Eine Bank wie Apple?

Der App Store für Ihre Finanzen

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Stellen Sie sich eine Bank wie Apple mit einem App Store auf Ihrem iPhone vor, d.h. eine sichere Plattform, die eine Vielfalt an innovativen Softwareanwendungen zur Verwaltung Ihrer persönlichen Finanzen bietet. Eine Illusion? Wer weiß? Ansatzpunkte gäbe es.

Die Apple Bank als Plattform auf dem iPhone

Stellen Sie sich eine Bank wie den App Store auf Ihrem iPhone vor, d.h. eine sichere Plattform, die eine Vielfalt an innovativen Softwareanwendungen zur Verwaltung der Finanzen bietet.

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FinTech war bisher eher eine Evolution statt einer Revolution. Bisher gab es zwar eine Digitalisierung bestehender Geschäftsmodelle, aber keine disruptive Veränderung der ganzen Branche wie durch Netflix oder Spotify. Auf meiner Suche nach einem wirklichen Gamechanger habe ich mich gefragt, was wäre, wenn eine Bank oder Versicherung wie Amazon, Apple, Instagram oder Google funktionieren würde.

Der App Store hat nicht nur die Softwarebranche revolutioniert

Mit dem App Store hat Apple zweifelsohne die Softwarebranche revolutioniert. Und in der Folge das Entstehen zahlloser bahnbrechender neuer Geschäftsmodelle in mehreren anderen Bereichen ermöglicht. Viele der heutigen digitalen Geschäftsmodelle wären ohne den App Store von Apple nicht möglich gewesen.

Vor der Einführung des App Store im Jahr 2008 wurde die Softwarebranche von einigen wenigen großen Unternehmen beherrscht. Mit der Einführung des App Store wurde es für jeden Entwickler möglich, neue Software zu entwickeln und sie ohne großen Aufwand einer großen Zahl von Menschen zugänglich zu machen.

Mit dem App Store hat Apple einen vertrauenswürdigen Marktplatz für alle Arten von Software und digitalen Geschäftsmodellen geschaffen. Klare Richtlinien und Kontrollen sorgen dafür, dass die Privatsphäre der Nutzer trotz der dezentralen Struktur stets geschützt ist.

Stellen Sie sich eine Bank wie den App Store auf Ihrem iPhone vor

Das Prinzip des App Stores könnte auf Banken und Versicherungen übertragen werden. In diesem Szenario stellen Banken oder Versicherungen die Hardware, das Betriebssystem und die Richtlinien einschließlich der zentralen regulatorischen Funktionen, der Bilanz und der Transaktionen zur Verfügung. Auf dieser Plattform können Entwickler neue innovative Lösungen entwickeln, die dann über einen App Store den Kunden zur Verfügung gestellt werden.

Ich spreche hier nicht von einer komplexen und langwierigen Integration wie bei den heutigen Banking-as-a-Service Anbietern. Ich spreche von der Möglichkeit, dass Tausende von Entwickler, von Freiberufler bis hin zu großen Studios, auf einfache Weise neue Anwendungen für deine Finanzen entwickeln und sie dir über einen Marktplatz zur Verfügung stellen können.

Das Ergebnis wäre eine unglaubliche Vielfalt an großartigen neuen Anwendungen rund um die Kernfunktionen des Bankgeschäfts, z. B. Budgetierung, Gutscheine, Cashback, Finanzierung, Marktinformationen, Brokerage usw.

Zugang zu den besten Funktionen, ohne meine Bank zu wechseln

Ein gutes Beispiel ist die Budgetfunktion. Die Kategorisierung und Überwachung meiner Ausgaben in einem „Haushaltsbuch“ ist eine nützliche Ergänzung zum Online-Banking. Fast alle Banken bieten dies inzwischen in irgendeiner Form als Teil des Online-Bankings an. Allerdings ist die Benutzerfreundlichkeit der meisten Lösungen eher mittelmäßig.

Es gibt solide Lösungen auf dem Markt, aber ich bin an die Lösung meiner Bank gebunden. Wenn alle anderen Dienste stimmen, würde niemand seine Bank nur wegen einer einzigen Funktion wie einem Budgetierungstool wechseln.

Das bedeutet, dass ich oft mit mittelmäßigen Lösungen leben muss oder mit Lösungen, die nicht meinen persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Stell dir vor, ich könnte im „App-Store“ meiner Bank aus einer Vielzahl von Budgetierungslösungen die für mich beste Lösung auswählen und diese einfach mit meinem Konto verbinden, ohne die Bank wechseln zu müssen.

Die größten Ökosysteme werden die Gewinner sein

Heute sträuben sich Banken und Versicherungsunternehmen verzweifelt dagegen, ihre Plattformen zu öffnen. Das geht so weit, dass sie sogar die Umsetzung des bestehenden europäischen Rechts sabotieren. Dahinter steckt die falsche Angst, dadurch Kunden zu verlieren. Das Gegenteil wäre der Fall.

Ich bin überzeugt, dass eine Bank oder eine Versicherung massiv Marktanteile gewinnen würde, wenn sie ihre Plattform für ergänzende Angebote Dritter öffnet. Die erste Bank oder Versicherung, die sich wirklich öffnet, verschafft sich einen kaum einholbaren Wettbewerbsvorteil und könnte den Markt regelrecht aufmischen.

Es entstünde ein Wettbewerb darum, wer den besten App-Store, also das größte Ökosystem, hat. Je mehr Angebote von Dritten, desto attraktiver die Finanzplattform. Gewinnen würden die Finanzdienstleister, die es Drittanbietern am einfachsten machen, sich anzuschließen, und somit über das größte und beste ergänzende Angebot verfügen.

Wie bei der Einführung von Apples App Store würden völlig neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entstehen, die die traditionellen Bank- und Versicherungsprodukte ergänzen. Ein verstärkter Wettbewerb um die besten Zusatzlösungen würde zu einer weiteren Verbesserung der auf dem Markt angebotenen Lösungen führen. Auch für Drittanbieter ist es wirtschaftlich attraktiv, wirklich herausragende Lösungen zu entwickeln, da sie über mehrere Banken oder Versicherungsgesellschaften hinweg skaliert werden können.

Warum gibt es dafür (noch) keine Finanzierung?

Ich höre schon die ganzen Einwände. Aus Gründen des Datenschutzes, der Sicherheit und der Regulierung ist das nicht möglich. Das sind alles nur faule Ausreden. Apple hat gezeigt, wie man eine offene und gleichzeitig sichere Plattform aufbaut. Selbst Banken und Versicherungen bieten inzwischen Apps auf der externen Plattform von Apple an. Warum sollte es also nicht möglich sein, sichere Finanzplattformen zu schaffen, in die Angebote Dritter integriert werden können?

Die Idee und die Vorteile dieses Modells sind offensichtlich. Warum gibt es dann die App Store Bank noch nicht? Es wäre ein enormer Aufwand, eine komplette Bank mit einer technologischen Plattform aufzubauen. Die etablierten Banken und Versicherungen hätten sicherlich die Ressourcen, aber es fehlt ihnen der Handlungsdruck und die unternehmerische Einstellung für einen solchen disruptiven Ansatz. Aber warum gibt es kein Risikokapital für ein solches überlegenes Modell?

Über den Autor

Til Klein

Til Klein ist ein deutscher Unternehmer in der Schweiz, Gründer des Altersvorsorge FinTechs Vantik und Mitglied im Expertenrat für die Europarente PEPP bei der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA. Als Partner bei Boston Consulting Group (BCG) hat er Finanzdienstleister in der DACH Region, in Nordics und in Südostasien beraten. Bei der schweizer Grossbank UBS war er für die Vertriebsentwicklung von Privat- und Geschäftskunden verantwortlich. In seinem Blog „The Rebel Banker“ schreibt er über FinTech Innovation. Mit Identity Ventures hat er den ersten LGBTQ+ Impact Venture Capital Funds in Europa mitgegründet.

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