In den letzten Jahren starteten einige FinTechs, um Kapitalanleger mit einer reinen Onlineverwaltung – Robo Advice – ihrer Anlagen zu versorgen. Die Erwartungen waren hoch, der große Erfolg der Robo-Advisor bleibt in Deutschland bislang allerdings aus.

Negative Erfolgsbilanz für Robo Advice

Die Erfolgsbilanz für Robo Advice fällt derzeit negativ aus.

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Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht mit dem Schlagwort Digitalisierung konfrontiert wird, sei es nun privat oder beruflich. Begriffe wie Industrie 4.0, Robo-Advisor und Blockchain finden sich längst nicht mehr nur in Fachliteratur wieder. Die Digitalisierung verändert unser Leben – und das in einer rasanten Geschwindigkeit. Zum Vergleich: Die industrielle Revolution hat 150 Jahre angedauert. 2007 kam das erste iPhone auf dem Markt. Zehn Jahre später besitzen Milliarden Menschen Smartphones, und ein Leben ohne Handy erscheint vielen kaum noch vorstellbar.

Die Digitalisierung ist ein Massenprozess und erfasst alle Altersgruppen. Mehr als 90 Prozent der deutschen Bevölkerung sind im Internet aktiv sind. Dabei sind die 50- bis 70-Jährigen beileibe keine ausgeschlossene Gruppe. Etwa 75 Prozent von ihnen sind aktive Internetnutzer. Das Angebot auf dem digitalen Markt ist so breit wie es unterschiedliche Vorlieben und Kenntnisse seitens der Nutzer gibt.

Robo-Advisor im Fokus

Ein Vorreiter in der Digitalisierung ist die Finanzwirtschaft. Schon seit den 1970er Jahren, mit Auftritt der ersten leistungsfähigen Computer, wurden computergestützte Algorithmen entwickelt, um an den Börsen zu agieren. Als revolutionäres Zahlungssystem ist Paypal bereits seit dem Jahr 2000 am Start. Der Begriff FinTech ist heute Synonym für den schnellen Erfolg im digitalen Fortschritt geworden. In Deutschland wetteifern Regionen darum, das FinTech-Städte-Ranking anzuführen – ein kleiner Prestigewettkampf, an dem auch Hamburg beteiligt ist.

Zu den FinTechs gehören auch die sogenannten Robo-Advisor, die Dienstleistungen ohne menschliche Beteiligung auf Anbieterseite abwickeln. Deren großer Erfolg lässt aber hierzulande noch auf sich warten. Vor allem wohlhabende Kunden ziehen bei wichtigen Anlageentscheidungen (noch) die Meinung eines professionellen Beraters einem Robo-Advisor vor. Denn meist sind das Angebot und das zugrunde liegende Portfoliomanagement der derzeitigen Robo-Advisors kaum individuell differenzierbar.

Einstieg schon mit kleinen Summen

Auf der Vergleichsplattform brokervergleich.de sind aktuell 16 Robos gelistet. Fast allen gemein ist, dass es sich bei den Anbietern um von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht lizensierte Vermögensverwalter handelt und der Kunden bei Abschluss einen Vermögensveraltungsvertrag mit Transaktionsvollmacht abschließt. Vorteil ist hier die geringe Einstiegssumme von 5.000 bis 10.000 Euro und die Möglichkeit zum Abschluss eines regelmäßigen Sparplans ab 100 Euro. Einstiegsgrößen bei traditionellen Vermögensverwaltern liegen eher bei 500.000 Euro und machten diese Dienstleistung bisher nur einer sehr kleinen Zielgruppe zugänglich. Insofern schon einmal ein Fortschritt. Größtenteils handelt es sich bei den Anbietern nicht um traditionelle Vermögensverwalter oder Banken, die ihr Dienstleistungsangebot erweitern, vielmehr sind es Start-ups, die aktuell mit teilweise großem Werbeaufwand Kunden akquirieren. Insofern können die Robos nur auf eine sehr kurze Leistungsbilanz verweisen.

Allen Robos gemein ist ebenfalls, dass sie einen digitalen Eröffnungsprozess für das Konto und den Vermögensverwaltungsvertrag bieten, im reinen Klickverfahren, auf Wunsch mit Legitimation über ein Video-Ident-Verfahren. Auch dieser Punkt ist ein riesiger Fortschritt im Vergleich zum Abschluss eines herkömmlichen Vertrags und Kontoeröffnung in Papierform. Hier sind zahlreiche Formulare zu befüllen, Unterschriften zu leisten und diverse Unterlagen und Risikohinweise zu beachten. Der Umfang eines solchen Vertragswerks kann durchaus 100 Seiten umfassen – eine Katastrophe für Berater und Kunden. Der Umfang der Unterlagen wird beim Robo zwar nicht unbedingt geringer, nur werden diese in der Regel als PDF-Dokumente digital zur Verfügung gestellt.

Fazit: Was sagt die Rendite?

Damit sind die wesentlichen Vorteile des Robos bereits genannt, denn das Kernproblem birgt nicht der lobenswert einfache Anbindungsprozess, sondern das Produkt an sich. Der Kunde erwartet gute Rendite, die mit schlauen Algorithmen, idealerweise mit lernfähiger künstlicher Intelligenz, erwirtschaftet wird. Bis dato sind die Robos den Beweis schuldig geblieben, dass sie das können. Allgemein ist der Technisierungsstand bei den Strategien gering. Daher erzielen herkömmliche Fondsmanager oder gar ein Vergleichsindex noch bessere Ergebnisse als vollkommen digitalisierte. Und solange die Renditeleistungsfähigkeit nicht erwiesen ist, bleibt der Anwender bei der Vielzahl von alternativen Kapitalanlageangeboten verständlicherweise skeptisch. Mittelfristig wird also das derzeitige Angebot der Robo-Advisors für nachhaltigen Erfolg nicht ausreichen.


Der Beitrag erschien ursprünglich als Teil des Jahrbuchs 2018/19 des Vereins Finanzplatz Hamburg e.V.. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen oder als Hardcopy bestellen.