Die Innenstadt als angestammtes Ökosystem des stationären Handels erodiert. Gleichzeitig sind regionale Online-Marktplätze auf dem Vormarsch. Mit den Genossenschaftsbanken als Motor und Payment als Enabler kann der Aufbau von Ökosystemen gelingen.

Online Payment in regionalen Ökosystemen

Bequemes Bezahlen ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für regionale Ökosysteme.

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Das Thema Ökosysteme hat mit dem kontinuierlichen Aufstieg der GAFAs Fahrt aufgenommen. Spätestens seit deren wachsender Bedeutung interessieren sich auch Banken und Paymentunternehmen verstärkt für dieses Thema. Ein wesentlicher Treiber dafür sind die durch den Onlinehandel stattfindenden Umwälzungen im stationären Handel. Dieser ist sowohl für die gesamte Paymentbranche als auch für regionale Kreditinstitute eine wichtige Kundengruppe. Das angestammte Ökosystem des stationären Handels – die klassische Innenstadt – erodiert.

Die für ein solches System wichtige Eigendynamik ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Der Prozess ist schon länger im Gange, aber spätestens Corona hat hier im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Strömungsabriss geführt. Während die Frequenzen im lokalen Einzelhandel einen Einbruch in nicht gekannter Weise erleben, verzeichnet der Onlinehandel einen außerordentlichen Boom. In der Folge haben innenstadtrelevante Handelsbranchen mit deutlichen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Der Einstieg in den E-Commerce ist jedoch für viele allenfalls eine Ergänzung des eigentlichen Geschäftsmodells und kann das stationäre Geschäft nicht ersetzen.

Auf der Suche nach neuen Lösungen

Auf politischer Ebene will man diesem Trend durch eine Revitalisierung der Innenstädte begegnen. Wie das möglicherweise gelingen kann, hat eine aktuelle Studie des IFH gerade herausgearbeitet (https://www.ifhkoeln.de/vitale-innenstaedte-wie-nach-corona-lokal-revitalisiert-werden-muss/). Aber mindestens genauso wichtig ist die Weiterentwicklung des lokalen Shopping-Erlebnisses. Denn der Verbraucher hat die Lust am Einkaufen sicher nicht verloren. Wohl aber ist er im Hinblick auf Angebotsvielfalt, Verfügbarkeit und vor allem Convenience durch seine Erfahrungen im Onlinehandel inzwischen ein anderes Level gewöhnt.

Wie in vielen Wirtschaftsbereichen geht es auch bei diesem Thema um Transformation. Das Geschäftsmodell des „Local Shopping“ muss auf eine neue Ebene gehoben werden. Eine Perspektive dafür bieten regionale Marktplätze als Startpunkt für den Aufbau neuer regionaler Ökosysteme. Sie müssen die Convenience-Vorteile des Onlinehandels mit den Stärken des lokalen Handels verbinden. Diese Stärken sind Nähe und Verbundenheit, persönliche Kundenbeziehung, Beratung und vor allem Trust. Die Ausgangslage dafür ist nicht schlecht. Der bereits zitierten IFH-Studie zufolge hat gerade in kleineren Städten die Wertschätzung für den lokalen Handel 2020 sogar noch zugenommen. Darauf lässt sich aufbauen.

Genossenschaftsbanken in der Pole-Position

In dem genannten Transformationsprozess können die Volksbanken Raiffeisenbanken eine besondere Rolle spielen. Sie sind beim Aufbau solcher Systeme in der Lage einerseits ihre Stärke der lokalen Verankerung und ihre Nähe zur mittelständischen Wirtschaft in der Region zu hebeln. Zum anderen interpretieren sie damit ihr genossenschaftliches Prinzip neu, dem zufolge „Viele schaffen, was einer allein nicht vermag.“

Ein funktionierendes regionales Ökosystem ist in gewisser Weise die moderne Umsetzung dieses Prinzips, da hier der Mehrwert zwar nicht unmittelbar durch das gemeinschaftliche Handeln wohl aber durch die direkten und indirekten Netzwerkeffekte entsteht. Denn der Wert solcher Ökosysteme wächst in dem Maße, wie Angebotsvielfalt und Angebotsdichte steigen und so wiederum sowohl Besucherfrequenz als auch Besuchernutzung gefördert werden. Klassische Netzwerkeffekte eben. Sie sorgen dafür, dass mit jedem Zuwachs an Nutzung auch der Wert für die Nutzer steigt.

Der Aufbau solcher regionaler Marktplätze und ihre Weiterentwicklung zu Ökosystemen liegt im wohlverstandenen Eigeninteresse einer in der Region tief verwurzelten Bank wie es die Volksbanken Raiffeisenbanken in der Regel sind. Denn eine regionale Bank kann nur prosperieren, wenn sich auch die Region, in der sie tätig ist, wirtschaftlich positiv entwickelt.

Lozuka – für eine neue Form des „Local Shopping“

Derzeit ist die Online-Marktplatzplattform Lozuka eines der prominentesten und erfolgreichsten Projekte zum Start regionaler Ökosysteme. Dabei fungiert Lozuka als zentrale Drehscheibe und eine Art Betriebssystem für eine gemeinsame Geschäftsplattform der lokalen Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Wobei Betriebssystem nicht nur die technische Handelsplattform selbst meint, sondern die gesamte Wertschöpfungskette umfasst.

Vom Angebot über den Bestellprozess, die Logistik mitsamt „same day delivery“ bis hin zum Payment: Das Marktplatzmodell ist komplett digitalisiert. Es ist konsequent vom Kunden her gedacht und auf die Bedürfnisse der Konsumenten abgestimmt: Gemischte Warenkörbe mit Produkten verschiedener Händler werden zweimal täglich zu Ladenpreisen an die Haustür geliefert.

Der Kunde erhält eine Gesamtrechnung und bezahlt mit seiner bevorzugten Zahlungsart – online oder persönlich bei Erhalt der Waren.  So gelingt die Verknüpfung von emotionaler Bindung zwischen Kunden und lokalen Einzelhändlern auf der einen Seite und einem Komforterlebnis auf Online-Niveau auf der anderen. Lozuka ist eine neue Form des „Local Shopping“ und es erlaubt dem unter Druck stehenden stationären Handel den Eintritt in einen neuen Geschäftszyklus.

Payment als Enabler

Aktuell arbeitet eine ganze Reihe genossenschaftlicher Banken an dem Aufbau regionaler Marktplätze auf Basis des Lozuka-Modells. Dabei agiert die örtliche Volksbank oder Raiffeisenbank als Motor und der genossenschaftliche Paymentspezialist VR Payment als Enabler. Denn was einfach klingt, ist vor allem auch hinsichtlich des Payments nicht trivial. Gemischte Warenkörbe inklusive einer Gramm-genauen Abrechnung von Frischware, wie der Aufschnitt vom örtlichen Metzger, ist im Payment nicht einfach abzubilden.

VR Payment hat dafür eine spezielle Lösung entwickelt und in die Lozuka-Plattform implementiert. Sie erlaubt zum einen das Splitting der Umsätze, so dass die Kunden eine Gesamtrechnung für ihre gemischten Warenkörbe erhalten und die Händler jeweils ihren korrekten Anteil ausgezahlt bekommen. Zum anderen erlaubt sie die flexible Verrechnung von Wiegewaren. Durch die von VR Payment entwickelte Lösung erhält der Kunde bei Auslieferung eine centgenaue Rechnung. Für die Bezahlung selbst werden den Kunden ihre gewohnten Zahlungsmittel angeboten – von der SEPA-Lastschrift über die Kreditkarte bis hin zur Kartenzahlung an der Haustür mit mobilen Terminals.

Rolle der Bank

Für eine regionale Bank lohnt sich die Beteiligung am Aufbau eines solchen lokalen Marktplatzes gleich mehrfach. Es bindet die eigenen Kunden noch stärker an die Bank und in Bezug auf alle anderen Marktplatzteilnehmer ist es sowohl auf der Geschäftskunden- wie auf der Privatkundenseite eine Akquisitionschance. Vor allem aber schafft ein funktionierendes regionales Ökosystem für die Bank hervorragende Möglichkeiten, das eigene Produkt- und Dienstleistungsportfolio über das eigentliche Banking hinaus weiterzuentwickeln und neue Geschäftsmodelle zu erproben und umzusetzen.


VR Payment ist Teil der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken und zählt zu den führenden Payment-Anbietern in Deutschland.

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