Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt sind eng miteinander verknüpft. Doch eine Studie belegt: Obwohl Entscheidungsträger weltweit die Bedeutung von Biodiversität erkannt haben, findet sie in den Unternehmen noch zu wenig Aufmerksamkeit.

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Ob es sich um Ressourcen wie Wasser oder Naturfasern handelt oder um Ökosystemleistungen wie Gewässerregulierung oder Bodenfruchtbarkeit: Eine lebendige und gut funktionierende Biosphäre ist entscheidend für das menschliche Wohlergehen, die Verwirklichung umfassender Nachhaltigkeitsziele sowie für Wirtschaftswachstum und Stabilität.

Viele Unternehmen unterschätzen jedoch ihren Einfluss auf den Verlust biologischer Vielfalt sowie ihre Verantwortung für deren Schutz und Wiederherstellung. Dies ergibt sich aus einer Studie des Capgemini Research Institute, für die über 1.800 Führungskräfte aus 15 verschiedenen Branchen weltweit befragt wurden.

Klimaschutz im Fokus

Weltweit betrachten 90 Prozent der Führungskräfte in der Wirtschaft Biodiversität als wichtig für den Planeten. Dennoch hat der Schutz der biologischen Vielfalt im Vergleich zur Eindämmung des Klimawandels einen geringeren Stellenwert auf den Agenden der Unternehmen.

59 Prozent der Befragten sehen in der Komplexität der Biodiversität eine Herausforderung. Im Gegensatz zu CO2, das klar definiert, messbar und dokumentierbar ist, gestaltet es sich schwieriger, die biologische Vielfalt zu quantifizieren, zu überwachen und konkrete Auswirkungen zu evaluieren. Diese Komplexität wird auf das Fehlen weltweit einheitlicher Maßstäbe zur Messung und Analyse von Effekten auf die biologische Vielfalt, auf Unklarheiten bei den Zielsetzungen und auf einen Mangel an Fachkräften im Bereich Biodiversität zurückgeführt.

Die meisten Organisationen konzentrieren sich daher hauptsächlich auf Fragen des Klimaschutzes, und 53 Prozent der internationalen Führungskräfte (48 Prozent der deutschen) sind der Meinung, dass der Schutz der Biodiversität im Vergleich zur Dekarbonisierung eine geringere Priorität hat. Laut der Studie sehen es mehr als die Hälfte der befragten Manager weltweit nicht als Aufgabe von Privatunternehmen an, sich für biologische Vielfalt einzusetzen; ihre Verantwortung bestehe lediglich darin, Regularien zum Schutz der Biodiversität umzusetzen.

Risiko Biodiversität

Bislang verfügen nur 24 Prozent der Unternehmen weltweit – und 16 Prozent in Deutschland – über eine Biodiversitätsstrategie. Erst 16 Prozent haben die Auswirkungen ihrer Lieferkette auf die Biodiversität untersucht und 20 Prozent die Effekte ihrer Geschäftstätigkeit.

Nur 17 Prozent der internationalen Entscheidungsträger betrachten den Verlust von Biodiversität als unmittelbares Problem. Fast 47 Prozent sehen ihn als mittelfristiges Risiko für ihr Unternehmen. Für 30 Prozent stellt er ein langfristiges Risiko bis zum Jahr 2050 dar.

Die Wahrnehmung des Risikos variiert jedoch erheblich von Land zu Land. In Deutschland betrachten beispielsweise nur 7 Prozent den Biodiversitätsverlust als unmittelbares Unternehmensrisiko, während 39 Prozent ihn als mittel- und 53 Prozent als langfristiges Risiko einschätzen.

Die Autoren der Studie schätzen, dass die weltweiten Investitionen der Unternehmen in den Erhalt der biologischen Vielfalt bislang weniger als fünf Prozent dessen betragen, was von allen staatlichen und privaten Stakeholdern innerhalb der nächsten zehn Jahre benötigt wird, um reversible Schäden an der biologischen Vielfalt der Ökosysteme auszugleichen.

Biodiversitätsstrategie? Fehlanzeige!

Obwohl Unternehmen sich zunehmend der katastrophalen Folgen des Verlusts der Artenvielfalt und damit verbundener Schädigungen der Ökosysteme bewusst sind, verfügen bislang nur 24 Prozent weltweit über eine Biodiversitätsstrategie. Nur 16 Prozent haben die Auswirkungen ihrer Lieferkette auf die Biodiversität untersucht und 20 Prozent die Effekte ihrer Geschäftstätigkeit.

Australien (15 Prozent), Deutschland (16 Prozent), Kanada (17 Prozent) und Italien (18 Prozent) liegen dabei am weitesten zurück. Biodiversitätsstrategien können unterschiedlichste Initiativen wie die Entwicklung wissenschaftsbasierter Ziele, Investitionen in Kreislaufwirtschaft oder die Berücksichtigung von Umweltfolgen bei Investitionsentscheidungen umfassen. Aktuell fokussieren sie sich stärker auf die Erhaltung, Renaturierung und Sanierung an Land als auf Süßwasser- und Meeresprojekte.

Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität

58 Prozent der befragten Manager international und 62 Prozent der deutschen haben Artenschutzbelange zu einem integralen Bestandteil ihrer Lieferketten gemacht. Ihre Unternehmen haben den Code of Conduct für Lieferanten um Anforderung zum Schutz der Biodiversität erweitert. Etwa die Hälfte der Befragten erklärte z.B., dass ihr Unternehmen in abholzungsfreie Lieferketten investiert und von seinen Lieferanten nachhaltige Waldbewirtschaftung einfordert.

Um erfolgreich gegen die Biodiversitätskrise anzugehen, sind Veränderungen auf drei Ebenen erforderlich:

  • in der Organisation,
  • im Handeln und
  • in der Unternehmenskultur.

Die Einführung der Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle. Fast zwei Drittel der Manager geben an, dass ihr Unternehmen bereits Praktiken der Kreislaufwirtschaft, wie Recycling und Wiederverwendung, implementiert hat. Diese Maßnahmen reduzieren die Abfallmenge und somit die Umweltverschmutzung, die Ökosysteme in den Meeren sowie an Land zerstört und Wildtiere gefährdet. Gleichzeitig verringern sie die Notwendigkeit, Rohstoffe aus der Natur zu gewinnen. Darüber hinaus ergreift mehr als die Hälfte der Unternehmen Maßnahmen, um negative Auswirkungen auf Landflächen und Gewässer zu reduzieren.

Einsatz von Technologie zum Schutz der Artenvielfalt

Um Biodiversität zu bewahren, werden Lösungen mit künstlicher Intelligenz (KI) eine zentrale Rolle spielen, neben Blockchain-Technologie und Sensoren, die zur Bestandsüberwachung und Lokalisierung unterschiedlicher Pflanzen- und Tierpopulationen beitragen. Der Einsatz von KI und Robotik kann beim Erfassen von Arten helfen und beobachtungsbedingte Störungen der lokalen Biodiversität minimieren.

Auch synthetische Biologie wird zur Lösung einiger der größten Umweltgefahren wie Plastikverschmutzung und Chemikalienbelastung beitragen.

Fast drei Viertel der international befragten Manager – in Deutschland fast zwei Drittel – sehen Digitaltechnologien als Schlüsselfaktoren für Maßnahmen ihrer Organisation zum Schutz der biologischen Vielfalt an. Im Einklang damit investieren die Unternehmen insbesondere in KI und maschinelles Lernen (31 Prozent international, 28 Prozent der deutschen), gefolgt von 3D-Druck (30 Prozent international, 36 Prozent der deutschen) und Robotik (28 Prozent international, 34 Prozent der deutschen Unternehmen).

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