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Mercedes statt Tankgutschein

Wie eine US Bank Neukunden lockt

Bank vergibt Mercedes las Anreiz zur Kontoeröffnung an Neukunden
Mercedes „geschenkt“

In den USA ist alles größer und weiter. Während bei uns Banken versuchen, Kunden mit Tankgutscheinen zur Eröffnung eines Kontos zu bewegen, gibt es dort gleich einen Mercedes.

Hintergrund

Ich habe ja neulich mal kurz über das Thema „Zugaben“ als Mittel der Neukundenakquisition berichtet.

Nun bin ich auf ein Angebot in den USA gestoßen, bei dem Sie für Ihr neues Konto einen funkelnagelneuen Mercedes geschenkt erhalten. „Direkt losfahren, statt auf Zinsen zu warten“ könnte man das Motto überschreiben.

Nicht schlecht sagen Sie? Sehe ich auch so. Bevor Sie nun zu Ihrer hiesigen Bank gehen, um sich über den erhaltenen Tankgutschein zu beschweren oder sogar überlegen, nach USA auszuwandern lesen Sie erst mal weiter.

Die Aktion

Die C1 Bank, eine eher kleine lokale Bank in Florida (Einlagevolumen ca. 650 Mio US $), hat sich anscheinend vorgenommen, bei der Neukundenakquisition nicht zu kleckern sondern zu klotzen. Sofern Sie als Privatmensch mindestens eine Million US $ für fünf Jahre bei der Bank neu anlegen, erhalten Sie einen schicken neuen Mercedes geschenkt. Zur Auswahl stehen die Modelle SLK350 Roadster, E350, ML350 SUV oder E350 Convertible, alles Autos mit einem Serienpreis ab 55.000 US $. Steuern und Zulassungsgebühren übernimmt die Bank auch gleich mit dazu.

Neukunden Marketing Aktion der C1 Bank in Florida

C1 Bank „verschenkt“ Mercedes

Das Ganze wird über ein mit 1,2% p.a. abdiskontiertes Certificate of Deposit (CD) dargestellt, d.h. als Kunde verzichten Sie im Gegenzug auf Zinsertrag.

Sollten Sie Ihr Geld vorzeitig wieder abziehen, werden $ 64,294.04 vom Auszahlungsbetrag einbehalten, der Listenpreis sowie eine Vorfälligkeitsstrafe.

Die Aktion läuft zeitgleich mit der Umbenennung der Bank, die vor dem 1. Mai „Community Bank“ hieß und sorgt damit wirkungsvoll für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Bewertung

Der CEO der Bank, Trevor Burgess, sagt, er sei gespannt, wie das Angebot angenommen werde, sei es doch eine ganz neue Dimension der Neukundenwerbung. Damit hat er zweifelsohne recht. Demgegenüber nehmen sich die „Vergünstigungen” bei der entsprechenden Zielgruppe hierzulande (und jetzt rede ich nicht vom Tankgutschein) eher bescheiden aus. Klar hat das Ganze auch eine steuerliche Dimension und die ist vermutlich hierzulande auch nicht ganz trivial.

Als Marketingaktion ging die Aktion voll auf, es gab logischerweise eine enorme Presseaufmerksamkeit, die mit Geld für die Bank wohl so nicht zu bezahlen gewesen wäre. Als kleine lokale Bank hat man es sogar in die Hauptnachrichten geschafft, die das nachfolgende Interview mit dem CEO der Bank zeigt:

Auch in der Kalkulation dürfte die Rechnung aufgehen, vermutlich erhält die Bank die Autos zu einem rabattierten Preis.

Bleibt die Frage, was die Bank mit dem neuen Geld macht will, was sich zumindest von außen nicht unmittelbar erschließt, denn einen echten akuten Bedarf an Passivmitteln scheint nicht zu bestehen.

Fazit: eine wie ich finde gelungene Marketingaktion, die bei der Kommunikation des neuen Banknamens extrem geholfen hat. Und dies völlig unabhängig davon, wie viel neues Geld die Bank am Ende einsammeln wird.

Nachtrag 1

Übrigens gibt es bis zu zwei Mercedes je Haushalt, d.h. wenn Sie jetzt ernsthaft erwägen ob dieser Aktion auszuwandern hätte auch Ihr Partner die Chance, bei einer eigenen Kontoeröffnung einen Mercedes zur Begrüßung zu bekommen.

Nachtrag 2

Auf meine Anfrage, wie denn die Aktion bei der Kundschaft aufgenommen worden sei, erhielt ich die Antwort, dass man bislang über 50 Anfragen potentieller Kunden entgegengenommen hätte, aber derzeit noch keinen Abschluss verzeichnen könne.

Diskutieren Sie mit

Wie finden Sie die Aktion? Glauben Sie, dass wir hierzulande in der entsprechenden Zielgruppe auch solche Angebote brauchen? Ich bin gespannt auf Ihre Meinungen und Kommentare.

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Über den Autor ()

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern und verfügt über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas. Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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