Nicht jeder Krypto-Coin ist ein Stablecoin und nicht jede digitale Währung ist eine Kryptowährung. Nicht nur in einer Konversation sollte man diese Schlagwörter gekonnt platzieren. Ein gutes Verständnis der Unterschiede wird zukünftig zunehmend wichtiger für jeden von uns.

Ein Überblick zu digitalen Kryptowährungen

Nicht jeder Krypto-Coin ist ein Stablecoin und nicht jede digitale Währung ist eine Kryptowährung. Wer besteht im Bullshit-Bingo der Krypto-Schlagwörter?

Partner des Bank Blogs

In der einschlägigen Fachpresse, aber auch in den alltäglichen Nachrichten verging in den letzten zwei Jahren wohl kein Tag, an dem nicht in irgendeinem Bericht von Krypto, CBDC, Stablecoin, Blockchain, Bitcoin, USDC, Diem, Coin Wallets, NFT oder ähnlichen Schlagwörtern die Rede war. Und wenn dann auch in persönlichen Gesprächen beim Glas Bier solche Fachwörter fallen, dann ist das Thema definitiv im Mainstream angekommen.

In diesen Gesprächen ist aber die Trennschärfe dieser Schlagwörter nicht immer so, dass sich daraus eine sinnvolle Unterhaltung ergibt.

Es lohnt sich daher, die Begriffe zu klären und voneinander abzugrenzen. Das vermeidet Missverständnisse und fördert einen klaren, effizienten Dialog zu den verschiedenen Themen.

Digitale Währung“ als üblicher Oberbegriff

Ich verwende gerne «Digitale Währung» als Oberbegriff für die meisten der erwähnten Fachwörter und meine damit die Summe verschiedener innovativer, digitaler Geld- und Zahlungsinstrumente. Diese unterteilt man dann gerne in drei Kategorien, nämlich in Kryptowährungen wie Bitcoin, in Stablecoins wie den USDC oder in CBDCs wie den bahamaischen Sand Dollar.

Digitale Währungen entsprechen verschiedenen existierenden Geldformen, welche wiederum entlang ihrer Emittenten eingeteilt werden. Damit ergibt sich eine natürliche Zuordnung zwischen Emittenten und digitaler Währung.

Kryptowährungen

Beispiele von Kryptowährungen sind wie erwähnt Bitcoin oder Dash, LiteCoin, Bitcoin Cash und viele mehr. Kryptowährungen laufen üblicherweise auf einem dezentralen Peer-to-Peer Netzwerk, einer Blockchain, d.h. es gibt keine Finanzvermittler, Mittelsleute, keine involvierten Zentralbanken. Dadurch und weil sie nicht durch Fiatgeld oder einen Rohstoff unterlegt sind, sind sie auch meist volatil und hoch spekulativ. Die Krypto-Coins können nicht zweimal ausgegeben oder kopiert werden, sind eher pseudonym, als anonym, und der Nutzer hält diese üblicherweise selbst, ist also alleine dafür verantwortlich, dass sie nicht verloren gehen.

Stablecoins

Von Kryptowährungen unterscheiden sich Stablecoins, wie der USD Coin, Diem vom Facebook Konsortium oder der Tether, dadurch, dass sie an einen Korb von Fiatwährungen oder an Rohstoffe, wie Edel- oder Industriemetalle, gekoppelt sind und dadurch stabil gehalten werden. Das heißt 1 Coin hat einen stabilen Wert, meist 1 US-Dollar.

Dabei sind Stablecoins oft ebenfalls auf einer Blockchain aufgesetzt – USDC auf der Ethereum Blockchain, Tether auf der Bitcoin Blockchain – das muss aber nicht zwingend so sein, wie der vom Facebook Konsortium initiierte und nicht dezentralisierte Diem (urspr. Libra) zeigt.

Die beiden vorgenannten sind direkt an Dollars gekoppelt, welche die für den Stablecoin verantwortlichen Organisationen in Safes zu speichern versprechen. Für Diem/Libra, welche noch nicht live sind, war ursprünglich eine Kopplung an einen gemischten Korb an Fiatwährungen geplant, dann eine Kopplung an individuelle Währungen. Wegen der Zurückhaltung der US Regulatoren bei der Bewilligung von Diem gibt es inzwischen Gerüchte, dass die Diem Technologie an die Kalifornische Silvergate Bank verkauft werden soll.

Central Bank Digital Currency aka CBDC

Nochmals ein ganz anderes Biest ist der CBDC. Aufgeschreckt durch die Diem/Libra Initiative von Facebook & Co haben die Zentralbanken in den letzten Jahren verstärkt Energie in eigene digitale Zentralbankwährungen gesteckt. Beispiele von fortgeschrittenen, teilweise bereits ausgerollten CBDCs sind der Bahamische Sand Dollar, der Kambodianische Bakong, der Eastern Caribbean DCash oder China’s Digital Yuan. Die EZB hat Mitte 2021 eine 2-jährige Design-Phase beschlossen, die US Fed 2 Prototypen lanciert und die Schweizerische Nationalbank hat gerade die zweite Phase ihres Wholesale CBDC Piloten, u.a. mit grenzüberschreitendem Zahlungsverkehr mit Frankreich, abgeschlossen.

Ein breiter Launch von CBDCs liegt allerdings wohl eher 5+ Jahre in der Zukunft.

Aber warum überhaupt CBDCs? Einerseits begegnen die Zentralbanken mit CBDCs dem fallenden Bargeldgebrauch, andererseits sind sie bemüht, ihre Verantwortung für die offizielle digitale Währung im Land zu beanspruchen und zu behaupten.

Und da damit ein breiter Aufgabenbereich der Zentralbank tangiert ist, teilt man unterdessen CBDCs in zwei Unterkategorien. Auf der einen Seite die „Wholesale CBDC“, welche die vermehrte Digitalisierung und Fragmentierung – Fachworte Tokenisierung – von Assets, also Objekten, Waren, Rechten aufnimmt. Diese tokenisierten Assets können am effizientesten mit tokenisiertem Geld gehandelt werden. Es geht also um Geldflüsse zwischen Firmen und Banken. Und auf der anderen Seite die «Retail CBDC», welche den Ersatz des Bargelds adressiert und der Zentralbank erlauben soll, ihre Geldpolitik durch ein digitales Zentralbankgeld zu unterstützen. Digitales Geld also, das der Privatbürger zukünftig nutzen soll.

Wem nützen digitale Währungen etwas?

Das hängt natürlich stark von der jeweiligen Währung ab. Kryptowährungen sind heute hauptsächlich Anlage- und Spekulationsobjekte, wie ihre Gegenspieler Gold oder Edelmetalle in der realen Welt. Stablecoins wiederum kommen oft als Übergangswährung von Krypto- auf Fiat-Währungen zum Einsatz. Das heißt, wenn Mastercard oder Visa heute Kartentransaktionen in Bitcoin erlauben, dann wird beim Einkauf der Betrag in Bitcoin sofort in eine Stablecoin-Währung transformiert und dann später in die entsprechende Fiat-Währung des Händlers gewandelt. So erfährt der Händler keine Kursverluste bei einem schwankenden Bitcoin-Kurs.

Und bei „Wholesale-CBDCs“, geht es um den Geldtransfer von Geschäftsbanken, auch im Crossborder Bereich, während Retail-CBDCs, wie gesagt, das rückläufige Bargeld mit einer ähnlichen digitalen Alternative für den Bürger zu ersetzen versucht.

Sollten sich auch „normale“ Konsumenten für digitale Währungen interessieren?

Unbedingt! Und sie tun’s auch schon. Beispielsweise haben meines Wissens Kryptowährungen in der Pandemie einen Aufschwung erfahren. Und in Entwicklungsländern mit inflationärer Landeswährung sind sie schon etwas länger Geldaufbewahrungs- und Investitionsvehikel – sogar für die sogenannten „Under- oder Unbanked Population“.

Auch kommen sie, zusammen mit den Stablecoins, bei den gehypten NFT (non-fungible Tokens) zum Einsatz.

Und Retail CBDCs werden irgendwann auch interessant für Konsumenten, da es ja um eine Alternative zum viel geliebten Cash geht.

Non-fungible Tokens (NFTs) sind der nächste Hype und versprechen als konsumentennahes Thema Krypto in Sachen Umsatz und Verbreitung zu überflügeln.

Digitale Währungen sind im Mainstream angekommen

Digitale Währungen in alle ihren Fassetten sind im Mainstream angekommen. Dabei haben die verschiedenen Ausprägungen wie Kryptowährungen, Stablecoins oder CBDCs sehr unterschiedliche Eigenschaften und Anwendungszwecke. Dementsprechend entwickeln sich hier auch gerade eigenständige, sich teilweise überschneidende Ökosysteme, welche zukünftig einen spannenden Einfluss auf Payment- und Finanzdienstleistungen versprechen.