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2023 wird das Jahr des Crashtests am Devisenmarkt

Die Weltwirtschaft und besonders Deutschland stehen vor einer Rezession. Die realwirtschaftlichen Verwerfungen haben unmittelbare Folgen auf die Wechselkurse. Wie geht es 2023 mit den wichtigsten Währungen und Währungspaaren weiter?

Aussichten für die Entwicklungen am Devisenmarkt 2023

Aussichten für die Entwicklungen am Devisenmarkt 2023.

Beim Blick auf die Realwirtschaft und die sich daraus ergebenden Folgen für die Finanzmärkte und besonders den Devisenmarkt könnten durchaus Angstgefühle aufkommen. 2023 wird definitiv das Jahr des Crashtests für die Weltwirtschaft.

Wir befinden uns in einer nie dagewesenen Situation. Selten kündigte sich eine Rezession so lange im Voraus an. Mehrere Volkswirtschaften stehen am Rande des Abgrunds: die Euro-Zone, das Vereinigte Königreich und die Länder, in denen sich die Immobilienblase in den vergangenen Jahren stark aufgebläht hat, beispielsweise in Kanada und Australien. Dagegen dürften die USA eher verschont bleiben.

Eine alte Bekannte zurück am Devisenmarkt: die Volatilität

Die wiederkehrenden Störungen auf wirtschaftlicher Ebene haben eine unmittelbare Folge: Die Volatilität auf dem Devisenmarkt ist zurück. Und sie dürfte andauern. Den Unternehmen, die sich bereits mit längerfristigen Inflationsszenarien auseinandersetzen müssen, die vor einem Jahr noch unvorstellbar waren, bereitet dies zusätzliches Kopfzerbrechen.

Immerhin: Eine schlechte Nachricht auf kurze Sicht (die Abkühlung der Weltwirtschaft) kann mittelfristig eine gute Nachricht sein (baldiger Rückgang der Inflation). Die Preise für Rohstoffe und Seefracht sind seit Sommerbeginn rückläufig. Mittelfristig ist eine schwächere Nachfrage der wirksamste Hebel, um zu einer niedrigen Inflation (im Bereich von 2 Prozent) zurückzukehren. Doch das wird schwierig sein. Erneute lokale Lockdowns in China könnten die Lieferketten jederzeit weiter durcheinanderbringen und vorübergehende Preissteigerungen zur Folge haben.

Die Aussichten für die wichtigsten Wirtschaftsregionen …

Euro-Zone

Eine Rezession ist unausweichlich. Nur die Europäische Zentralbank will das offenkundig als einzige noch nicht wahrhaben. Gleichzeitig greift die Inflation auf die gesamte Wirtschaft über. Die Inflationsspitze (vermutlich zwischen 10 und 12 Prozent) dürfte Anfang 2023 erreicht sein. Wir rechnen damit, dass die Energiekrise der europäischen Wirtschaft 7 Prozent des BIP der EU entziehen wird und Anfang nächsten Jahres 15 Prozent des BIP erreichen könnte. Wir werden uns sicherlich daran gewöhnen müssen, in einer Welt mit dauerhaft hoher Inflation zu leben, und wir werden uns von strukturell niedrigen Energiepreisen verabschieden müssen.

USA

Die US-Wirtschaft ist robuster als erwartet, auch wenn der Arbeitsmarkt sich in den kommenden Monaten verlangsamen dürfte.  Die Inflation dürfte sich in den nächsten Quartalen allmählich abschwächen. Doch werden die USA sicherlich erst 2024 wieder langfristig erträglichere Inflationsniveaus (im Bereich von 2 Prozent) erreichen. Schwachstelle der US-Wirtschaft ist der Immobiliensektor.

China

Die Null-Covid-Politik stellt eine ernsthafte Bremse für die wirtschaftliche Expansion dar. Dazu kommt die Neuordnung des Immobilienmarkts seit September 2021. Die Investoren rechnen mit einem Gesamtverlust von 130 Milliarden US-Dollar aufgrund von Ausfällen chinesischer Bauträger. Zur Verdeutlichung der Größenordnung: Dies entspricht den Schulden aller afrikanischen Länder an China. In Bezug auf die Inflation ist China weltweit die einzige große Volkswirtschaft mit einem begrenzten Preisanstieg (mit einer Kerninflation, also ohne Energie, nahe bei 1 Prozent).

… und die Folgen für die wichtigsten Währungspaare

EUR/USD

Auf Basis des realen effektiven Wechselkurses ist das Niveau des Dollars gegenüber dem Euro um 29 Prozent zu hoch. Das letzte Mal war dies 2002 der Fall. Danach verlor der Dollar bis April 2008 langsam an Wert. Es ist unwahrscheinlich, dass dies noch einmal passiert. Zwei Faktoren bewirken einen längerfristigen Rückgang des Euro: das Leitzinsgefälle zwischen den USA und der Euro-Zone sowie die Kapitalabflüsse aus der Euro-Zone, die Ausdruck der Sorge ausländischer Investoren hinsichtlich der Energiekrise in Europa sind.

6-Monats-Prognose: 1,06 // 12-Monats-Prognose: 1,08

EUR/GBP

Das Pfund hat den Brexit bisher gut überstanden. Allerdings tritt es nun in eine Zone erheblicher Turbulenzen ein. Der Beginn einer langen Rezession in Großbritannien in Verbindung mit einer rasant steigenden Inflation könnte in den kommenden Monaten zu einer Abwertung der britischen Währung führen.

6-Monats-Prognose: 0,90 // 12-Monats-Prognose: 0,85

EUR/JPY

Seit Mai 2022 kursieren am Devisenmarkt Gerüchte über eine Intervention der Bank of Japan zur Stützung des Yen-Wechselkurses. Ob dies erfolgreich sein wird, bleibt jedoch abzuwarten. Wenn eine Intervention nicht zwischen allen wichtigen Zentralbanken der Welt koordiniert wird, ist sie selten über längere Zeit wirksam.

6-Monats-Prognose: 130 // 12-Monats-Prognose: 128

EUR/CHF

Das letzte Mal, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt intervenierte, um den Schweizer Franken gegenüber dem Euro zu verbilligen, war im Juli 2022. Seitdem hat sich die SNB mit einer starken Währung arrangiert. So kann die importierte Inflation gesenkt werden.

6-Monats-Prognose: 0,85 // 12-Monats-Prognose: 1,05

EUR/CNH

Seit dem Sommer kursieren Gerüchte über eine Abwertung der chinesischen Währung. 2015 hatte China seine Währung dreimal mitten im August abgewertet, um die Wirtschaft zu stützen. Das hatte eine massive Kapitalflucht ausgelöst. Es brauchte mehrere Jahre, um sie wieder einzudämmen. Wir bezweifeln, dass China diesen Fehler noch einmal machen will.

6-Monats-Prognose: 7,20 // 12-Monats-Prognose: 7,40

Fazit: Euro bleibt das große Sorgenkind

Gerade im Verhältnis zur US-amerikanischen Weltleitwährung gerät der Euro dauerhaft unter Druck – und damit auch viele mittelständische Exporteure und Großunternehmen, die im US-Dollar-Raum Geschäfte tätigen. Sie müssen sich für einen längeren Zeitraum auf einen schwachen Euro einrichten und entsprechende Schlüsse für ihr Finanzierungsmanagement und die Absicherung von Währungsgeschäften daraus ziehen.

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Über den Autor

Mark Elser

Mark Elser ist Country Manager Deutschland von iBanFirst und soll die Entwicklung der deutschen Aktivitäten des Unternehmens vorantreiben. Zuvor war er bei der Landesbank Baden-Württemberg in verschiedenen Vertriebs- und Beratungsfunktionen im Firmenkundengeschäft tätig. Er hat einen MSc in Finanzwissenschaften von der Frankfurt School of Finance & Management mit dem Schwerpunkt Unternehmensfinanzierung.

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