Die Verantwortung von Banken in der digitalen Transformation

Technik und Mensch vereinen

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Die Digitalisierung hat die Finanzwelt längst ergriffen. Damit die Banken nicht Opfer dieser Entwicklung werden, müssen sie die digitale Transformation kompetent einsetzen und weiterentwickeln.

Mensch und Technik im Banking vereinen

Die Zukunft des Bankgeschäfts liegt in einer Verbindung von Mensch und Technik.

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Das Silicon Valley hat die Welt mit dem Glaubensbekenntnis überzogen, dass die Technik es ermögliche, eine bessere Art von Gesellschaft zu errichten. Fortschritt habe nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine immense kulturelle und politische Kraft. Die innovativen Technologien würden sogar den Staat überflüssig machen.

Digitale Transformation stellt die Welt auf den Kopf

Die ehemals gültige Weltformel von Demokratie mit stetig zunehmender Freiheit und wachsendem Wohlstand wird nun paradoxerweise durch ihre einstigen Konstanten gefährdet: Technologie, Globalisierung und Fortschritt. Die Beziehungen „Wissen ist Freiheit“ und „Fortschritt ist Wohlstand“ scheinen nicht mehr aufzugehen.

Zunehmend breiten sich Angst, Unsicherheit und Überforderung aus. Die Menschen mögen keine Veränderungen, jedenfalls nicht zu viele, so schnell. Die Welt scheint wie ein Labyrinth, ist zugleich komplex, vernetzt und schwierig. Um sie zu gestalten, muss man die Zusammenhänge intellektuell begreifen. Doch Experten, die Erklärungen liefern könnten, genießen kein Vertrauen mehr.

Tatsächlich sind die Herausforderungen durch vernetzte Computer und intelligente selbstlernende Programme, die auf der Suche nach mehr Effizienz große Datenmengen durchpflügen, vielen von uns unheimlich. Das ist kein Wunder. Schließlich handelt es sich um eine disruptive technische Entwicklung mit tief greifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft, vergleichbar nur mit der Erfindung des Buchdrucks oder der Industrialisierung. Die Welt wird neu vermessen – mit einer Systemtransformation, die sich wie eine neue Haut über die alten Strukturen zieht und diese schließlich ablöst. Experten zufolge bedroht die Digitalisierung die Hälfte aller Arbeitsplätze. Zu Recht fragen sich viele Menschen: Wo ist mein Platz in dieser Welt?

Smartphone statt Bankfiliale

Die digitale Revolution hat die Finanzwelt längst ergriffen. „Smartphone statt Filiale“ charakterisiert dramatisch veränderte Nutzungsgewohnheiten. Immer mehr Kunden erledigen Bankgeschäfte entweder online auf dem heimischen PC oder mobil – und tauchen dementsprechend seltener in den Bankfilialen auf.

Damit die Banken nicht Opfer dieser Entwicklung werden, müssen sie die digitale Transformation kompetent einsetzen und weiterentwickeln. Banken müssen ihre Kunden auf dem digitalen Weg fördern, fordern und mitnehmen. Computer können zwar Arbeit ersetzen, aber sie werden auch die Fähigkeiten der Beschäftigten erweitern. Dann bringt der Mensch sein Wissen, seine Intuition und seine sozialen Fähigkeiten ein – mit Ergebnissen, die weitaus besser sind, als wenn man die Entscheidungen allein einer Software überlassen würde.

Technik und Mensch gehören beim digitalen Banking zusammen

Humanismus und technische Fertigkeiten stehen sich also nicht feindlich gegenüber, sondern gehören zusammen. Die digitale Transformation gestaltet den notwendigen kreativen Dialog zwischen dem Technischen und dem Humanen: Sie ist nicht technik-, sondern kundenzentriert und umfasst ganzheitliche Innovationen in einem ausgeloteten Verhältnis zwischen Kunde, Prozess und Technologie. Somit werden Menschen, Märkte und Dinge zueinander im Sinne des Maßvoll-Menschlichen neu in Beziehung gesetzt.

Dort, wo Banken früh das offensichtlich Notwendige veranlassen, ihr Geschäftsmodell umzubauen, da wird sich der Erfolg einstellen. Es gilt also, die besten Ideen zusammenzubringen und den Übergang zu einer neuen Bankenkultur zu gestalten.

Hamburg ist die Heimstatt des Ehrbaren Kaufmanns und bietet eine werteorientierte Erfolgsgemeinschaft, in der sich die Mitglieder des Finanzplatzes gegenseitig antreiben und Interessen austarieren können. Mittelständische Strukturen, Teamwork, Agilität und Leadership sind dafür die besten verbindenden Eigenschaften und Fähigkeiten. Damit kann der Finanzplatz Hamburg die einmalige Chance nutzen, die digitale Transformation mit kooperativen Strukturen – und unter Einbeziehung der FinTechs – vorbildlich als ein evolutionäres Modell zu entwickeln. Dafür ist eine beherzte Gangart notwendig, die digitale Chancen im Blick hat, ohne dabei Datensicherheit, Datenschutz und Transparenz zu vernachlässigen.

Innovation finden systemübergreifend statt

Innovationen finden nicht mehr innerhalb geschlossener Systeme statt, sondern zwischen ihnen – genau dort werden neue Schnittstellen entstehen. Um die unzweifelhaft epochalen Anforderungen an die digitale Transformation von Unternehmen, Sozialsystemen und ganzen Gesellschaften Erfolg versprechend angehen zu können, muss die wichtigste Eigenschaft der Menschheit aktiviert werden: das flexible Kooperieren untereinander. In einer Zeit, in der es keine festen Ordnungen, sondern nur noch Orientierung und Haltung geben kann, ist ein Netzwerk vortrefflich geeignet: Flexibilität und Selbstorganisation sind die treibenden Kräfte, die wir in einer vertrauensvollen, emanzipierten Zusammenarbeit am Finanzplatz Hamburg besonderes gut beherrschen. Der Finanzplatz Hamburg ist bereit, seinen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsgestaltung in der gesellschaftlichen Arena zu leisten.


Der Beitrag erschien ursprünglich als Teil des Jahrbuchs 2017/18 des Vereins Finanzplatz Hamburg, dessen Mitglied der Bank Blog ist. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen oder als Hardcopy bestellen.

Über den Autor

Dr. Reiner Brüggestrat

Dr. Reiner Brüggestrat war bis 2020 Vorstandssprecher der Hamburger Volksbank. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Historiker war zuvor in den Sparkassen Essen und Gelsenkirchen tätig. In weiteren Funktionen engagiert sich der gebürtige Bochumer für die Belange der Metropolregion Hamburg, unter andrem als Vorsitzender des Ausschusses für Finanzwirtschaft der Hamburger Handelskammer und des Allgemeinen Norddeutschen Arbeitgeberverbandes e.V. (ANA).

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