Sparen gilt immer noch als Tugend der Geldanlage. Was zu Großmutters Zeit wichtig war, kann heute doch nicht falsch sein? Leider zeigt sich aktuell, dass Sparer es nicht per se einfach haben. Der Grund: Wie viel das Sparen abwirft, hängt sehr stark von den Zinssätzen an den Kapitalmärkten ab. Aufgrund der aktuellen Zinspolitik der EZB, welche den Leitzins erst vor wenigen Wochen auf 0,00 Prozent gesenkt hat, muss man bei der Kapitalanlage umdenken. So rücken Wertpapiere bei vielen Kleinanlegern stärker in den Fokus. Beispiel: Folgt man dem Rendite-Dreieck des DAI (Deutsches Aktieninstitut), konnte man mit Aktien aus dem Jahr 2002 im Jahr 2015 immerhin eine Rendite von mehr als zehn Prozent erzielen.

Wohin mit dem ersparten Geld

Wohin mit dem eigenen Geld? gerade Kleinanleger haben es deutlich schwerer als noch vor 6-8 Jahren. Das niedrige Zinsniveau sorgt dafür, dass sichere Renditen im ansehnlichen Bereich kaum noch erzielen sind.
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Je nach Anlageklasse sehen die Renditeerwartungen unterschiedlich aus. Wertpapiere schneiden auf den ersten Blick relativ gut ab. Aber: Die höheren Erträge erkauft sich der Anleger mit einem zunehmenden Risiko. Kursschwankungen sind bei Aktien und Rohstoffen an der Tagesordnung. Besonders viel Aufmerksamkeit ist als Kleinanleger gefragt, wenn es um sehr dynamische Anlagevarianten geht. In den letzten Jahren sind zunehmend mehr Derivate am Markt erschienen. Hierunter sind auch Hebelprodukte. Deren Einsatz kann mit einem sehr hohen Risiko verbunden sein. Der Hebel erlaubt zwar einen attraktiven Gewinn. Allerdings wirkt dieser nicht nur in eine Richtung, sondern kann auch Verluste potenzieren.

Zinsentwicklung beim Festgeld und Tagesgeld

Über Jahre galten Sparanlagen – wie das Festgeld oder Tagesgeld – als Anlageformen, die eine durchaus akzeptable Rendite erzielten. Und das Ganze bekam man als Anleger zu einem vertretbaren Risiko. Schließlich gehörte das Sparkapital zu den Einlagen bei Banken, für welche nicht nur die gesetzliche Einlagensicherung greift – sondern auch die freiwillige Einlagesicherung über diverse Entschädigungsfonds.


Heute ziehen mehr und mehr Sparer Kapital ab. Ein Grund ist die Entwicklung der Guthabenzinsen. Wie stark die Sparguthaben unter Druck geraten sind, lässt sich exemplarisch an den Zinssätzen für Guthaben mit 3-monatiger Kündigungsfrist – herausgegeben von der Bundesbank – zeigen. Letztere umfassen beispielsweise den Klassiker Sparbuch. Wie sieht der Zinsrutsch hier aus?

Jahr Monat Guthabenzins
2010 Januar 1,37 Prozent
2011 1,47 Prozent
2012 1,49 Prozent
2013 1,08 Prozent
2014 0,89 Prozent
2015 0,58 Prozent

 

Eine sehr ähnliche Entwicklung lässt sich für die beiden Anlagevarianten Tagesgeld und Festgeld feststellen. Auch hier sind in den letzten Jahren die Guthabenzinssätze deutlich geschrumpft. Aber: Beide sollte man als Anleger nicht ganz abschreiben. Hintergrund sind die teils erheblichen Schwankungen in den Zinssätzen zwischen den einzelnen Banken. Es ist heute immer noch möglich, zumindest Steuer und Inflation mit dem richtigen Produkt auszutricksen.

Wie lassen sich Tagesgeld und Festgeld für Geldanlagen auch heute noch sinnvoll nutzen?

Spareinlagen sind inzwischen deutlich unter Druck geraten. Gerade der direkte Zusammenhang zwischen dem Leitzins, der Refinanzierung der Banken und den Spareinlagen sorgt dafür, dass Sparer in den letzten Jahren meist das Nachsehen hatten.

Haben Festgeld und Tagesgeld als Anlageoption ausgedient? Die Antwort lautet klar: Nein! Einerseits ist nicht absehbar, wie sich die Situation in Zukunft auf lange Sicht entwickelt. Es kann durchaus sein, dass in einigen Jahren das Niveau der Leitzinsen wieder deutlich höher liegt. In diesem Fall ist auch mit einer Anpassung der Guthabenzinsen zu rechnen.

Auf der anderen Seite ist selbst ein niedriger Zins immer noch besser als gar kein Zins. Solange der Sparzins die Kurve aus Inflation und Abgeltungssteuer nicht schneidet und darunter liegt, rechnen sich Festgeld bzw. Tagesgeld immer noch. Es kommt heute darauf an, die bisherige Anlagestrategie zu überdecken und auf die neue Situation anzupassen. Wie kann diese „Überarbeitung“ aussehen? Ein Marktüberblick bei Verivox kann dabei erste Hinweise liefern und verschiedene Optionen aufzeigen.

Wie sollte Strategie für Geldanlagen heute aussehen?

Prinzipiell sind Anlagetipps ein heißes Eisen. Diese Aussage trifft umso mehr zu, je volatiler sich die Marktsituation entwickelt. Es wäre falsch, an dieser Stelle explizit auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Ähnliches zu verweisen. Als Anleger muss man bereit und in der Lage sein, die Strategie jederzeit zu überarbeiten und anzupassen.

Beispiel: Je stärker Märkte mit Schwankungen reagieren, umso wichtiger ist eine gewisse Grundliquidität. Es ist an dieser Stelle eher unpassend, sämtliches Kapital fest zu binden. Letzteres wäre eher eine Empfehlung, wenn sich Märkte in Richtung Stabilität entwickeln.

Wie kann eine Anlagestrategie letzten Endes aussehen? Vor dem Hintergrund der Kursentwicklung an den Börsen sollte man Aktien und Co. nicht aus den Augen verlieren. Hier kommt es unter anderem darauf an, den richtigen Risikomix zu finden. Dazu gehört das Setzen auf verschiedene:

  • Unternehmen
  • Branchen
  • Märkte

Warum diese breite Anlagestrategie? Risikostreuung sorgt dafür, dass negative Schwankungen in einem Bereich durch Kurskorrekturen in anderen Segmenten nach oben aufgefangen werden. Das sogenannte Klumpenrisiko lässt sich durch marktübergreifende Investments reduzieren.

Liquidität bewahrt sich der Anleger zum Beispiel über das Tagesgeldkonto. Hiermit sind auch kurzfristig Reaktionen mit entsprechenden Mitteln möglich. Mittelfristig lässt sich Kapital auch über ein Festgeldkonto bereithalten.

Die EZB sorgt mit dauerhaft niedrigen Leitzinsen dafür, dass die Zinssätze für Einlagen so niedrig liegen. Was potenzielle Kreditnehmer freut, ist für Anleger eher ungünstig.
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Fazit: Sparanlagen sind deutlich unter Druck geraten

In den letzten Jahren hat sich die Situation für viele Verbraucher verändert. Schulden machen – etwa durch die Aufnahme von Krediten bei Banken – ist in der Vergangenheit zunehmend günstiger geworden. Geld auf die hohe Kante legen, also das Vorsorgen für „schlechte Zeiten“, gerät hingegen immer weiter unter Druck. Eine Tatsache, die in erster Linie auch mit der Politik der Leit- und Zentralbanken zusammenhängt. Denn Banken müssen – wenn sich die Rahmenbedingungen für das Zinsdifferenzgeschäft verschieben – einfach an der Zinsschraube drehen. Klassische Spareinlagen, zu denen das Sparbuch – aber auch Tagesgeld und Festgeld – zu rechnen sind, geraten an dieser Stelle leider zuerst unter Druck. Als Verbraucher muss man entweder die niedrigen Zinsen hinnehmen und auf Veränderungen nach oben hoffen. Oder man überdenkt die eigene Anlagestrategie – und schichtet Kapital um. Letztlich ist ein Wechsel der Sparformen zumindest heute fast unumgänglich.