Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether sind im Kommen. Aber die Entwicklung zum ernsthaften Zahlungsmittel wird durch die sehr hohe Volatilität erschwert. Für Händler ist es kaum möglich, einen Preis anzugeben, wenn der Kurs im zweistelligen Prozentbereich pro Woche schwankt. Die Gründe sind vielfältig.

Analyse der Marktpreisrisiken bei Kryptowährungen

Analyse der Marktpreisrisiken bei Kryptowährungen

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Rasant ging es für die Kryptowährungen Bitcoin- und Ether in den vergangenen Jahren nach oben. Doch dieser Wechselkursanstieg war keineswegs geradlinig. Es gab vielmehr zwischenzeitlich einige Einbrüche, Ende 2017 sogar um mehr als 50 Prozent innerhalb weniger Wochen.

Was die Kurse zum Fallen bringt

Im Wesentlichen lassen sich drei Gründe für Kurseinbrüche bei Kryptowährungen ausmachen. Die größten Abstürze sind meist nach Berichten über Regulierungsversuche oder Verbote (häufig aus dem asiatischen Raum) im Handel festzustellen. So erlebten die von uns beobachteten Kryptowährungen im September 2017 einen großen Kurssturz nach Beschlüssen der Behörden in China: Zunächst waren Initial-Coin-Offerings, also der Erst-Verkauf von neuen Kryptowährungen, verboten und anschließend auch der Handel mit Kryptowährungen in Frage gestellt worden. Dadurch kündigten große Plattformen wie BTCChina ein Ende des Bitcoin- und Ether-Handels an. Bitcoin verlor fast 40 Prozent, Ether sank um nahezu 30 Prozent.

Ein zweiter wichtiger Grund für fallende Kurse sind Berichte über Hacker-Angriffe oder Skandale im Umfeld der Kryptowährungen. Im Jahr 2014 fiel der Bitcoin-Kurs um fast 50 Prozent, nachdem die Handelsplattform Mt. Gox Opfer eines Hacker-Angriffs geworden war, bei dem 850.000 Bitcoins geklaut wurden. Es entbrannte eine Diskussion über die Sicherheit von Kryptowährungen. Daraus wiederum resultierte eine Flaute im Kurs, die sogar bis Ende 2016 anhielt. Allerdings haben Hacking-Angriffe bisher immer Anbieter im Umfeld der Währung ins Visier genommen. Die jeweiligen Grundlagen der Kryptowährungen, die Blockchain selber, basieren auf aktuellen Verschlüsselungsmethoden und können daher als sicher gelten.

Als dritter Grund sind Gewinnmitnahmen nach besonders rasanten Anstiegen zu beobachten.

Was die Kurse klettern lässt

Ausgangspunkt für steigende Kurse sind häufig Presseberichte oder Spekulationen über Weiterentwicklungen im Umfeld der Kryptowährungen. Mitte Dezember 2017 erreichte Ether ein Rekordhoch – beflügelt durch die Ankündigung einer Partnerschaft mit der UBS und anderen Banken, eine Ethereum-basierte Blockchain-Initiative zu starten. Auch der Bitcoin stieg auf ein Rekordhoch, nachdem die renommierte US-Börse CME die Einführung von Bitcoin-Futures bekanntgab. Anschließend teilte auch die Options-Börse CBOE aus Chicago mit, dem Beispiel des CME zu folgen. Im vierten Quartal 2017 war es die starke Fokussierung unterschiedlicher Medien auf Kryptowährungen, gestützt durch neue Ankündigungen wie die des US-Möbelhändlers Nova LifeStyle, künftig Zahlungen in Bitcoin zu akzeptieren, die die Kurse beflügelte. Auch die von Goldman Sachs gesteuerte Schaffung eines eigenen Handelsplatzes für Kryptowährungen gab den Kursen Auftrieb.

Unempfindlich gegenüber gängigen Risiken?

Bei unserer Analyse sind wir auch der Frage nachgegangen, ob gängige Risikofaktoren für Aktien und Währungen einen Einfluss auf die Entwicklung der Kryptowährungen haben. Diese Vergleiche sind mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, da die extrem hohe Volatilität von Kryptowährungen eine mathematische Analyse sehr erschwert.

Nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 beispielswiese verlor der DAX fast zehn Prozent, der Bitcoin-Kurs aber stieg weiter. Analog dazu gab es auch nach Bekanntgabe des US-Wahlsiegs von Donald Trump einen Einbruch beim DAX, aber keine wesentlichen Änderungen im Bitcoin- bzw. Ether-Kurs.

Die Kursentwicklung des Bitcoins zum Euro und acht markante Analysepunkte.

 

Acht markante Punkte zur Analyse des Bitcoin-Kurses.

Leichte politische Spannungen wie das Katalonien-Referendum, die durchaus signifikant den Euro beeinflussen, lassen Bitcoin oder Ether ebenfalls ungerührt. Auch Faktoren wie Öl- oder Gold-Preis und die allgemeinwirtschaftliche Entwicklung, die sich sowohl auf Aktien als auch auf Währungen auswirken, scheinen aktuell keine Risikofaktoren für Bitcoin oder Ether darzustellen. Außerdem gibt es bei Kryptowährungen keine Einflussmöglichkeit seitens der Zentralbanken, etwa über Veränderungen der Geldmenge einzugreifen.

Stärkere politische Spannungen wie die Nordkorea-Krise ließen den Kurs der Kryptowährungen tendenziell steigen, während beispielsweise der Dollar deutlich verlor. Spannungen in Venezuela schürten die Angst vor Wertverlusten der eigenen Währung und trieben viele Anleger in den Bitcoin. Kryptowährungen werden also auch als Krisenwährungen immer interessanter.

Mining und der Einfluss auf den Preis am Beispiel des Bitcoin

Auch wenn die Preise seit Ende 2017 stark eingebrochen sind, hat der Bitcoin seinen Wert im Jahresvergleich immer noch beinahe verfünffacht. Dagegen hat sich der Gewinn, der sich durch Aufbringen von Rechenleistung beispielsweise in der Bitcoin-Blockchain – dem Mining – erzielen lässt, in den vergangenen Jahren im Verhältnis zum Bitcoin-Kurs nur wenig geändert. Für den Algorithmus SHA256, der beim Bitcoin-Mining verwendet wird, lag der Profit im Februar 2017 bei 0,683 BTC/PH/day (Maßeinheit für Auszahlung in Bitcoin pro normierter Rechnerkapazität pro Tag), Ende November waren es allerdings nur noch 0,198 BTC/PH/day. Ein Bitcoin war Anfang des Jahres aber auch knapp 1.000 Euro wert, während er zum späteren Zeitpunkt schon 7.500 Euro war

Insgesamt ergibt dies eine Steigerung des Profits beim Mining um 117 Prozent (bei einer Umrechnung in Euro). Dies ist ein erheblicher Zuwachs – wenn auch gering im Vergleich zur Wertentwicklung des Wechselkurses. Generell wächst der Aufwand pro geschürftem Bitcoin exponentiell. Ein sinkender Preis pro Bitcoin würde also in Kombination mit wachsenden Erzeugerkosten zu einer Reduzierung der Mining-Kapazität führen und den Preis durch eine Verknappung neuer Coins tendenziell wieder steigen lassen.

Ausblick und Fazit

Derzeit ist die Verstrickung von Realwirtschaft und Kryptowährungen noch sehr gering. Das erklärt sicherlich auch, dass der Bitcoin kaum auf Ereignisse aus der Wirtschaft reagiert. Mit einer weiteren Etablierung der Coins als Währung werden voraussichtlich auch die Reaktionen auf den Markt stärker ausfallen.

Um die Währungsschwankungen etwas zu verringern, wird ein effektives Risikomanagement für Kryptowährungen benötigt. Dafür muss jede Kryptowährung für sich analysiert und bewertet werden. Denn die „Kryptos“ funktionieren nach verschiedenen Prinzipien. Wie beeinflussen die unterschiedlichen Regeln, die den verschiedenen Blockchains zugrunde liegen, das Preisrisiko? Beispielsweise gibt es für Bitcoin eine Obergrenze von 21 Millionen Coins. Der Aufwand für das Schürfen neuer Coins steigt dabei exponentiell. Dies legt nahe, dass ein auf Bitcoin basiertes Wirtschaftssystem eher zur Deflation neigen würde. Bei Ethereum dagegen steigt die Menge der verfügbaren Coins jährlich um einen konstanten Betrag von mehr als 15 Millionen Coins. Es existiert also eine stetig abnehmende Inflation. Auf dieser Grundlage können die Methoden der Derivat-Bewertung für Kryptowährungen geprüft werden. Dadurch können zukünftig auch längerfristige Futures angeboten werden, mit denen die Risiken für die Verwendung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel beherrscht werden können.


Julia Lübsen

Julia Lübsen ist Koautorin des Beitrags. Sie ist Master-Studentin der Mathematik und seit 2017 im Bereich Banksteuerung und Regulatorik für die PPI AG tätig und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themen Blockchain und Kryptowährungen.