Früher Vogel, zweite Maus oder doch die Katze?

Wer gewinnt das Rennen um den Kunden?

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ lautet ein bekanntes Sprichwort, für das es allerdings auch einige relativierende Alternativen und Entgegnungen gibt. Was bedeutet dies im Wettbewerb von etablierten Kreditinstituten, FinTechs und BigTechs im Wettbewerb um die Gunst des Kunden?

Holt die Katze Maus und Vogel?

Den frühen Vogel holt abends die Katz und die Maus gleich mit…

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Innovationen sind notwendig, um Erfolg im Wettbewerb zu haben. Und innovativ sein, bedeutet logischerweise, der erste mit etwas zu sein. Sonst wäre es ja nicht innovativ.

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Aber stimmt dies tatsächlich so pauschal? Ist es richtig, immer der erste zu sein? Oder besser der Zweite? Oder besser, noch länger abzuwarten? Welche Strategie verspricht Banken und Sparkassen im Wettbewerb mit anderen Banken, aber auch mit FinTechs und BigTechs den größten Erfolg?

„Der frühe Vogel frisst den Wurm“

Das weithin bekannte Sprichwort soll verdeutlichen, dass man Dinge frühzeitig anpacken soll, um erfolgreich zu sein. Sein Ursprung geht darauf zurück, dass Würmer vor allem in der Feuchtigkeit des Morgengrauens an der Erdoberfläche zu finden sind.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Der frühe Vogel frisst den Wurm, aber was ist mit dem frühen Wurm? Und auch der späte Wurm lebt länger.

Im deutschen gibt es dafür noch einige andere Ausdrücke: „Morgenstund hat Gold im Mund“, „Wer zuerst kommt, malt zuerst“ oder „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“.

Allem Anschein nach, sind wir zwar besonders darauf bedacht, Dinge bekanntermaßen gründlich zu erledigen, aber eben nicht unbedingt als erster. Warum sonst müssten wir uns sonst ständig dazu motivieren?

„Die zweite Maus frisst den Käse“

Es ist wohl die beliebteste Replik all derjenigen, die ungerne früh aufstehen. Verdeutlich werden soll damit, dass eben nicht immer der erste auch automatisch am Ende der Gewinner ist. Im Gegenteil, er kann sogar zu den (absoluten) Verlierern gehören.

Die zweite Maus bekommt den Käse

Erst die zweite Maus bekommt den Käse …

Auch hierzu gibt es Sätze mit derselben Bedeutung. Am bekanntesten: „die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten“ (Matthäus 19,30. Gemeint war damit die mögliche Umkehrung der Verhältnisse am Jüngsten Tag). „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ ist die entsprechende Auslegung im Volksmund.

„Den frühen Vogel holt abends die Katz und die Maus gleich mit…“

Oder wie der Kabarettist Volker Pispers es formulierte: „Je mehr Würmer der frühe Vogel gefangen hat, umso schmackhafter ist das Mittagessen der ausgeschlafenen Katze.“

Die Katze betrachtet sich die fette Maus

Die Katze betrachtet sich die Maus. Ob diese den Käse schon gegessen hat?

Zudem bietet die zweite Maus mitsamt dem Käse einen schmackhaften Leckerbissen für die ausgeschlafene Katze.

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Bedeuten Innovation und Erster zu sein, automatisch Erfolg?

Vor allem in Branchen und Bereichen, die von technischem oder naturwissenschaftlich getriebenem Erfindergeist dominiert sind, kann der Erste Pioniergewinne abschöpfen. Allerdings gibt es selbst dort Zweite und Dritte, die gutes Geld verdienen, man denke zum Beispiel an Generika im Pharmabereich.

Doch wie sieht es im Wettbewerb des Finanzsektors aus? Früher Vogel, zweite Maus oder doch die Katze? Und wer ist wer, wenn man sich etablierte Kreditinstitute, FinTechs und BigTechs wie die GAFAs anschaut?

Banken und Sparkassen neigen meist dazu, mehr oder weniger herdenartig – gemeinsam oder kurz nacheinander – mit einem neuen Angebot an den Markt zu gehen. Das hat sich jüngst beim Thema Mobile Payment wieder bestätigt.

Die Innovationszurückhaltung der etablierten Institute hat – neben den technologischen Möglichkeiten – vor etlichen Jahren zur Gründung von Direktbanken geführt. Mir ist hierzulande jedoch keine Direktbank bekannt, die inzwischen nicht Konzernbestandteil einer etablierten Bank wäre.

Vor wenigen Jahren kam es dann zum Aufkommen der FinTechs. Inzwischen hat sich allerdings die anfangs damit verbundene Euphorie um eine vermeintliche Disruption der Finanzbranche gelegt. Immer mehr FinTechs haben erkannt, dass mit einer Zusammenarbeit mehr zu holen ist, als in der direkten Konkurrenz.

Es gibt sogar FinTechs, die im Verlauf dieses Erkenntnisprozesses selbst zur Bank geworden sind. Einige dieser Neo-Banken sind ebenfalls bereits unter das Dach von etablierten Kreditinstituten geschlüpft. Andere hoffen noch darauf oder müssen ihren selbständigen Erfolg und dessen Nachhaltigkeit erst noch unter Beweis stellen.

Welche Strategie punktet beim Rennen um die Gunst der Kunden?

Wer also liegt im Kampf um die Gunst des Kunden vorne? Wer ist Gewinner, wer Verlierer? Und wird jeder, der nicht gewinnt, automatisch zum Verlierer?

Die Banken haben erkannt, dass sie in digitale Technologien investieren müssen. Und sie haben ihre Kapitalkraft und Kundenstärke genutzt, dies zu tun, bzw. sind dabei, dies zu tun.

Das spricht nicht für die  „Strategie des frühen Vogels“. Je nachdem, wie man die zahlreichen Fusionen und Übernahmen im Finanzsektor bewertet, scheint eher die „Strategie der zweiten Maus“ zu funktionieren. Dabei sollte man „Maus“ allerdings eher symbolisch sehen und nicht mit der Größe der Institute in Verbindung bringen.

Doch lauert im Hintergrund womöglich doch eine Katze? Oder gar mehrere?

Die Diskussion um eine mögliche Neuordnung der Wettbewerbsstrukturen ist keineswegs verstummt. In dem Maße, in dem es um FinTechs ruhiger wurde, mehrten sich die Befürchtungen um einen möglichen Einstieg von Google, Apple, Facebook und Amazon (#GAFA) ins Bankgeschäft. Spätestens im vergangenen Jahr wurde dieser Kreis dann noch um die chinesischen Technologieunternehmen #BAT (Baidu, Ant und Tencent) erweitert. Und wenn man sich deren Wachstum und die jüngsten Funding-Erfolge ansieht, dann ist zumindest klar, dass man diese Bedrohung ernst nehmen sollte.

Noch allerdings ist nicht erkennbar, ob es sich bei den BigTechs um Katzen handelt, die Appetit auf Mäuse haben. Meine These ist, dass eher nicht. Vor allem, weil ihnen ihr bisheriges Futter (=Geschäftsmodell) besser gefällt (d.h. profitabler ist als Banking) und sie es nicht gegen ein reguliertes Modell eintauschen wollen.

Doch es gilt auch hier die Alltagsbeobachtung: Eine Katze, die einmal Sheba oder Whiskas im Leben gefressen hat, wird nie mehr auf Mäusejagd gehen. Dennoch sollten Vögel und Mäuse besser auf der Hut vor ihr sein…

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Digitalisierung, Innovation und Vertrieb hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland und bietet Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management sowie Beratung/Consulting an.

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