Banken suchen nach neuen Geschäftsmodellen. Das Internet der Dinge bietet hierzu Potential. Maschinen rechnen Leistungen miteinander ab und übernehmen das Management dieser Transaktionen. Es winken Milliarden von Kontoführungsgebühren für Millionen neuer Konten.

IoT-Potentiale für Banken und Sparkassen

Das Internet der Dinge bietet Banken Potential für neue Geschäfts- und Ertragsmodelle.

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Egal welche Statistik über das Internet of Things (IoT) und Machine-to-Machine (M2M) man betrachtet, die Entwicklung verläuft in allen Fällen exponentiell. In Deutschland gibt es aktuell je nach Quelle – ob Cisco oder Statista – zwischen 250 und 700 Millionen IoT- oder M2M-Geräte, Tendenz stark wachsend. In privaten Haushalten sind das neben Computern und mobilen Kommunikationsgeräten Geräte der Kategorie Smart Home, also überwiegend Funklautsprecher, smarte Lichtschalter, Thermostate und Küchengeräte.

Weitaus breiter gefächert sind die Anwendungsfälle in der Industrie. Technische M2M-Kommunikation in der Fertigung eignet sich im Verkehr, im Gesundheitssektor, bei Energieunternehmen, der Telekommunikation und prinzipiell für alle Geräte zum Erreichen physischer Sicherheit. Alle die in diesen Branchen geschürften Informationen lassen sich auf Datenplattformen zur weiteren Verarbeitung bereitstellen.

Ökosysteme rund um das Internet der Dinge

Ein IoT setzt zwingend ein Kommunikationsnetz voraus, das die anfallenden Informationsmengen verarbeiten kann. Es gibt daher eine Abhängigkeit von der sechsten Generation der Drahtlosnetzwerke und der fünften Generation der Mobilfunknetze. Ebenso gibt es eine Abhängigkeit von verfügbarer Stromversorgung der Geräte, gemeinsamer technischer Datenstandards und erlaubter Datennutzung. Kurz: Um die Nutzung von IoT- oder M2M-Informationen spannt sich ein Ökosystem von Diensten, Infrastrukturen und Geschäftsmodellen.

In diesem Ökosystem ist reichlich Platz für Banken und Finanzdienstleister. Mehr noch: Sie werden dringend für den Betrieb gebraucht. Bringen sie doch Fähigkeiten mit, die andere Teilnehmer eines Ökosystems erst mühsam aufbauen müssten. Das sind

  • die rechtssichere Verwaltung von Identitäten,
  • die Verarbeitung standardisierter Massentransaktionen sowie die
  • die Kontoführung

Bankenexpertise ist damit schwer gefragt, denn mit den Informationen, die IoT-Geräte bereitstellen, entstehen auch Umsätze sowie jede Menge betriebswirtschaftliche Kosten- und Leistungsströme.

Für jedes Bauteil ein eigenes Bankkonto

Ein zukünftig fahrerloses, elektrisch betriebenes Auto lässt sich beispielsweise in mindestens drei Konten untergliedern:

  • Konto eins managt alles rund um das Fahrzeug selbst und verwaltet laufende Kosten und Einnahmen. Auf der Kostenseite sind das unter anderem Reinigungs- und Wartungskosten, auf der Einnahmenseite Miet- oder Werbeeinnahmen. Unterschiedliche Anbieter dieser Services sind mit dem Ökosystem verbunden. Die ausgetauschten Buchungen landen über APIs des Ökosystems verifiziert auf dem Konto.
  • Über Konto zwei wird die Generierung und Nutzung von Verkehrsinformationen abgerechnet. Über optische und elektromagnetische Sensoren erfasst das Fahrzeug in Echtzeit Verkehrsinformationen, die einer zentralen Stelle gegen Gebühr zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig verwendet das Fahrzeug im Rahmen der Optimierung eines Flottenbetriebs ebenfalls Echtzeitinformationen, die zentral eingekauft werden. Die Idee der Bereitstellung von Echtzeitverkehrsinformationen ist nicht neu, es gibt bereits zahlreiche fest installierte Sensoren. Neu ist, die Daten direkt von den Fahrzeugsensoren allgemein verfügbar zu verkaufen. Landwirte haben womöglich Interesse an Daten zu lokalen Hagelschauern, und Elektrizitätsanbieter können durch die Kombination von Daten zu Fahrtziel und Akkustand ihre Netzplanung optimieren. Der Kreativität der Geschäftsmodelle sind hier wenige Grenzen gesetzt.
  • Über Konto drei läuft das Management des wertvollsten Bauteils des Fahrzeugs: die Batterie. Hierbei wird ein digitaler Zwilling der Batterie verwaltet, der abhängig von IoT-Daten zu Nutzungsintensität, Temperaturen oder Ladezyklen entweder schneller oder langsamer an Wert verliert.

Know-how zur Kontoführung bleibt gefragt

Das Beispiel mit den drei Konten lässt sich auf weitere Teilindustrien übertragen. Interessant ist die Analogie zu aktuellen Bankprodukten: Konto eins lässt sich von den Transaktionsanforderungen her vergleichen mit einem regulären Kontokorrentkonto, über das einige Dutzend Ein- und Ausgänge pro Tag laufen. Für Konto zwei können täglich Millionen von Mikrotransaktionen anfallen. Gleichzeitig existiert eine im Vergleich zur Transaktionszahl überschaubare Zahl von Teilnehmern. Das ähnelt einem multilateralen Clearing-Verfahren. Konto drei verwaltet vergleichsweise wenige Transaktionen, die zu einer wochenaktuellen Bewertung zusammengefasst werden.

Da die Konten unmittelbar mit einem „Thing“ verknüpft sind, sind das sichere digitale Onboarding und die laufende Verwaltung Kernelemente, wenn Banken an einem IoT-Ökosystem teilnehmen. Die Begriffe Know Your Customer (KYC) und Know Your Thing (KYT) ähneln sich nicht zufällig. Jeder CIO weiß um den Aufwand, das eigene IT-Inventar transparent und korrekt zu führen. Die addierten Projektvolumina der Identity- und Access-Management-Projekte erreichen locker dreistellige Millionenbeträge. Banken können somit ihre Erfahrung mit standardisierten und individuellen Customer-Onboarding-Prozessen und Customer Reviews auf Dinge in Form von Maschinen, Geräten und Bauteilen übertragen.

Pay-as-you-X als neues Geschäftsmodell der Banken

In dem Ökosystem-Modell ändert sich das produktgetriebene Geschäft der Banken zu „Pay-as-you-X“. Das erfordert Anpassungen von IT und Prozessen im Risikomanagement, bei der Bewertung von Finanzierungen sowie im Liquiditätsmanagement. Kurz gesagt: Die klassischen Bankdisziplinen entwickeln sich weiter.

Die Zahl der Konten, die für ein solches Ökosystem benötigt werden, lässt sich vergleichsweise leicht abschätzen: Grob gesagt sind etwa die Hälfte der IoT-Geräte im Privatbesitz. Die Neigung zur direkten Monetarisierung von Informationen wird eher gering sein. Nehmen wir an, dass nur fünf Prozent der Geräte oder ihrer Besitzer dazu bereit sind: Bei unterstellten 500 Millionen Geräten ist die Hälfte im Privatbesitz, das entspräche rund 12,5 Millionen Konten. Bei Unternehmen wird die Bereitschaft zu wirtschaftlichen Transaktionen größer sein, 25 Prozent sind durchaus denkbar. In dem Fall gäbe es 62,5 Millionen Konten, die verwaltet werden wollen. Das sind allerdings nur die Zahlen für das Jahr 2020. Ein unterstelltes exponentielles Wachstum auf 2.000 Millionen Geräte bis 2025 bedeutet für die dargestellte konservative Berechnungslogik ein Portfolio von 250 Millionen Konten, allein in Deutschland.

Eine Bank mit 100 Millionen Konten ist möglich – die „Kunden“ der Zukunft sind Geräte. Erleben wir also einen Gegentrend zur Konsolidierung der Bankenlandschaft in Deutschland? Ein spannendes Szenario.

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