Auf der heutigen Tagung „Banken im Umbruch“ forderten Vertreter aus Politik und Banken einen Kurswechsel der Europäischen Zentralbank.

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Im Bankenbrief informiert der Bundeverband Deutscher Banken jeden Tag über aktuelle News und Ereignisse aus der Finanz- und Bankenwelt.

Im Blickpunkt standen heute verschiedene Beiträge auf der Tagung „Banken im Umbruch“:

Banken im Umbruch

Politik und Finanzwirtschaft fordern Wende der EZB

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Vertreter der deutschen Finanzbranche haben ein Ende der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert. Es sei eine außergewöhnliche Politik, die die EZB verfolge, erklärte Schäuble am Tag vor der Zinsentscheidung des EZB-Rats. „Und deswegen wünscht sich jeder weltweit, dass wir möglichst bald zur Normalisierung kommen“, betonte er. Zuvor hatte auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan eine Kehrtwende der Notenbank angemahnt. „Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte enden – trotz des starken Euro“, sagte er. Das viele billige Geld der Notenbanken habe den Finanzmärkten in den zurückliegenden Krisenjahren unbestritten geholfen, aber die lockere Geldpolitik führe zu immer größeren Verwerfungen. „Wir sehen inzwischen Anzeichen von Blasen an immer mehr Stellen des Kapitalmarktes, an denen wir sie nicht erwartet hätten.“ Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Branchenprimus kritisierte auch, das Zinstief benachteilige Europas Banken im Vergleich zu ihren US-Wettbewerbern. Zudem sei der europäische Bankenmarkt – insbesondere in Deutschland – nach wie vor zu zersplittert, um Schritt zu halten. „Ich bin überzeugt, dass sich der Trend der Konsolidierung in Europa und gerade in Deutschland beschleunigen muss. Auf Dauer können nur Banken mit einer gewissen Größe bestehen“, sagte der Deutsche-Bank-Chef. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), plädierte dafür, dass die Notenbank „in kleinen Schritten anfängt“, die Zinsen zu normalisieren. Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, betonte, die vom BVR vertretenen Institute würden händeringend darauf warten, dass die Notenbank sich endlich bewege: „Uns allen ist wohl klar, dass die EZB langsam überzieht.“

EZB-Bankenaufsicht will europäische Einlagensicherung

Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich für einen grenzüberschreitenden Schutz von Anlegergeldern bei Finanzinstituten ausgesprochen. Eine Einlagensicherung auf europäischer Ebene sei „überfällig“, sagte die oberste EZB-Bankenaufseherin Danièle Nouy heute in Frankfurt. „Banken werden inzwischen auf europäischer Ebene beaufsichtigt und abgewickelt, daher ist auch eine Einlagensicherung auf dieser Ebene sinnvoll. Das wäre ein weiterer Schritt hin zu einem effizienten, stabilen und wahrhaft europäischen Bankenmarkt“, sagte sie.

Zielke: Basel IV darf Europas Banken nicht benachteiligen

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat heute eine Reform der Kapitalanforderungen (Basel IV) für Banken mit Augenmaß verlangt. „Hier müssen die Regulierer und Aufseher dafür sorgen, dass die europäischen Banken nicht weiter ins Hintertreffen geraten“, sagte er in Frankfurt. Der Rahmen für die Banken müsse so kalibriert werden, „dass sie ihre Kernfunktionen auch weiter verlässlich wahrnehmen können“.

Nouy: EZB arbeitet an Leitfaden für FinTech-Unternehmen

Danièle Nouy, Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), hat heute die baldige Veröffentlichung von Regeln für FinTech-Unternehmen angekündigt. Regulierungs- und Aufsichtsbehörden müssten auf technologische Veränderungen in der Finanzwelt reagieren. „So arbeiten wir bei der EZB beispielsweise an einem Leitfaden für Zulassungen, der auch FinTechs umfasst“, sagte die Französin. Dieser Leitfaden werde in Kürze im Rahmen einer öffentlichen Konsultation veröffentlicht.

Weitere Meldungen des Tages

Das war heute ebenfalls von Bedeutung:

Brexit: Weniger als zehn Banken haben EU-Lizenz beantragt

Weniger als ein Viertel der in London ansässigen Geldhäuser mit Geschäft in der Europäischen Union (EU) haben bisher eine Banklizenz in der EU beantragt. Das wurde heute unter Berufung auf Insider berichtet. Weniger als zehn Banken hätten diesen Schritt bereits getan. „Wir haben viele Treffen, aber es gibt nicht genug konkrete Aktionen“, kritisierte ein Bankenaufseher. Nach dem Brexit benötigen Londoner Institute eine entsprechende Zulassung, um in Europa weiter tätig sein zu können.

Meldungen aus einzelnen Bankinstituten

Zu einzelnen Banken und Finanzinstituten gab es heute folgende Meldungen:

  • UBS übernimmt offenbar Teile des Südamerikageschäfts von HSBC.
  • Bakenecker wird Chef von Mastercard-Deutschland.
  • Keller führt Schweizer Bank Falcon.

Was am Donnerstag wichtig wird

Am Donnerstag stehen u.a. folgende Themen auf der Finanz-Agenda:

  • In Frankfurt findet der Schlusstag des „Handelsblatt“-Treffens „Banken im Umbruch“ satt.
  • In Frankfurt gibt die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsentscheidung des EZB-Rats bekannt.
  • Das Institut für Weltwirtschaft (IfW), präsentiert in Kiel seine Herbst-Konjunkturprognose für Deutschland, den Euroraum und die Welt.