Vertrauen 4.0: Die Digitalisierung live erleben

FinTech-Boom und kein Ende in Sicht?

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Finanzdienstleister der nächsten Generation

FinTech Start-ups im Vormarsch

Innovative FinTech Start-ups fordern die etablierten Banken und Sparkassen auf verschiedenen Geschäftsfeldern heraus
© Shutterstock

Das Thema „FinTech“ boomt unverändert, hat es den Anschein. Interessantes zu hören gab es dazu vor kurzem auf einer Tagung zur Digitalisierung der Finanzdienstleistung. Einige Highlights stelle ich Ihnen heute vor.

Mitte November fand in Hamburg unter dem Titel „Die neue digitale Macht der Kunden“ eine Tagung der Frankfurt School of Finance im Rahmen der Reihe „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ statt. Man darf dem Veranstalter zugutehalten, unter den ersten gewesen zu sein, die hierzulande den Trend der Digitalisierung der Finanzdienstleistung nicht nur erkannt, sondern aktiv aufgegriffen zu haben. Inzwischen allerdings gibt es kaum noch jemand, der sich das Thema nicht auf die eigene Fahne schreiben würde.

Insofern war ich gespannt, ob im Rahmen der Veranstaltung Neues zu dem Thema zu hören sein würde, was bei genauem Hinsehen bei kaum einer öffentlichen Veranstaltung wirklich der Fall ist. Ehrlicherweise liegt der Hauptnutzen von solchen Treffen auch ohnehin mehr in den Gesprächen, die zwischen den Vorträgen geführt werden.

Wenig Neues, aber einiges Interessantes zum FinTech-Boom

Und so war es auch in Hamburg. Es gab zweifelsfrei interessante Vorträge von nicht minder interessanten Referenten, aber wirklich Neues war nicht dabei. Dafür sind die Positionen inzwischen auch allzu bekannt. Stark vereinfacht dargestelt:

  • Die FinTech Seite (Investoren und Start-ups) spricht – nicht ganz uneigennützig – unverändert von einer Revolution des Bankgeschäfts.
  • Die Bankenseite verweist auf die bislang geringen Erfolge der FinTechs und die eigenen digitalen Bemühungen.

Die Wahrheit dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion FinTech und Banken

Norbert Paddags, Mark van den Arend, Robert Freitag, Jens Kohnen und Remigiusz Smolinski (v.l.n.r.) bei der Podiumsdiskussion

Also ist der Artikel hier zu Ende? Nicht ganz, ich möchte Ihnen doch einige (subjektiv ausgewählte) bemerkenswerte Highlights kurz vorstellen.

  • Michael von der Horst, Cisco, wunderte sich zu Recht, dass angesichts der vermehrten Schließung von Filialen das Thema Videoberatung nicht stärker im Fokus der Banken steht. In Bezug auf Cyber Security merkte er an, dass es zwei Gruppen von Unternehmen gäbe: Solche, die gehackt werden und dies wissen und solche, die gehackt werden und dies nicht wissen, wobei die letzteren besondere Probleme hätten.
  • Jörg Hessenmüller, CFO der mBank, stellte das innovative Konzept dieser Bank vor. Interessant fand ich sein Statement, dass IT keine Kernkompetenz der Banken sei und demzufolge die mBank überlege, diese auszulagern. Darüber kann man im Zeitalter der Digitalisierung schon mal intensiv nachdenken und diskutieren.
  • Mariusz Bodek von der comdirect fand deutliche Worte zum derzeitgen FinTech-Hype: „Manchen FinTech-Startups wohnt bei der Suche nach Investitionskapital sicherlich auch ein Stück weit Scharlatanerie inne“.Interessanterweise erhob sich hier kein hörbarer Widerspruch.
  • Thomas Dapp von DB Research verwies darauf, dass das bisher bei Banken übliche Solo-Denken im digitalen Zeitalter nicht mehr funktioniere und nur zur Verdoppelung oder Vervielfachung von Arbeit und Kosten führe. Er riet Banken dazu, einen Chief Digital Officer einzusetzen, der die digitale Transformation bereichsübergreifend vorantreiben muss.
  • Norbert Paddags verwies darauf, dass FinTech nicht wirklich in den Kernfunktionen des Bankgeschäfts aktiv seien und schon von daher FinTechs Banken nicht ersetzen könnten.
  • Besonders bemerkenswert fand ich folgende Aussage von Remigiusz Smolinski von der comdirect: „Banken, die FinTechs ignorieren, werden verlieren. Banken, die FinTechs fürchten, haben schon verloren“.
  • Robert Freitag von der Sutor Bank meinte, was nützen Filialen, wenn Kunden dort lange warten müssten und ihr Problem dann doch nicht gelöst würde.

Einig war man sich unter den Referenten, dass Auswirkungen des FinTech-Booms auf die Erträge der etablierten Banken und Sparkassen derzeit nicht zu erkennen sind. Zum einen, da deren Erträge primär zinsinduziert sind, zum anderen, da der Marktanteil der FinTechs im Provisionsgeschäft (noch) marginal ist.

Einig war man sich aber auch, dass der FinTech-Boom ein Weckruf für die Banken ist und diese reagieren müssten, um zum einen die unausweichliche digitale Transformation zu meistern, zum anderen aber sich endlich verstärkt um die Interessen der Kunden zu bemühen.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen Querschnitt der Meinungen aus der Bankenbranche zu FinTechs. Ergänzend zu diesem Artikel muss der Zusammenschluss der FIN (https://www.der-bank-blog.de/internet-giganten-verbuenden-sich-im-banking/digital-banking/20286/) betrachtet werden, denn dieses Unternehmen und die Lobby die damit verbunden ist wird spielend Projekte und Umsetzungsgeschwindigkeit vorleben.

    Mehr denn je ist es notwendig Digitalisierung als Kerngeschäft zu verstehen und hier müssen die Banken Ihre alten Projekt- und Organisationsstrukturen substantiell verändern um da mit einer FIN mithalten zu können.

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