Finanzinstitute befinden sich inmitten einer digitalen Revolution, die durchaus disruptive Ausmaße annehmen kann. Im Rahmen einer kleinen Artikelserie nehmen Experten der wichtigsten Institute und Institutsgruppen Stellung zu diesem Trend. Lesen Sie heute das Statement von Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Chef der Sparda Gruppe.

10 Experten über die zunehmende Digitalisierung der Finanzdienstleistung

Die Digitalisierung der Finanzdienstleistung ist auf dem Vormarsch. In einer kleinen Serie erläutern Bankexperten ihre Einschätzung
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Die Digitalisierung der Finanzdienstleistung und die daraus erwachsenden Herausforderungen für Banken und Sparkassen sind derzeit eines der beherrschenden Themen der Branche.

Um herauszufinden, wie hierzulande die wichtigsten Institute und Institutsgruppen diesen Trend einschätzen und ihm begegnen habe ich fünf Fragen formuliert und führende Vertreter des deutschen Bankwesens um ein Statement gebeten.

Fünf Antworten von Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Sparda Banken

Lesen Sie nachfolgend die Ausführungen von Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorsitzender des Vorstandes des Verbandes der Sparda-Banken e.V.

Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Verband der Spardabanken

Was bedeutet für Sie „Digitalisierung“ und worin sehen Sie für Ihre Institutsgruppe die besonderen Chancen und Risiken?

Joachim Wuermeling: Die Digitalisierung bedeutet für uns die schrittweise Überführung von Bankdienstleistungen von der realen in die digitale Welt. Für die Sparda-Gruppe ist die Digitalisierung des Bankgeschäfts nichts Neues. Mit der Gründung der ersten deutschen Internet-Bank, der Netbank, im Jahre 1998 durch sieben Sparda-Banken, gehören wir zu den Pionieren. Unsere Gruppen-Vertriebsstrategie mit der Leitidee eine „Direktbank mit Filiale“ zu sein, bezog die digitale Welt schon 2008 in unsere Vorstellungen ein

Auch in den kommenden Jahren werden wir den Weg der Digitalisierung konsequent weitergehen. Unsere besondere Chance besteht in der Kombination von effizienten digitalen Dienstleistungen mit einer persönlichen Zuwendung dem Kunden und Mitglied gegenüber, wie sie nur eine Genossenschaft leisten kann.

Das größte Risiko besteht darin, als Bankengruppe mittlerer Größe, insbesondere in der Niedrigzinsphase, nicht genug Erträge zu erwirtschaften, um die hohen Investitionen tätigen zu können, die die Digitalisierung erfordert.

Welches sind die größten drei Herausforderungen für Ihre Institutsgruppe?

Joachim Wuermeling: Wir möchten dem Kunden jederzeitigen Zugang zu den Banken auf allen Kanälen und einen jederzeitigen Wechsel zwischen den Kanälen („Omnikanal“) ermöglichen. Das erfordert einen grundlegenden Umbau von Prozessen und IT.

Wir möchten, dass der Kunde die zentralen Produkte der Bank einfach und unkompliziert online abschließen kann.

Wir möchten zugleich, dass die persönliche Hinwendung zum Mitglied und Kunden der Bank, der größte Trumpf der Sparda-Banken, bei der Digitalisierung nicht geschmälert wird.

Derzeit entstehen zahlreiche sogenannte FinTech Startups, die insbesondere im Privatkundengeschäft versuchen, mit innovativen, kundenorientierten digitalen Angeboten den etablierten Banken Konkurrenz zu machen? Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus diesem Trend für Ihre Institutsgruppe?

Joachim Wuermeling: Diese Unternehmen stellen die Grundfunktionen der Banken derzeit nicht in Frage. Auch PayPal und ApplePay beruhen auf einer Bankverbindung. Die FinTechs schieben sich aber mit benutzerfreundlichen Dienstleistungen zwischen die Bank und die Kunden. Hier wird es darauf ankommen, Kundenbedürfnisse im Internet schneller zu erkennen, um selbst die gewünschten Funktionalitäten anbieten zu können. Die Sparda-Banken werden etwa die erste Bankengruppe sein, die die neue Wallet von MasterCard („MasterPass“) anbieten wird.

Den großen Internetunternehmen Amazon, Apple, Facebook und Google wird immer mal wieder ein Einstieg in den Bereich Finanzdienstleistung unterstellt. Im Zahlungsverkehr ist dieser ja bereits vollzogen. Wie beurteilen Sie diese neuen Wettbewerber und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Joachim Wuermeling: Von dem Kerngeschäft dieser Unternehmen ist das eigentliche Bankgeschäft, Geld einzusammeln und es wieder zu verleihen, meines Erachtens zu weit weg. In das klassische Einlagen- und Zinsgeschäft einzudringen, wurde bislang so wenig versucht wie Gießkannen zu produzieren. Die Bank als solche interessiert diese Unternehmen nur wegen der dort verfügbaren und prozessierbaren Daten, z. B. im Zahlungsverkehr. Deshalb rechne ich damit, dass diese Unternehmen an unseren Informationsflüssen und Ertragsquellen partizipieren möchten. Wenn es uns gelingt, unsere Kernkompetenz in die digitale Welt zu transformieren, brauchen wir das aber nicht zu fürchten.

Wieviel investiert Ihre Institutsgruppe in den kommenden fünf Jahren in die Digitalisierung, wie groß sind dabei die Anteile für „Run the Bank“ und „Change the Bank“ und welche Bereiche sind die von Ihnen priorisierten?

Joachim Wuermeling: Die Bereiche verschwimmen angesichts der Dynamik der Veränderungen zunehmend. Eine Priorisierung zwischen Ihnen wäre artifiziell. Konkrete Zahlen kann ich dazu leider nicht nennen.


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