurs mit 80 Millionen Menschen anstoßen und ihre „Licence to operate“ erneuern.

Sie sagen, das geht nicht? Falsch. Es ist ein Paradigmenwechsel. Wir versuchen nicht mehr zu verteidigen, was wir tun. Wir fragen, was die Gesellschaft von uns zu tun erwartet. Die Branche verschleißt Abermillionen im Verteidigen ihrer Arbeit. Seit Jahren. Ohne Erfolg. Da ist ein Umdenken angeraten.
Keine Sorge, dabei wird wenig Überraschendes herauskommen. Die Menschen wollen, dass Banken ihnen bei Geldgeschäften helfen und die deutsche Wirtschaft weltweit erfolgreich macht. Sie wollen keine Spielcasino-Mentalität mehr. Herausfordernder wird es sein, die mit der Gesellschaft neu verabredeten roten Linien als Branche dann auch geschlossen zu akzeptieren.

3. Flucht in das Kleinklein der Finanzfragen – um die Systemfrage nicht zu stellen

Da die Bankbranche diese Beteiligung nicht anbietet, flüchten sich die Menschen in das Kleinklein der Finanzfragen. Wie sie doch noch Zinsen bekommen. Ob sie ihren Hypothekenkredit früher ablösen. Ob ein klitzekleiner Ausflug an die Börse doch mal versucht werden sollte. Dieses Kleinklein ist eleganter Selbstbetrug, denn es täuscht darüber hinweg, dass wir die komplexen Fragen zur Zukunft des Banksystems nicht stellen – und schon gar nicht zu beantworten suchen.

Ängstlich gucken wir aus unserem Schneckenhaus fürchten uns vor der Allmacht der Banken

So verkriechen wir uns in das Schneckenhaus unserer kleinen, persönlichen Finanzprobleme und gucken ängstlich hinaus, wo diese (wortwörtlich) unfassbare Gefahr der ungezügelten Finanzbranche lauert. Wir gerieren uns als Opfer. Das ist für den Einzelnen ein Problem. Und wird zum Problem der Finanzbranche. Denn so wird es beim Rufen nach weiteren Regulierungen und Strangulierungen bleiben.

Fragt sich nur noch: Wo sind die Bankmanager, die das erkennen und zum Aufbruch im Kampf um die gesellschaftliche Unterstützung für ihre Branche blasen?

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Über den Autor

Jörg Forthmann

Jörg Forthmann ist Geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsberatung Faktenkontor. Das Faktenkontor hat sich auf die Unternehmens- und Vertriebskommunikation spezialisiert und betreut eine Reihe namhafter Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister. Auf Basis von fundierten Analysen entwickelt die Beratungsgesellschaft Handlungsempfehlungen für ihre Mandanten. Forthmann hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und das journalistische Handwerk im Axel-Springer-Verlag erlernt. Bei der Nestlé Deutschland AG arbeitete er in der Unternehmenskommunikation. Nach einem Wechsel als Pressesprecher zur Unternehmensberatung Mummert Consulting gründete er die Pressestelle des Hauses als PR-Beratung aus. Aus dieser Ausgründung ist das heutige Faktenkontor mit 30 Mitarbeitern in Hamburg, Frankfurt und Berlin entstanden.

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