Bezahlen mit QR-Code war gestern, die Zukunft gehört den NFC-Tags. Oder zumindest einer Kombination der beiden. Jedenfalls bietet Tappen meist die bessere User Experience! Und dann gibt es auch noch App Clips und Instant Apps.

Alternativen für Mobile Payment: NFC und QR-Code

NFC und QR-Code sind Alternativen für Mobile Payment.

Partner des Bank Blogs

 

Nicht erst seit Covid-19 werden laufend neue QR-Code Zahl-Apps lanciert, oft in einer Kombination von dynamischem und statischem QR-Code. Früh in 2020 beispielsweise, präsentierte Paypal den Paypal-QR-Code oder kürzlich erst kündigte Payrexx in der Schweiz QR Pay an. Und allzu oft heisst es dazu „QR-Code-Bezahlung in China längst Standard“.

So werde ich das Gefühl nicht los, dass hier oft die erfolgreichen WeChat Pay und Alipay aus dem fernen Asien kopiert werden, ohne zu reflektieren, warum diese in ihrer Region zu ihrer Zeit so erfolgreich wurden, und ob es in der eigenen Region eventuell Voraussetzungen für eine bessere User Experience gäbe.

Und die gibt’s, und zwar für den statischen QR-Code! Das ist der QR-Code, der einmal generiert auf die Parkuhr geklebt und im Hofladen oder vom Pizzalieferanten als QR-Code Sticker zur Bezahlung präsentiert wird.

Aber was ist die Alternative, die den statischen QR-Code in vielen Anwendungen in den Schatten stellt?

NFC-Tags ermöglichen bestechende Kundeninteraktion

Eine solche Alternative ist der NFC-Tag (NFC=Near Field Communication), eine bisher noch unter Wert verkaufte Untervariante des RFID Tags (RFID=Radio Frequency Identification).

Der NFC-Tag ist ein statisches NFC-Element, das aus einer Antenne und einem kleinen Chip besteht, eigentlich sehr ähnlich der kontaktlosen Kreditkarte, die ebenfalls diese beiden Elemente beinhaltet.

Der NFC-Tag besteht ähnlich dem RFID-Tag aus einer, im Bild gut sichtbaren Antenne, sowie einem kleinen Chip. Gelesen wird der NFC-Tag oft per Smartphone.

Dieser Vergleich passt auch, wenn man sich anschaut, wie mit dem NFC-Tag interagiert wird. Bei der kontaktlosen Kreditkarte sendet das Kartenterminal ein Signal aus, das von der Antenne empfangen und im Chip verarbeitet wird. Und beim NFC-Tag macht oft ein mobiles Gerät, z.B. das Smartphone, genau das gleiche, es sendet ein solches Signal aus, um die Information auf dem NFC-Tag zu „lesen“.

Was kann man jetzt mit einem solchen „Tag“ machen? Die Antwortet ist: So ziemlich dasselbe, wie mit einem QR-Code – einfach in nur zwei Schritten. Ist die Funktionalität erst mal in eine Zahl-App eingebaut, kann der Pizzalieferant an der Haustüre einen NFC-Tag vorzeigen. Der Kunde „tappt“ dann sein Smartphone an den NFC-Tag, gelangt damit in der Zahl-App auf die richtige Seite und bezahlt die Pizza.

Die meisten QR-Code Zahl-Apps verlangen, dass man die App zuerst öffnen muss, bevor der QR-Code gescannt werden kann. Das heisst, zuerst muss das Smartphone geöffnet werden. Dann muss die App auf dem Smartphone gefunden werden, eventuell auf einer anderen Seite oder in einem Folder. Dann muss die App, PIN- oder Touch-ID-geschützt geöffnet werden. Und zu guter Letzt muss in der App auch noch die Scan-Funktionalität gestartet und der QR-Code gescannt werden. Das sind schnell mal zwischen 5‑8 Interaktionen, und bei jeder braucht es Vorwissen oder es kann was schiefgehen.

Tappen des NFC-Tags benachrichtigt den Kunden, dass er hier die Zahl-App NCANFC-Pay öffnen kann. Danach wird nur noch der Betrag eingegeben und schon ist bezahlt.

Wie die Netcetera Demo-App im Bild zeigt, ist das Ganze beim NFC-Tag in nur 2-3 Interaktionen erledigt. Einmal Tappen und Bestätigen der Nachricht und eventuell noch TouchID oder PIN. Das war’s. Einfacher geht’s nimmer.

Warum dem Kunden nicht NFC-Tag und QR-Code anbieten?

Jetzt aber überall einfach unreflektiert nur den NFC-Tag einzusetzen, wäre genauso unüberlegt, wie das eingangs beschriebene, simple Kopieren der erfolgreichen QR-Code Zahl-Apps.

Vielmehr heisst gute User Experience, dass man sich genau überlegt, in welcher Situation welche Interaktion dem Kunden am einfachsten den besten Nutzen stiftet. Wird Distanzscannen erwartet oder ist mit einer hohen Abnutzung des Stickers zu rechnen, dann ist der statische QR-Code wahrscheinlich die bessere Lösung. Findet jedoch eine Proximity-Anwendung statt oder soll diese wetterunabhängig sein, dann hat vermutlich der NFC-Tag die Nase vorn. Und ganz oft heisst „bessere User Experience“ auch, beides anzubieten, also einen QR-Code Aufkleber mit einem unterlegten NFC-Tag. Dann können die Kunden diejenige Methode wählen, die gerade besser passt oder bei der sie sich wohler fühlen.

In der kinastik App wird dem Kunden QR-Code und NFC-Tag angeboten. Die App selbst ist dann für Android-Geräte auf QR-Code vorkonfiguriert, für iPhones auf NFC-Tags.

NFC-Tags für App Clips

Nun scheint Apple das mit den NFC-Tags und der User Experience ähnlich zu sehen. Mit dem Start von iOS 14 im Herbst wurde fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit ein neues Feature für Apps bereitgestellt, das bei genauerer Betrachtung zeigt, dass Apple zukünftig NFC-Tags stärker unterstützen wird. Die Rede ist von App Clips, einem kleinen Programmzusatz einer App, der sofort geladen werden kann, ohne die App selber herunterladen zu müssen.

App Clips erlauben einfache, spontane Kundeninteraktionen und haben dabei auch Zugriff auf Apple Pay und Mit Apple anmelden.

Jetzt müssen App Clips natürlich auch irgendwie aktiviert werden. Und hier kommt die Verbindung zu oben erwähntem: Apple offeriert Interaktionsmöglichkeiten, die verschiedenen täglichen Situationen entsprechen, wie beispielsweise NFC-Tags, QR-Codes, Safari App Banners, Links in iMessages oder Unternehmensprofile in der Maps App. Und ausserdem stellt Apple sogenannte App Clip Codes bereit, eine Kombination eines scannbaren, visuellen Codes mit einem tapbaren, unterlegten NFC-Tag.

Der App Clip Code ist eine Kombination eines QR-Codes ähnlichen, visuellen Codes und eines unterlegten NFC-Tags. Der unverwechselbare Code sagt dem Kunden „Hier kannst du tappen oder scannen“.

Kombination von QR-Code und NFC-Tag bietet Flexibilität

Die Kombination von QR-Code und NFC-Tag bietet Flexibilität, beispielsweise auch gegenüber verschiedenen Verhalten von Android Geräten und iPhones. NFC tappen ist auf älteren Android Geräten nicht immer fehlerfrei. Man kann drum eine App so konfigurieren, dass die Android-App den QR-Code-Scanner als Grundeinstellung anbietet und die iPhone-App das NFC-Tappen.

Android unterstützt beide Funktionalitäten, NFC-Tags und sogenannte Instant Apps, schon länger, allerdings bisher ohne grosse Verbreitung. Irgendwie sagt mir aber mein Gefühl, dass Apple’s App Clips diesen beiden Technologien einen guten Schubs aus der bisherigen Nische heraus geben könnten.