Während die US-Großbanken im ersten Halbjahr 2019 die höchsten Gewinne seit der Finanzkrise verzeichneten, sanken die Ergebnisse der europäischen Konkurrenz erneut. Der Abstand – gemessen an der Eigenkapitalrentabilität – wird immer größer.

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Die Unternehmensberatung EY hat eine Analyse der Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa vorgelegt. Demnach konnten die US-Institute den Vorsprung vor ihren europäischen Wettbewerbern weiter vergrößern.

US-Großbanken mit Rekordergebnissen

Die Großbanken aus den USA haben im ersten Halbjahr vor allem dank eines starken Verbrauchergeschäfts erneut sehr gut verdient. Die nach Bilanzsumme zehn größten Kreditinstitute des Landes konnten ihren Gesamtgewinn um knapp ein Prozent auf umgerechnet fast 70 Milliarden Euro erhöhen. Sieben der zehn Institute konnten ein Konzernergebnis von mehr als vier Milliarden Euro vorweisen. Auch das bestverdienende Institut unter den zwanzig analysierten Banken kommt aus den USA: Das Konzernergebnis von JPMorgan Chase lag bei 16,6 Milliarden Euro.

Dennoch ging die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity, RoE) der US-Banken leicht von 13,4 auf 13,0 Prozent zurück.

Die Marktkapitalisierung der größten US-Banken stieg hingegen um zwölf Prozent auf umgerechnet rund 1,2 Billionen Euro. Sie waren damit zum Stichtag 1. September mehr als doppelt so viel wert wie Europas Top-Banken.

Vor allem die höheren Zinsen und die ausgeprägte Konsumbereitschaft der Verbraucher ermöglichen den dort tätigen Banken deutlich höhere Zinserträge, zum Beispiel aus dem Kreditkartengeschäft. Dies konnte die Schwächen im Wertpapierhandel kompensieren.

Europäische Banken weiterhin schwach

Europas zehn Top-Banken verzeichneten hingegen insgesamt einen Gewinnrückgang: Ihr kumuliertes Konzernergebnis sank um knapp sechs Prozent auf gut 26 Milliarden Euro. Lediglich zwei der zehn Institute erreichten ein Konzernergebnis von mehr als vier Milliarden Euro: Die britische HSBC und die französische BNP Paribas.

Der Börsenwert der Top-10-Banken Europas ging zwischen Jahresbeginn und Anfang September 2019 um sieben Prozent zurück – auf 436 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrentabilität der europäischen Institute sank von – einem ohnehin deutlich niedrigeren Niveau – 7,1 auf magere 6,4 Prozent.

Der für die europäischen Großbanken negative Trend der vergangenen Jahre setzt sich damit 2019 fort. Der Abstand zu den großen US-Banken beim Gewinn und der Profitabilität vergrößert sich weiter. Die Gewinnsituation der europäischen Banken ist unverändert weit entfernt vom Niveau vor der Finanzkrise und kann nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden.

Ursachen sind vor allem ein historisch niedriges Zinsniveau in Europa und die Strafzinsen für Einlagen. Allerdings belasten auch immer noch Abschreibungen, Restrukturierungs- und Rechtskosten die Bilanzen.

Trüber Ausblick für die Banken

Das zweite Halbjahr könnte sich als Stimmungskiller entpuppen. Auf beiden Seiten des Atlantiks werden die Gewinne im Retail Banking unter Druck geraten, was den Handlungsbedarf gerade bei den weniger profitablen europäischen Banken weiter erhöht.

So zeigt auch in den USA die Zinskurve nach unten, was die Erträge aus dem derzeit noch boomenden Retail Banking bremsen wird. Hinzu kämen Sorgen vor einer Eintrübung der Aussichten für die US-Konjunktur.

Allerdings würden die US-Banken weniger unter Altlasten aus der Finanzkrise leiden als ihre europäischen Wettbewerber. Zudem sei der Markt in Europa deutlich stärker fragmentiert und der Wettbewerbsdruck traditionell höher als in den USA.

Den europäischen Banken hingegen würde die weitere Lockerung der Geldpolitik das Leben noch schwerer als ohnehin schon machen. Viele Banken hätten bereits einen harten Kostensenkungskurs angekündigt. Tatsächlich seien die Kosten bei vielen europäischen Banken zu hoch. Die angekündigten Kostensenkungsprogramme zeigten allerdings bislang zu wenig Wirkung oder würden durch hohe Investitionen in den Bereichen Digitalisierung, Technologie und Compliance konterkariert.

Die Autoren der Studie rechnen mit Konsequenzen für die Beschäftigung und einem weiteren Abbau von Filialen. Aufgrund der schwierigen geldpolitischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen bestehe auf der Ertragsseite wenig Wachstumspotenzial. Es bleibe nur eine Reduzierung des Aufwands, um höhere Renditeziele zu erreichen.

Zudem könnte die anhaltende Gewinnschwäche vieler europäischer Institute die Neuordnung der Branche beschleunigen. Der von vielen erwartete europaweite Konsolidierungsprozess rücke so ein Stück näher.

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