Die Bedeutung digitaler Vertriebskanäle für Banken und Sparkassen steigt nicht erst seit der Corona-Krise. Eine exklusive Analyse zeigt, dass immer mehr Girokonten online eröffnet werden. Filialen haben allerdings noch nicht ausgedient.

Steigende Bedeutung digitaler Vertriebskanäle bei der Kontoeröffnung

Die Bedeutung digitaler Vertriebskanäle bei der Kontoeröffnung nimmt zu.

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Zahlreiche Umfragen und Analysen belegen, dass Verbraucher im Zuge der Corona-Pandemie Bankleistungen vermehrt auf digitalem Weg nachgefragt haben. Es sei dahingestellt, ob dies aus Not oder aus Überzeugung geschehen ist. Aus Not, ob der zahlreichen Filialschließungen während des Lockdowns. Aus Überzeugung, getreu dem Motto, irgendwann merkt auch der letzte, dass es Online Banking gibt.

Allerdings besteht zwischen Online Banking eines Bestandkunden und dem Abschluss von neuen Bankprodukten ein nicht unerheblicher Unterschied. Online Banking bedeutet noch lange nicht Online Vertrieb.

Girokonto als zentrales Bankprodukt

Das Girokonto nimmt in der Beziehung zwischen Kreditinstitut und Kunde immer noch eine zentrale Rolle ein. Eine kürzlich vorgestellte Studie zeigt, dass für 70 Prozent der Kunden die Hausbank über das Gehaltskonto definiert ist.

Bei der Postbank eröffnen aktuell rund elf Prozent der Privatkunden ihr Girokonto online. Bei der Commerzbank hat die Filialbank 38 Prozent der Neukunden online gewonnen, der Vergleichswert im 1. Halbjahr des Vorjahres lag noch bei 27 Prozent.

Doch wie sieht es für die Gesamtbranche aus? Wir sind wir am Beispiel des Girokontos der Frage nachgegangen, welche Bedeutung stationäre und digitale Kanäle tatsächlich für den Vertrieb spielen und haben durch unseren Partner YouGov im Rahmen einer exklusiven repräsentativen Umfrage Endkunden zu Ihrem Kontoeröffnungsverhalten befragt.

Online-Kontoeröffnungen nehmen deutlich zu

Die YouGov-Umfrage macht deutlich, dass der Anteil der digitalen Kontoeröffnungen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat: Wurden Girokonten vor mehr als fünf Jahren noch zu drei Viertel in einer Filiale eröffnet, so liegt der Wert in den letzten 12 Monaten bei nur noch 38 Prozent. Über 60 Prozent aller neuen Konten werden demnach auf digitalem Weg eröffnet.

Zunehmender Anteil der Online-Eröffnungen bei Girokonten.

Da sich der Anteil der Kontoeröffnungen bei Direktbanken der Umfrage zufolge nicht verändert hat, bedeutet dies, dass gerade in Filialbanken deutlich mehr Girokonten über das Internet neu eröffnet werden.

Frauen und Ältere bevorzugen Filialen

Während 52 Prozent der Männer ihr Konto in einer Filiale eröffneten, lag der Anteil der Frauen bei 62 Prozent.

Weiterhin gilt: Je älter die Kunden, desto höher ist der Anteil der in einer Filiale eröffneten Konten. Während bei den über 54-jährigen 66 Prozent ihr Konto in einer Filiale eröffnet haben, waren es bei den 18 bis 24-jährigen 47 Prozent.

Umgekehrt gilt: Je jünger die Kunden, desto häufiger wurde ein mobiler Kanal gewählt. So haben nur 2 Prozent der über 54-Jährigen ein Smartphone oder Tablet genutzt, aber 15 Prozent der 18 bis 24-jährigen.

Anteile der Vertriebskanäle zur Kontoeröffnung bei unterschiedlichen Kundengruppen.

Eröffnungshäufigkeit von Girokonten

Interessant ist natürlich auch die Frage, wie wahrscheinlich die Eröffnung einer neuen Kontos überhaupt ist. Hier zeigt die Umfrage, dass fast 60 Prozent der Kunden das letzte Mal vor mehr als fünf Jahren ein Konto bei einer Bank oder Sparkasse eröffnet haben.

13 Prozent geben an, innerhalb der letzten 12 Monate ein Konto eröffnet zu haben, bei 11 Prozent war dies innerhalb der letzten zwei Jahre und bei 15 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre.

Girokonten werden nicht ständig neu eröffnet.

Aus einer weiteren YouGov-Umfrage die Mitte 2019 durchgeführt wurde geht hervor, dass nur 6 Prozent der Kunden innerhalb der letzten 12 Monate ihre Hausbank gewechselt haben. Von diesen Kunden haben jedoch lediglich 60 Prozent das Konto bei ihrer alten Bank aufgelöst. 25 Prozent beabsichtigen die Auflösung noch nachzuholen und 10 Prozent wollen ihr alles Konto weiter behalten.

Nicht alle Kunden verbinden mit einer Kontoeröffnung auch einen Bankwechsel.

Fazit: Zunehmende Vertriebsrelevanz des Online-Kanals

Die Zahlen zeigen, dass – losgelöst von Corona – der Online-Kanal in den letzten Jahren für den Vertrieb von Girokonten wichtiger geworden ist. Banken und Sparkassen sind daher gut beraten, die Möglichkeiten auszubauen und vor allem benutzerfreundlich zu gestalten.

Andererseits zeigen die Zahlen auch, dass der Vertriebskanal Filiale für das Girokonto immer noch relevant ist. Dies bestätigt Umfragen, wonach die Nähe zu einer Filiale für Kunden ein wichtiger Grund für eine Kontoeröffnung ist. Banken und Sparkassen sollten daher bei der Überprüfung ihrer Filialstrukturen nicht nur die Bestände sondern auch mögliche Neukunden im Blick haben.