Digitalisierung und neue Technologien schaffen neue Möglichkeiten, auf veränderte Kundenerwartungen einzugehen. Finanzdienstleister müssen das Tempo anziehen und die Transformation an den Bedürfnissen des Marktes auszurichten. Vor allem im Zahlungsverkehr braucht es eine klare Strategie.

Ausblick auf wichtige Trends im Bereich Zahlungsverkehr im Jahr 2023

Zahlungsverkehrstrends im Jahr 2023.

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Das Kundenverhalten und die Gewohnheiten der Verbraucher haben sich massiv verändert – auch was das Bezahlen betrifft. Mit dem Smartphone bestellen wir Essen und buchen E-Scooter. Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, scheinen schier grenzenlos zu sein. Umso wichtiger wird es, dass die Zahlverfahren zum digitalen Alltag der Menschen passen und für eine möglichst reibungslose Nutzererfahrung in immer mehr Kaufvorgänge und Geräte eigebettet werden, sei es in Apps, in Wearables oder zum Beispiel in Connected Cars.

Modernes Bezahlen heißt immer und überall vom Bankkonto zahlen zu können

In Deutschland hat in den letzten zwölf Monaten jeder Vierte (26 Prozent) mindestens einmal per Smartphone oder Smartwatch gezahlt, 2021 waren es erst 23 Prozent. Insbesondere die Gen Z, die von Kindesbeinen an mit digitalen Technologien aufgewachsen ist, ist fast immer online. Daher erwarten Verbraucher heute, dass Bezahlverfahren durchgehend funktionieren – im E-Commerce, im M-Commerce, im Inland und im Ausland. Genau das ermöglichen wir, indem wir unser Maestro-System auf Debit Mastercard upgraden. Viele Banken und Sparkassen händigen ihren Kunden schon heute eine moderne Debit Mastercard als Standard aus – ob im Tandem mit der heimischen Girocard oder allein für sich, die deutschen Kontokarten werden veredelt. Damit kann jeder Kunde von seinem Bankkonto immer und überall zahlen, was die Mehrzahl der Deutschen auch möchte. Laut GfK wünschen sich 63 Prozent, dass die Zahlungen direkt von ihrem Konto abgebucht werden.

Optimale User Experience im E-Commerce

Ob aus Bequemlichkeit oder Mangel an Vertrauen, nicht jeder Kunde möchte sich im E-Commerce-Checkout registrieren. Unsere Erhebungen zeigen, dass 55 Prozent der Konsumenten neben der Anmeldung auch den Gastzugang nutzen. Auch Händler messen dem Gast-Checkout eine hohe Bedeutung bei. Rund ein Drittel (35 Prozent) der kleinen und mittleren E-Commerce- Händler bieten diese Bezahlmethode an. 30 Prozent der Kunden registrieren sich zwar bei einem Händler, führen aber später nie wieder eine Transaktion aus, sodass ein registrierungsfreier Prozess eine bessere User Experience gehabt hätte.

Um den Gast-Checkout im Online-Handel mit Karte noch schneller, komfortabler und sicherer zu machen, werden wir uns 2023 verstärkt der Einführung des neuen Industriestandards „Click to Pay“ widmen. Die Debit- oder Kreditkarte wandert nahtlos von der physischen in die digitale Geldbörse. Auf Basis der Click to Pay-Systematik, können sich Karteninhaber im Checkout schnell identifizieren oder werden sogar automatisch wiedererkannt. Dadurch entfällt das mühsame Eingeben der Kartennummer oder von Passwörtern im Online-Handel. Sollte die Karte ablaufen, werden die Daten künftig automatisch erneuert – ein wichtiger Vorteil für den Händler. Auch die Liefer- und Rechnungsadresse ist bereits im digitalen Geldbeutel hinterlegt. Kunden wird so ein nahtloses Einkaufserlebnis ermöglicht und gleichzeitig sind alle regulatorischen Anforderungen der PSD2 und der starken Kundenauthentifizierung erfüllt. Wie so oft, erfordert auch diese Lösung die Zusammenarbeit des gesamten Payment Ökosystems – Issuer, Acquirer/Payment Service Provider (PSPs) und Händler. Der Stand der Orchestrierung ist gegenwärtig sehr vielversprechend: Issuer und PSPs befassen sich aktiv, konstruktiv und nachhaltig mit dem Thema.             

Digitalisierung des öffentlichen Sektors

Bislang akzeptieren lediglich zehn Prozent der deutschen Gemeinden Debit- oder Kreditkarten für die Online-Bezahlung von Behördendienstleistungen. Dies führt zu manuellen Prozessen und verursacht einen hohen Verwaltungsaufwand. Doch auch hier erwarten die Bürgerinnen und Bürger zeitgemäße Zahlungsverfahren und wollen Dienstleistungen zunehmend online beantragen. Kartenzahlungen bieten seit Jahren eine erprobte, effiziente und weit verbreitete Infrastruktur. Daher benötigen wir eine größerflächige Kartenakzeptanz auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Und im Sinne der Willkommenskultur insbesondere auch für internationale Debit- und Kreditkarten.

Kommunen und Behörden verfügen über große Mengen vertraulicher Informationen. Die Prozesse müssen ausnahmslos mit dem Datenschutzrecht vereinbar sein. Daher ist es wichtig, dass Dokumente nicht nur digitalisiert, sondern manipulations- und rechtssicher gehandhabt werden – sowohl intern als auch in der Zusammenarbeit mit Drittparteien. Denn längst sind auch Institutionen des öffentlichen Sektors in den Fokus von Cyberkriminellen weltweit gerückt.

Um der zunehmenden Bedrohung des digitalen Ökosystems zu begegnen, investiert Mastercard permanent in den Cyber- und Netzwerkschutz. Mit RiskRecon stellen wir eine Plattform bereit, die sowohl die eigenen Risiken des Unternehmens als auch diejenigen bei Partnern oder Dritten laufend überwacht. Die Risikobewertungen der IT-Infrastruktur stehen auf einem Dashboard zur Verfügung. Cyberrisiken können so schnell erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Lukrative Nischen im FinTech-Markt

Der rasante digitale Wandel wird vor allem durch Start-up Ventures gestaltet. Europäische FinTechs erhielten allein 2021 mehr finanzielle Mittel als die gesamte Tech-Szene des Kontinents in den Jahren bis 2018. In Deutschland ist „Digital Payments“ das größte Marktsegment mit einem erwarteten Volumen von 208 Mrd. Euro im Jahr 2022. Im eng verwandten Segment „Neobanking“ wird im Jahr 2023 ein Umsatzwachstum von 53 Prozent erwartet. Zahlen, die das Vertrauen von Investoren in europäische FinTechs bezeugen. Ungeachtet dessen beeinflussen die aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Verwerfungen nachhaltig das Investitionsverhalten. Das Funding für FinTechs ist im dritten Quartal 2022 auf das niedrigste Niveau seit Ende 2020 gefallen, die Losgrößen nehmen ab, wir sehen so wenige Megarunden wie seit Mitte 2018 nicht mehr.

Lending, Blockchain und B2B Payments sind lukrative Nischen in denen wir trotz allem auch für 2023 robustes Wachstum und damit auch Investorenaktivität sehen. In der Entwicklung des FinTech-Ökosystems müssen jedoch mehr denn je alle Hand anlegen. Mastercard engagiert sich seit vielen Jahren auf globaler Ebene für FinTechs und hilft ihnen, den digitalen Wandel erfolgreich mitzugestalten. Mit dem Programm „FinTech Express“ nutzt Mastercard seine Partnerschaften und stellt Start-ups sein Know-how und Technologien zur Verfügung, die einen effizienten Zugang zum Ökosystem, einen schnellen Markteintritt und eine globale Expansion ermöglichen. Lokal und regional werden wir mit der Fortsetzung der „FinTech Engage“-Serie unseren Teil zur Weiterentwicklung des Ökosystems beitragen.

Mastercard bringt Kryptohandel zu Banken

Im Bereich Krypto sehen wir ebenfalls noch riesiges Potenzial, auch wenn der FTX-Kollaps und Skandale rund um Stable Coins wie Terra Luna den Kryptomarkt hart getroffen haben. Die Gesamtmarktkapitalisierung der größten Kryptowährungen ist seit Anfang 2022 um rund 60 Prozent gefallen. Das Vertrauen in Kryptowährungen wieder aufzubauen wird Zeit brauchen und es könnte ein langer Krypto-Winter werden.

Aber wir glauben weiterhin an die Innovationskraft der Blockchain-Technologie. Doch das Jahr 2022 hat gezeigt, wie absolut essenziell Wertstabilität, Konsumentenschutz und Regulatorik sind, wenn sich der Krypto-Sektor weiterentwickeln möchte und neue Anhänger und Nutzer gewinnen will. Auch wenn es sich nicht um die erste Turbulenz in der Kryptoindustrie handelt, bleibt trotzdem ein Gefühl, dass viele Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten in der Branche offengelegt wurden. Deshalb ist die Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens für Krypto-Plattformen auch so wichtig, um das Vertrauen zurückzugewinnen.

Wir arbeiten unbeirrt weiter an verschiedenen Krypto- und Blockchain-Initiativen. Wir werden hier an die Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit anknüpfen. So haben wir erst kürzlich mit der Firma „Hi“ die erste NFT Debitkarte der Welt lanciert. Unsere Partnerschaft mit Binance erlaubt es seinen Kunden in Europa, Geld aus der Binance Wallet direkt auf ihre Mastercard-Karten zu „überweisen“. Mit der Investition in Ciphertrace sind wir außerdem dazu in der Lage Transaktionen auf ihre Risiken hin zu überprüfen. Zudem arbeiten wir bereits an einem neuen Tool, das Banken den sicheren und zuverlässigen Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin ermöglichen wird.

In-Car Payments: In Zukunft wird das Auto zur Geldbörse

Das autonome Fahren wird zunehmend Realität. Mit den intelligenten, vernetzten Fahrzeugen entsteht ein riesiger E-Commerce-Markt, der völlig neue Services und Geschäftsmodelle ermöglicht.  Befeuert wird dieser Trend durch die Verbreitung des neuen Übertragungsstandards 5G und schnelleren Mobilfunk, wodurch Smartphone-ähnliche Funktionen in die vernetzten Fahrzeuge kommen. Analysten der belgischen Ptolemus Group prognostizieren bis zum Jahr 2030 einen Umsatz von 537 Milliarden Euro pro Jahr, den die rund 600 Millionen Fahrzeuge weltweit erwirtschaften werden. Autohersteller und Technologieunternehmen arbeiten daher fieberhaft an dem breiten Einsatz dieser neuen Technologie.

Die Zukunft des Bezahlens im Auto wird nahtlos sein, mit einem Bezahlvorgang, der so weit integriert ist, dass er unsichtbar ist. Es wird nicht mehr nötig sein, die Zahlungsmethode bei einem Händler oder Dienstleister individuell einzurichten. Künftig erkennt das Auto automatisch, welche Kredit- oder Debitkarte verwendet wird, um beispielsweise auch gleich Treuepunkte für das Tanken zu sammeln. Als Technologiepartner hilft Mastercard Autoherstellern dabei, mit seinem umfangreichen Händlernetzwerk neue relevante Anwendungsfälle zu entwickeln und im Auto ein digitales Einkaufserlebnis mit integriertem Bezahlsystem zu schaffen, das in Zukunft genauso einfach und sicher zu nutzen sein wird wie Apps auf dem Smartphone.

Doch das ist erst der Anfang: Die Technologien werden immer smarter und im Internet der Dinge (IoT) werden in Zukunft immer mehr Gegenstände über eine Bezahlfunktion verfügen. Mit Hilfe der Tokenisierung lassen sich potenziell alle möglichen Geräte zu sicheren Bezahlplattformen machen – Autos, Fernseher oder sogar Kühlschränke. Wir sehen uns zusammen mit unseren Industriepartnern als Speerspitze dieser Revolution.


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