Die Finanzfunktion in der Bankbranche muss sich neu erfinden. Sie wächst und verändert sich – und wird zu einem echten Business Partner für das gesamte Unternehmen. Dabei liegt der klare Fokus auf wertschöpfenden Tätigkeiten.

Bank CFOs erhalten mittelfristig neue Aufgaben

Bank CFOs erhalten mittelfristig neue Aufgaben und werden zum echten Business Partner.

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Der Finance-Bereich von Finanzdienstleistern steht unter Druck. Ein Grund ist die zunehmende Komplexität der regulatorischen Anforderungen, etwa die Anwendung des internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 9 für Kreditinstitute und gegebenenfalls Asset Manager oder IFRS 17 für Versicherungsunternehmen. Oder die diversen Vorgaben, um das Meldewesen zukunftsfähig zu gestalten. Sowohl für die Marktteilnehmer als auch für die Aufsichtsbehörden sollen effiziente und effektive Prozesse geschaffen werden.

Diese Beispiele machen deutlich: Die Anforderungen an das Reporting steigen. In der Vergangenheit standen die Institute vor der Herausforderung, dass die geforderten Daten nicht unbedingt schon vorhanden waren. Es musste ein Weg gefunden werden, sie zu erzeugen, anzureichern, die Qualität zu prüfen und ein Reporting zu erstellen. Oft waren die Reportings durch die jeweilige Sichtweise und Datenverfügbarkeiten der verschiedenen Einheiten einer Finanzfunktion geprägt. So gab es unerwünschte Abweichungen, beispielsweise bei den an die Regulierungsbehörde übermittelten Informationen.

Next Level: vollständige Datenintegration

Gleichzeitig ist die digitale Transformation eine Herkulesaufgabe für die Finanzdienstleister. Inzwischen sind viele Projekte an den Start gegangen, um integrierte Daten zur Verfügung zu stellen. Die Implementierung großer Data Warehouses sollte dazu dienen, die Banksteuerung in weiten Teilen zu bestücken. Doch es mussten Abstriche bei der Datenintegration gemacht werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich der Branche nun die Aufgabe, IT-Systeme zusammenzuführen und den Datenfluss für die Reportings zu optimieren – die vollständige Integration relevanter Daten steht an.

Aber wie kann das sinnvolle nächste Level der Finanzarchitektur aussehen, sodass die Daten unter den einzelnen Disziplinen Accounting, Controlling, Meldewesen und Tax effizient abgestimmt und, wenn erforderlich, ineinander überleitbar sind? Auf dem Weg dorthin gilt es, wichtige Meilensteine zu erreichen. Dazu gehört eine enge Verzahnung von Fach-, IT- und Prozess-Know-how, während die IT-Architektur umgebaut wird. Doch in vielen Häusern herrschen historisch gewachsene Strukturen und Prozesse vor.

Transformationsprogramme heben Potenziale

Deshalb sollten Finanzdienstleister mit einem Finance-Transformationsprogramm die Potenziale ihrer Finanzfunktion für eine digitale Zukunft heben. Wichtig ist dabei die Prozessautomatisierung: Repetitive Tätigkeiten werden zukünftig nahezu vollständig automatisierbar – Finanzdaten können schnell, umfassend und gut auswertbar zur Verfügung gestellt werden und können wichtige Unternehmensentscheidungen stützen.

Das lässt sich mit dem Bild eines „House of Finance“ veranschaulichen. Das Grundgerüst bilden vollständig harmonisierte und standardisierte Finanzprozesse, Wertflüsse und Stammdaten. Im Dach befindet sich die Steuerungsebene. Sie fokussiert sich auf die strategische Ausrichtung der Finanzfunktion, die aus den drei Komponenten Finanzstrategie, Steuerungsmodell und Finance Target Operating Model besteht. Das Fundament bilden integrierte Technologien und Systeme. Sie stellen sicher, dass die Anforderungen der Steuerungsebene und Prozesse erfüllt werden.

Belegschaft: Wertstiftende Tätigkeiten im Fokus

Wichtig ist zudem die Belegschaft. Trends wie agile Teams und Vertrauenskultur halten unter dem Stichwort „New Work“ auch Einzug in die Finanzbereiche. Dabei fordern Automatisierung und künstliche Intelligenz von den Mitarbeitern nicht nur fachliches, sondern insbesondere technisch-analytisches Know-how. Die Modernisierungsbestrebungen sollten dazu dienen, Kapazitäten für wertstiftende Aufgaben freizusetzen.

Die Frage nach einer langfristigen Roadmap für die Zukunft der Finanzfunktion ist institutsspezifisch zu beantworten. Aber die Antwort sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Denn mit IReF (Integrated Reporting Framework) stehen bereits neue regulatorische Initiativen im Raum. Auf der Grundlage einer Umfrage unter Marktteilnehmern hat die EZB im Dezember 2021 eine Kosten-Nutzen-Analyse veröffentlicht – mit konkreten Vorstellungen zur Umsetzung und zum Umsetzungszeitplan von IReF. Die EZB geht davon aus, dass die Verordnung 2024 veröffentlicht wird und IReF als neues Meldewesen im Jahr 2027 produktiv gehen wird.

In der vorliegenden Form wird IReF einen wesentlichen Beitrag zur Neuausrichtung des zukünftigen Meldewesens für Banken leisten. Die Grundlage stellt das „Banks Integrated Reporting Dictionary“ (BIRD) dar. BIRD ist das Ergebnis aus einem Projekt der EZB in Zusammenarbeit mit Bankvertretern und hat das Ziel, den Instituten einen einheitlichen Datenkatalog aller im Meldewesen relevanter Daten unterschiedlichster Granularitätsstufen als Hilfestellung an die Hand zu geben. Darüber hinaus umfasst es Transformations- und Validierungsregeln.

Fazit: Komplexität richtig einschätzen

Welche Erfolgsfaktoren können der Transformation zur Finanzfunktion der Zukunft Rückenwind verleihen? Ratsam ist, die Projekte bereits in der Planungsphase richtig einzuschätzen und einen angemessenen Zeit-, Finanz- und Ressourcenrahmen zugrunde zu legen. Bei der Belegschaft zählen neben der Fachkompetenz auch Mindset und Motivation. Hilfreich ist daher, von Beginn an Ziel und Zweck des Projekts aufzuzeigen. Zudem gilt es, die unterschiedlichen Interessen der Entscheider aufeinander abzustimmen, damit alle an einem Strang ziehen. Dabei kann externe Expertise einen maßgeblichen Beitrag leisten. Denn versierte Partner von außen können oft die Gesamtkomplexität besser einschätzen, die solche Transformationsprojekte mit sich bringen – und einen wichtigen Beitrag zum Umbau der Finanzfunktion leisten.


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